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Kompost anlegen und pflegen: 1×1 des Kompostierens

Der Komposthaufen ist das Herz eines Gartens und das Kompostieren eine der wichtigsten Aufgaben als Selbstversorger*in. Guter Kompost hält die Feuchtigkeit im Boden, durchlüftet ihn und dient nicht nur den Pflanzen als Nahrung, sondern auch vielen nützlichen Bodenorganismen. Abfälle werden recycelt und Nährstoffkreisläufe entstehen. Im Komposthaufen werden die Ausgangsmaterialien von Bodenlebewesen in schwarzen Humus verwandelt. Unsere Aufgabe ist es, Bedingungen zu schaffen, unter denen diese kleinen Helfer ungestört ihrer Arbeit nachgehen können. Deswegen möchte ich dir heute zeigen, wie du einen richtig guten Kompost anlegen kannst.

Schnellkomposter KompostAnlegen Gemuesegarten

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, einen Kompost aufzusetzen:

  • Schnellkomposter sind günstig und schnell auf- und wieder abgebaut. Das Fassungsvermögen sollte allerdings mindestens 200 l betragen, ansonsten läuft die Verrottung nicht so effektiv ab. Schnellkomposter mit Entladeklappe sind sehr praktisch.
  • Holzkomposter kann man zum Beispiel aus Paletten selberbauen. Eine Abdeckung ist besonders in regenreichen Regionen sinnvoll. Generell sollte man mindestens zwei Kästen haben: einen, den man befüllt, und einen, in dem die Kompostierung stattfindet.
  • Offene Komposthaufen sollten mindestens 1,20m breit, 80cm hoch und mehrere Meter lang sein. Das Material wird so aufgeschichtet, dass die Seiten schräg abfallen. Offene Haufen eignen sich eigentlich nur für sehr große Gärten, in denen viel Material anfällt. Die verschiedenen Materialien kann man sammeln und die Miete anschließend so anlegen, dass die Nährstoffzusammensetzung möglichst optimal ist. Da allerdings selten so viele unterschiedliche Rohstoffe gleichzeitig anfallen, kann man den Haufen auch nach und nach aufsetzen.

Der beste Platz, um einen Komposthaufen anzulegen

Der Komposthaufen sollte in erster Linie gut erreichbar sein, auch mit der Schubkarre. Die Bodenorganismen arbeiten effizienter, wenn du den Haufen außerdem immer am selben Ort errichtest. Mit der Zeit siedelt sich das passende Bodenleben an, um einen neu angelegten Komposthaufen schnell umzusetzen. Damit die Bodenlebewesen in den Kompost einziehen können, ist es wichtig, ihn direkt auf dem Erdboden anzulegen, nicht etwa auf Fliesen oder Stein. Außerdem sollte der Untergrund wasserdurchlässig sein, damit sich keine Staunässe bildet.

Die Verrottung verläuft am effektivsten, wenn der Kompost vor Wind geschützt und leicht beschattet ist. In heißeren Gegenden braucht der Komposthaufen mehr Schatten als in kühleren. Dafür kannst du den Kompostplatz entweder unter Sträuchern oder Bäumen anlegen oder neue Sträucher pflanzen. Holunderbüsche und Haselsträucher sollen die Kompostierung beschleunigen.

Was darf kompostiert werden?

Von Garten- und Küchenabfällen über Stroh, Mist, Federn, Pappe, Eierschalen oder Kaffeesatz: Die allermeisten organischen Rohstoffe sind auf dem Komposthaufen gut aufgehoben. Da die Verrottung von Laub, Rinden und Holz länger dauert und der Kompost hier öfter umgesetzt werden muss, sollte man sie separat kompostieren.

Gekochte Essensreste, Fleisch, Milchprodukte und Gebäck können Ratten anziehen und haben daher auf dem Komposthaufen nichts verloren. Auch beim Kompostieren von Unkraut sollte man vorsichtig sein: Wurzel- oder samentragende Unkräuter gehören nur dann auf den Komposthaufen, wenn du einen sehr heißen Kompost ansetzt (über 70°C). Liegt die Temperatur darunter, werden die Unkrautsamen und Wuzeln nicht abgetötet und du bringst sie zusammen mit dem Kompost auf deine Beete aus. Wie du die Temperatur in deinem Kompost beeinflussen kannst, erfährst du weiter unten.

Auch Teile von kranken Pflanzen dürfen nicht auf dem Komposthaufen landen. Ansonsten kann sich die Krankheit ausbreiten und der Kompost ist für deine Pflanzen kein Gesundungsmittel mehr, sondern eine Infektionsquelle.

