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Kompost anlegen und pflegen: 1×1 des Kompostierens

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Der Komposthaufen ist das Herz eines Gartens und das Kompostieren eine der wichtigsten Aufgaben als Selbstversorger*in. Guter Kompost hält die Feuchtigkeit im Boden, durchlüftet ihn und dient nicht nur den Pflanzen als Nahrung, sondern auch vielen nützlichen Bodenorganismen. Abfälle werden recycelt und Nährstoffkreisläufe entstehen. Im Komposthaufen werden die Ausgangsmaterialien von Bodenlebewesen in schwarzen Humus verwandelt. Unsere Aufgabe ist es, Bedingungen zu schaffen, unter denen diese kleinen Helfer ungestört ihrer Arbeit nachgehen können. Deswegen möchte ich dir heute zeigen, wie du einen richtig guten Kompost anlegen kannst.

Schnellkomposter KompostAnlegen Gemuesegarten

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, einen Kompost aufzusetzen:

  • Schnellkomposter sind günstig und schnell auf- und wieder abgebaut. Das Fassungsvermögen sollte allerdings mindestens 200 l betragen, ansonsten läuft die Verrottung nicht so effektiv ab. Schnellkomposter mit Entladeklappe sind sehr praktisch.
  • Holzkomposter kann man zum Beispiel aus Paletten selberbauen. Eine Abdeckung ist besonders in regenreichen Regionen sinnvoll. Generell sollte man mindestens zwei Kästen haben: einen, den man befüllt, und einen, in dem die Kompostierung stattfindet.
  • Offene Komposthaufen sollten mindestens 1,20m breit, 80cm hoch und mehrere Meter lang sein. Das Material wird so aufgeschichtet, dass die Seiten schräg abfallen. Offene Haufen eignen sich eigentlich nur für sehr große Gärten, in denen viel Material anfällt. Die verschiedenen Materialien kann man sammeln und die Miete anschließend so anlegen, dass die Nährstoffzusammensetzung möglichst optimal ist. Da allerdings selten so viele unterschiedliche Rohstoffe gleichzeitig anfallen, kann man den Haufen auch nach und nach aufsetzen.

Der beste Platz, um einen Komposthaufen anzulegen

Der Komposthaufen sollte in erster Linie gut erreichbar sein, auch mit der Schubkarre. Die Bodenorganismen arbeiten effizienter, wenn du den Haufen außerdem immer am selben Ort errichtest. Mit der Zeit siedelt sich das passende Bodenleben an, um einen neu angelegten Komposthaufen schnell umzusetzen. Damit die Bodenlebewesen in den Kompost einziehen können, ist es wichtig, ihn direkt auf dem Erdboden anzulegen, nicht etwa auf Fliesen oder Stein. Außerdem sollte der Untergrund wasserdurchlässig sein, damit sich keine Staunässe bildet.

Die Verrottung verläuft am effektivsten, wenn der Kompost vor Wind geschützt und leicht beschattet ist. In heißeren Gegenden braucht der Komposthaufen mehr Schatten als in kühleren. Dafür kannst du den Kompostplatz entweder unter Sträuchern oder Bäumen anlegen oder neue Sträucher pflanzen. Holunderbüsche und Haselsträucher sollen die Kompostierung beschleunigen.

Was darf kompostiert werden?

Von Garten- und Küchenabfällen über Stroh, Mist, Federn, Pappe, Eierschalen oder Kaffeesatz: Die allermeisten organischen Rohstoffe sind auf dem Komposthaufen gut aufgehoben. Da die Verrottung von Laub, Rinden und Holz länger dauert und der Kompost hier öfter umgesetzt werden muss, sollte man sie separat kompostieren.

Gekochte Essensreste, Fleisch, Milchprodukte und Gebäck können Ratten anziehen und haben daher auf dem Komposthaufen nichts verloren. Auch beim Kompostieren von Unkraut sollte man vorsichtig sein: Wurzel- oder samentragende Unkräuter gehören nur dann auf den Komposthaufen, wenn du einen sehr heißen Kompost ansetzt (über 70°C). Liegt die Temperatur darunter, werden die Unkrautsamen und Wuzeln nicht abgetötet und du bringst sie zusammen mit dem Kompost auf deine Beete aus. Wie du die Temperatur in deinem Kompost beeinflussen kannst, erfährst du weiter unten.

