Einfaches Leben
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Warum ich auf dem Boden schlafe

Ich schlafe seit fünf Monaten auf dem Boden. Ausschlaggebend dafür war eine Unterhaltung mit meinem Sohn, als wir gerade dabei waren, den Ziegenstall auszumisten. Er wollte wissen, wo die Ziegen eigentlich ihre Betten hätten.
„Die schlafen auf der Erde“, habe ich gesagt, ohne groß darüber nachzudenken. Erst später ist mir die Situation nochmal durch den Kopf gegangen und ich habe angefangen, mir Gedanken zu machen. Tut den Ziegen morgens nicht alles weh? Die allermeisten Tiere schlafen auf dem Boden, warum sollten wir das nicht auch können? Wie war das eigentlich damals, als wir Menschen noch keine Betten hatten?

Ich war noch nie ein Fan von „Das haben schon die Steinzeitmenschen so gemacht“-Argumentationen. Trotzdem ging mir die Idee nicht aus dem Kopf, einfach mal auszuprobieren, wie das so ist, wenn man das Bett weglässt. Die Komfortzone verlässt und etwas ausprobiert, das zunächst erstmal abschreckt. So ganz getraut habe ich mich das dann aber doch nicht und in der Sorge um meinen Rücken zuerst mal das World Wide Web befragt. Und siehe da: Es gibt einige Berichte und Blogbeiträge von Leuten, die auf dem Boden schlafen und davon ganz begeistert sind. Und für den Rücken soll das sogar gut sein. Auch ein Gespräch mit meiner Osteopathin versichert mir: Die meisten Matratzen sind viel zu weich und solange es sich gut anfühlt, brauche ich mir beim Auf-dem-Boden-Schlafen keine Gedanken zu machen.

Also habe ich eine Decke ausgebreitet und es mir voller Enthusiasmus bequem gemacht. Nur dass es irgendwie nicht bequem war, egal, in welcher Position und wie lange ich mich auch hin- und hergewälzt habe. Ich habe jeden Knochen gespürt und jede Falte in meinem Nachthemd hat sich angefühlt, als würde ich auf einem Stock liegen. Gerade die Auflagepunkte an Schultern und Hüfte haben in den folgenden Tagen dauerhaft geschmerzt.

Zum Glück habe ich durchgehalten, denn bereits nach zwei Nächten war es deutlich besser. Mein Körper brauchte ein wenig Zeit, um sich umzustellen, aber nach zwei Wochen war es absolut normal und der harte Untergrund hat sich sogar gut angefühlt. Ich hätte mir am Anfang nie vorstellen können, dass ich meine neue Schlafstätte irgendwann einmal als gemütlich beschreiben würde und mir geschworen, das nicht länger als eine Woche durchzuziehen. Ich bin weder Arzt, noch Experte und kann daher nur wiedergeben, was ich selbst empfinde. Aber mittlerweile freue ich mich darauf, schlafen zu gehen und schlafe auch viel schneller ein als früher. Es fühlt sich natürlich und gut an, auf dem Boden zu schlafen, und seit ich mein Bett abgebaut habe, ist im Schlafzimmer richtig viel Platz. Meine Decke ist schnell zusammengerollt und lässt sich auch überallhin mitnehmen.

Ob sich meine Schlaf-Qualität durch das Auf-dem-Boden-Schlafen gesteigert hat, kann ich nicht sagen. Den Winter über war es von unten außerdem verdammt kalt. Es hätte mit Sicherheit geholfen, auf einer Isomatte zu schlafen, aber Plastik mag ich nicht und bleibe dann doch lieber bei meiner Wolldecke. In den meisten Nächten habe ich eine Wärmflasche gebraucht oder musste mich mit zwei oder mehr Decken zudecken. Obwohl ich sehr gerne mit offenem Fenster schlafe, war daran bis Mitte Februar nicht zu denken.

In einem Bett zu schlafen, kann ich mir trotzdem nicht mehr vorstellen und auch wenn ich bei Freunden übernachte, schlafe ich auf dem Boden. Zu wissen, dass ich überall schlafen kann, macht ungemein flexibel. Spätestens nachdem ich probeweise wieder eine Nacht in einem Bett geschlafen und gemerkt habe, wie sehr man da eigentlich „durchhängt“, steht für mich fest, dass ich nicht mehr zurück will. Das Experiment Boden hat sich längst als Dauerlösung etabliert.

Gibt es da draußen noch mehr Bodenschläfer? Falls ja, würde ich mich über Erfahrungsberichte freuen.

Kategorie: Einfaches Leben

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Hi, ich bin Marie. Leidenschaftliche Gärtnerin, Mutter eines dreijährigen Sohnes und auf dem Weg in ein einfaches und natürliches Leben.

Auf meinem Blog dreht sich alles um das Thema Selbstversorgung: vom Gemüsegarten über Tierhaltung oder das Haltbarmachen der eigenen Ernte.

Viel Spaß beim Stöbern!

7 Kommentare

  1. „Ich war noch nie ein Fan von „Das haben schon die Steinzeitmenschen so gemacht“-Argumentationen.“

    Also da fallen mir aber Gegenbeispiele zu ein 🙂

  2. phil sagt

    ich schlafe auch in den sommermonaten auf dem boden, wenn ich auf der alm bin. gegen die kälte lege ich eine wärmedecke aus einem erste hilfe koffer unter, vielleicht probierst du das mal aus.

    • Marie sagt

      Das werde ich vermutlich mal probieren. Zur Zeit ist es wieder ganz schön kalt nachts.

  3. sabine sagt

    hallo Marie,
    danke für deinen bericht. ich gehe mit deinen erfahrungen sehr mit.
    außer das ich keine schmerzen hatte, sehr wohl aber nach einer weile verplüfft war wie gern ich mich nun bette und garnicht mehr merke wie hart das ganze eigentlich ist. voll toll. 😉
    auch meine kinder (1 und 8) schlafen super mit auf dem boden.

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