Grasschnitt sollte man vor dem Ausbringen auf den Komposthaufen zunächst anwelken lassen. Außerdem ist es wichtig, Grasschnitt nicht zu dick aufzuschichten. Wenn bei dir viel Grasschnitt anfällt, kannst du ihn mit gröberem, braunem Material mischen, damit sich keine fauligen Schichten bilden.

Hobelspäne und Sägemehl solltest du nur in kleinen Mengen kompostieren. Ansonsten kann es passieren, dass dein Garten von Drahtwürmern befallen wird.

Kompost Anlegen C/N Verhältnis

Richtig guten Laubkompost machen

Im Herbst hast du die beste Gelegenheit, kostenloses Kompostmaterial in rauen Mengen abzustauben. Überall stehen Säcke voll Herbstlaub an den Straßen, das du in wunderbaren Kompost verwandeln kannst. Laub sollte – wie eben erwähnt – am besten separat kompostiert werden, weil die Kompostierung so lange dauert. Es lohnt sich aber in jedem Fall, einen Laubkompost anzulegen. Der ist nämlich besonders wertvoll und gut zur Stecklings- und Jungpflanzenanzucht geeignet.

Für einen richtig guten Laubkompost solltest du verschiedene Laubarten mischen. Die Blätter sollten beim Aufsetzen nur leicht feucht sein – gegebenenfalls lässt du sie vorher an der Sonne abtrocknen. Mische ca. 10% Gartenerde unter das Laub. Wenn du zusätzlich 1-3% Bentonit dazugibst, ist die Wurmtätigkeit um einiges größer. Vor dem Winter solltest du deinen Laubkompost in jedem Fall abdecken.

Kompost anlegen: das C/N-Verhältnis

Das Verhältnis von kohlenstoffhaltigen zu stickstoffhaltigen Ausgangsmaterialien spielt beim Kompostieren eine große Rolle. Dieses sogenannte C/N-Verhältnis sollte zwischen 15:1 und 20:1 liegen. Liegt es unter 15:1, drohen zu hohe Nährstoffverluste, bei einem Verhältnis von über 20:1 steht dem Bodenleben zu wenig Stickstoff zur Verfügung um anständig arbeiten zu können. Du solltest also darauf achten, die Materialien in ausgewogenen Schichten aufzubringen. Noch besser als das Aufschichten einzelner Materialien ist es, kohlenstoff- und stickstoffhaltige Ausgangsstoffe schon vor dem Auftragen miteinander zu vermischen.

  • Kohlenstoffhaltige Materialien sind: Stroh, Hackschnitzel, Laub, Zweige usw. Also alles, was braun ist.
  • Stickstoffhaltige Materialien sind: Grasschnitt, Reste vom Gemüseschnibbeln, Grünschnitt, Brennnesseln usw. Also alles, was grün ist. Kaffeesatz, Mist und Jauche sind zwar braun, enthalten aber auch viel Stickstoff.

Damit die Bodenlebewesen die Materialien besser aufschließen können, ist es wichtig, holzige oder fleischige Pflanzenteile zu zerkleinern. Dafür braucht mal keinen Häcksler. Ich zerschnipsel Kohlstrünke, Zweige etc. immer mit einer normalen Gartenschere.

Kompost Anlegen Gemüsegarten

Den Komposthaufen aktivieren

Ich mische ca. 10% tonhaltige Gartenerde oder fertigen Kompost unter die Abfälle. So „impfe“ ich den Komposthaufen mit Bodenorganismen, die sich sofort an die Arbeit machen. Das Untermischen tonhaltiger Erde hilft den Organismen außerdem, stabile Humuskomplexe zu bilden, an die die Nährstoffe gebunden sind. So läuft die Verrottung schneller ab und die Nährstoffe werden nicht so schnell ausgewaschen.

Eine gute Möglichkeit, einen Komposthaufen in Schwung zu bringen, sind Effektive Mikroorganismen (EM). Mit ihrer Hilfe verkompostieren deine Abfälle nicht nur wesentlich schneller, EM-Kompost ist auch nährstoffreicher und verfault nicht so schnell wie herkömmlicher Kompost.

Die Temperatur regeln

Wer schon einmal einen Komposthaufen angelegt hat, weiß, dass die Temperatur am Anfang sehr hoch ist und dann immer weiter abfällt. Wie heiß ein Kompost wird, hängt von der Materialzusammensetzung ab. Frischer Mist wird bis zu 60°C heiß, Grasschnitt, Grünmaterial oder frische Brennnesseln sogar über 80°C. Untergemischte Erde hält die Temperatur niedrig.

Generell töten höhere Temperaturen Keime und Unkrautsamen besser ab. Allerdings sterben einige Mikrobenstämme bei Temperaturen über 50°C. Ein heißer Kompost ist also nicht mehr so vital und belebt. Die optimale Temperatur für deinen Kompost hängt also davon ab, wie viel Wert du auf Keimfreiheit legst und ob du eventuell fiese Unkräuter auf den Kompost geworfen hast.