Auch Teile von kranken Pflanzen dürfen nicht auf dem Komposthaufen landen. Ansonsten kann sich die Krankheit ausbreiten und der Kompost ist für deine Pflanzen kein Gesundungsmittel mehr, sondern eine Infektionsquelle.

Grasschnitt sollte man vor dem Ausbringen auf den Komposthaufen zunächst anwelken lassen. Außerdem ist es wichtig, Grasschnitt nicht zu dick aufzuschichten. Wenn bei dir viel Grasschnitt anfällt, kannst du ihn mit gröberem, braunem Material mischen, damit sich keine fauligen Schichten bilden.

Hobelspäne und Sägemehl solltest du nur in kleinen Mengen kompostieren. Ansonsten kann es passieren, dass dein Garten von Drahtwürmern befallen wird.

Kompost Anlegen C/N Verhältnis

Richtig guten Laubkompost machen

Im Herbst hast du die beste Gelegenheit, kostenloses Kompostmaterial in rauen Mengen abzustauben. Überall stehen Säcke voll Herbstlaub an den Straßen, das du in wunderbaren Kompost verwandeln kannst. Laub sollte – wie eben erwähnt – am besten separat kompostiert werden, weil die Kompostierung so lange dauert. Es lohnt sich aber in jedem Fall, einen Laubkompost anzulegen. Der ist nämlich besonders wertvoll und gut zur Stecklings- und Jungpflanzenanzucht geeignet.

Für einen richtig guten Laubkompost solltest du verschiedene Laubarten mischen. Die Blätter sollten beim Aufsetzen nur leicht feucht sein – gegebenenfalls lässt du sie vorher an der Sonne abtrocknen. Mische ca. 10% Gartenerde unter das Laub. Wenn du zusätzlich 1-3% Bentonit dazugibst, ist die Wurmtätigkeit um einiges größer. Vor dem Winter solltest du deinen Laubkompost in jedem Fall abdecken.

Wenn du wissen willst, was du mit Herbstlaub sonst noch alles anstellen kannst: Hier geht’s zum passenden Artikel.

Kompost anlegen: das C/N-Verhältnis

Das Verhältnis von kohlenstoffhaltigen zu stickstoffhaltigen Ausgangsmaterialien spielt beim Kompostieren eine große Rolle. Dieses sogenannte C/N-Verhältnis sollte zwischen 15:1 und 20:1 liegen. Liegt es unter 15:1, drohen zu hohe Nährstoffverluste, bei einem Verhältnis von über 20:1 steht dem Bodenleben zu wenig Stickstoff zur Verfügung um anständig arbeiten zu können. Du solltest also darauf achten, die Materialien in ausgewogenen Schichten aufzubringen. Noch besser als das Aufschichten einzelner Materialien ist es, kohlenstoff- und stickstoffhaltige Ausgangsstoffe schon vor dem Auftragen miteinander zu vermischen.

  • Kohlenstoffhaltige Materialien sind: Stroh, Hackschnitzel, Laub, Zweige usw. Also alles, was braun ist.
  • Stickstoffhaltige Materialien sind: Grasschnitt, Reste vom Gemüseschnibbeln, Grünschnitt, Brennnesseln usw. Also alles, was grün ist. Kaffeesatz, Mist und Jauche sind zwar braun, enthalten aber auch viel Stickstoff.

Damit die Bodenlebewesen die Materialien besser aufschließen können, ist es wichtig, holzige oder fleischige Pflanzenteile zu zerkleinern. Dafür braucht mal keinen Häcksler. Ich zerschnipsel Kohlstrünke, Zweige etc. immer mit einer normalen Gartenschere.

Kompost Anlegen Gemüsegarten

Den Komposthaufen aktivieren

Ich mische ca. 10% tonhaltige Gartenerde oder fertigen Kompost unter die Abfälle. So „impfe“ ich den Komposthaufen mit Bodenorganismen, die sich sofort an die Arbeit machen. Das Untermischen tonhaltiger Erde hilft den Organismen außerdem, stabile Humuskomplexe zu bilden, an die die Nährstoffe gebunden sind. So läuft die Verrottung schneller ab und die Nährstoffe werden nicht so schnell ausgewaschen.

Eine gute Möglichkeit, einen Komposthaufen in Schwung zu bringen, sind Effektive Mikroorganismen (EM). Mit ihrer Hilfe verkompostieren deine Abfälle nicht nur wesentlich schneller, EM-Kompost ist auch nährstoffreicher und verfault nicht so schnell wie herkömmlicher Kompost.

Die Temperatur regeln

Wer schon einmal einen Komposthaufen angelegt hat, weiß, dass die Temperatur am Anfang sehr hoch ist und dann immer weiter abfällt. Wie heiß ein Kompost wird, hängt von der Materialzusammensetzung ab. Frischer Mist wird bis zu 60°C heiß, Grasschnitt, Grünmaterial oder frische Brennnesseln sogar über 80°C. Untergemischte Erde hält die Temperatur niedrig.

Generell töten höhere Temperaturen Keime und Unkrautsamen besser ab. Allerdings sterben einige Mikrobenstämme bei Temperaturen über 50°C. Ein heißer Kompost ist also nicht mehr so vital und belebt. Die optimale Temperatur für deinen Kompost hängt also davon ab, wie viel Wert du auf Keimfreiheit legst und ob du eventuell fiese Unkräuter auf den Kompost geworfen hast.

Feuchtigkeit

Ohne Feuchtigkeit vertrocknen die Bodenorganismen im Komposthaufen und die Verrottung stagniert. Wenn der Kompost allerdings zu nass ist, gelangt nicht mehr genug Luft ins Innere des Haufens und er verfault. Hier sollte man also aufpassen. Dein Komposthaufen hat einen guten Feuchtigkeitsgehalt, wenn sich das Innere des Komposthaufens wie ein ausgedrückter Schwamm anfühlt.

Wenn du von Anfang an darauf achtest, dass die aufgeschichteten Materialien einen ausgeglichenen Feuchtigkeitsgehalt haben, solltest du später keine Probleme haben. Ist dein Kompost aber zu trocken, hilft es, ihn ab und zu zu gießen. Ein zu nasser Kompost muss umgesetzt werden. Dabei solltest du Erde und trockenes Material untermischen.

Gerade in niederschlagsreichen Gegenden sollte ein Kompost immer abgedeckt sein, damit er vor Regen geschützt ist.

Sauerstoff

Die aeroben Bakterien im Komposthaufen sterben, wenn sie nicht genug Sauerstoff bekommen. Dann setzen sich anaerobe Bakterien durch und der Haufen wird stinkig und fault. Daher muss man beim Anlegen darauf achten, keine dicken Schichten Grasschnitt oder Tonerde aufzutragen, durch die kein Sauerstoff mehr ins Innere des Haufens gelangt. Grasschnitt oder Ton sollte man entweder nur sehr dünn auftragen oder mit lockeren Materialien wie Zweigen oder Stroh mischen.

Es sollten sich aber auch nicht zu große Hohlräume bilden, denn die behindern die Bodenorganismen bei ihrer Arbeit. Sperrige Äste etc. also immer gut zerkleinern.

Umsetzen

Beim Umsetzen gelangen die äußeren Schichten nach innen und die inneren Schichten nach außen. Dadurch erzielt man eine gleichmäßigere und vor allem schnellere Verrottung. Das Endergebnis ist mit und ohne Umsetzen gleich. Gerade in einem neuen Garten, wenn noch nicht viel Kompost zur Verfügung steht, lohnt sich die Mehrarbeit aber allemal. Später kann man dann abwägen, ob man so dringend neuen Kompost braucht, dass man ihn umsetzt.

Der günstigste Zeitpunkt zum Umsetzen ist nach drei bis sechs Wochen, wenn der Haufen wieder kühler geworden ist.

Kompost machen auf dem Balkon

Wenn du auf dem Balkon gärtnerst, kannst du deine Abfälle wunderbar in einer Wurmkiste kompostieren. Das nicht nur geruchsneutral, sondern auch sehr effektiv. Wurmkisten kann man entweder selberbauen oder fertig kaufen. Auch die späteren Bewohner (Rote Mistwürmer) kann man im Internet bestellen. Falls du mehr wissen willst, schau dir doch mal in dieses Video an:

 

Mein Kompost stinkt!

Wenn dein Komposthaufen fault anstatt zu verrotten, solltest du zunächst den Untergrund auf Wasserdurchlässigkeit kontrollieren. Öffne den Haufen und lass ihn an der Sonne abtrocknen. Anschließend solltest du ihn neu aufsetzen und dabei trockenes Material untermischen. Prüfe auch, ob die Abdeckung intakt ist!

Mein Kompost schimmelt!

Schimmel ist ein Zeichen dafür, dass der Kompost zu trocken ist. Du solltest deinen Haufen umsetzen und gut gießen. Am besten mischst du dabei noch etwas reifen Kompost unter, um ihn neu zu aktivieren. In der nächsten Zeit solltest du deinen Kompost regelmäßig kontrollieren und eventuell noch einige Male gießen.

Wann ist der Kompost fertig?

Je nach Materialzusammensetzung und Jahreszeit dauert die Kompostierung einige Wochen oder Monate. Im Winter macht der Komposthaufen Pause, dann passiert nicht viel. Der Kompost ist fertig, wenn er nach Waldboden riecht. Oft sind auch dann noch vereinzelte unverrottete Teile im Kompost. Die kann man mit einem Kompostsieb heraussieben und zurück auf den Haufen werfen.

Kompost Anlegen Gemüsegarten

Fertiger Kompost kann abgedeckt längere Zeit gelagert werden. Die beste Zeit, um Kompost auszubringen, ist das Frühjahr. Dann kannst du eine 1 bis 2 cm dicke Schicht auf deinen Beeten verteilen und leicht einarbeiten. Auch im Sommer und im Herbst kann man noch Kompost ausbringen – zum Beispiel als Kopfdünung für starkzehrende Pflanzen wie Tomaten oder Kohl. Im Herbst ausgebrachter Kompost sollte in jedem Fall mit einer Mulchdecke geschützt und nur so lange ausgebracht werden, wie der Boden noch warm ist.

Was macht dein Kompost? Oder kompostierst du deine Abfälle in einer Wurmfarm? Hast du Geheimtipps für richtig guten Kompost? Teile deine Erfahrungen in den Kommentaren!

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Kategorie: Garten

von

Hi, ich bin Marie. Leidenschaftliche Gärtnerin, Mutter eines dreijährigen Sohnes und auf dem Weg in ein möglichst autarkes Leben. Auf diesem Blog dreht sich alles um die Themen Selbstversorgung, Nachhaltigkeit und Minimalismus.

4 Kommentare

  1. Liebe Marie,
    vielen Dank für diese geballten Informationen! Ich bin jetzt motiviert, mich mal intensiver mit meinem Komposthaufen zu beschäftigen, den ich oft etwas ekelig finde. Bei mir wird er immer sehr schleimig und stinkt das Kompostieren war deswegen immer eine Aufgabe, vor der ich mich lieber gedrückt habe. Aber ich werde deine Hinweise ausprobieren, wie man diese Probleme lösen kann. Jetzt im Herbst fällt ja wieder viel an was man kompostieren kann.
    Solche Garten-Beiträge finde ich wirklich super!!
    LG Jutta

  2. Pingback: Meine 7 größten Fehler beim Mulchen von Gemüsebeeten - Wurzelwerk

  3. Patrick sagt

    Ich habe einen Geheimtipp: Kaffee! Die Regenwürmer lieben ihn. Jetzt muss ich auch kein schlechtes Gewissen mehr haben dass ich 6 Tassen am Tag trink. 😀

    • Marie sagt

      Hehe, das stimmt. Wir trinken eigentlich kaum Kaffee, aber unsere Nachbarn heben uns immer den Kaffeesatz auf. Sie meinen, das hilft gegen Schnecken. Das konnte ich bisher zwar nicht beobachten, aber die Würmer lieben Kaffee und das ist fast genauso gut.

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