Feuchtigkeit

Ohne Feuchtigkeit vertrocknen die Bodenorganismen im Komposthaufen und die Verrottung stagniert. Wenn der Kompost allerdings zu nass ist, gelangt nicht mehr genug Luft ins Innere des Haufens und er verfault. Hier sollte man also aufpassen. Dein Komposthaufen hat einen guten Feuchtigkeitsgehalt, wenn sich das Innere des Komposthaufens wie ein ausgedrückter Schwamm anfühlt.

Wenn du von Anfang an darauf achtest, dass die aufgeschichteten Materialien einen ausgeglichenen Feuchtigkeitsgehalt haben, solltest du später keine Probleme haben. Ist dein Kompost aber zu trocken, hilft es, ihn ab und zu zu gießen. Ein zu nasser Kompost muss umgesetzt werden. Dabei solltest du Erde und trockenes Material untermischen.

Gerade in niederschlagsreichen Gegenden sollte ein Kompost immer abgedeckt sein, damit er vor Regen geschützt ist.

Sauerstoff

Die aeroben Bakterien im Komposthaufen sterben, wenn sie nicht genug Sauerstoff bekommen. Dann setzen sich anaerobe Bakterien durch und der Haufen wird stinkig und fault. Daher muss man beim Anlegen darauf achten, keine dicken Schichten Grasschnitt oder Tonerde aufzutragen, durch die kein Sauerstoff mehr ins Innere des Haufens gelangt. Grasschnitt oder Ton sollte man entweder nur sehr dünn auftragen oder mit lockeren Materialien wie Zweigen oder Stroh mischen.

Es sollten sich aber auch nicht zu große Hohlräume bilden, denn die behindern die Bodenorganismen bei ihrer Arbeit. Sperrige Äste etc. also immer gut zerkleinern.

Umsetzen

Beim Umsetzen gelangen die äußeren Schichten nach innen und die inneren Schichten nach außen. Dadurch erzielt man eine gleichmäßigere und vor allem schnellere Verrottung. Das Endergebnis ist mit und ohne Umsetzen gleich. Gerade in einem neuen Garten, wenn noch nicht viel Kompost zur Verfügung steht, lohnt sich die Mehrarbeit aber allemal. Später kann man dann abwägen, ob man so dringend neuen Kompost braucht, dass man ihn umsetzt.

Der günstigste Zeitpunkt zum Umsetzen ist nach drei bis sechs Wochen, wenn der Haufen wieder kühler geworden ist.

Kompost machen auf dem Balkon

Wenn du auf dem Balkon gärtnerst, kannst du deine Abfälle wunderbar in einer Wurmkiste kompostieren. Das nicht nur geruchsneutral, sondern auch sehr effektiv. Wurmkisten kann man entweder selberbauen oder fertig kaufen. Auch die späteren Bewohner (Rote Mistwürmer) kann man im Internet bestellen. Falls du mehr wissen willst, schau dir doch mal in dieses Video an:

 

Mein Kompost stinkt!

Wenn dein Komposthaufen fault anstatt zu verrotten, solltest du zunächst den Untergrund auf Wasserdurchlässigkeit kontrollieren. Öffne den Haufen und lass ihn an der Sonne abtrocknen. Anschließend solltest du ihn neu aufsetzen und dabei trockenes Material untermischen. Prüfe auch, ob die Abdeckung intakt ist!

Mein Kompost schimmelt!

Schimmel ist ein Zeichen dafür, dass der Kompost zu trocken ist. Du solltest deinen Haufen umsetzen und gut gießen. Am besten mischst du dabei noch etwas reifen Kompost unter, um ihn neu zu aktivieren. In der nächsten Zeit solltest du deinen Kompost regelmäßig kontrollieren und eventuell noch einige Male gießen.

Wann ist der Kompost fertig?

Je nach Materialzusammensetzung und Jahreszeit dauert die Kompostierung einige Wochen oder Monate. Im Winter macht der Komposthaufen Pause, dann passiert nicht viel. Der Kompost ist fertig, wenn er nach Waldboden riecht. Oft sind auch dann noch vereinzelte unverrottete Teile im Kompost. Die kann man mit einem Kompostsieb heraussieben und zurück auf den Haufen werfen.

Kompost Anlegen Gemüsegarten

Fertiger Kompost kann abgedeckt längere Zeit gelagert werden. Die beste Zeit, um Kompost auszubringen, ist das Frühjahr. Dann kannst du eine 1 bis 2 cm dicke Schicht auf deinen Beeten verteilen und leicht einarbeiten. Auch im Sommer und im Herbst kann man noch Kompost ausbringen – zum Beispiel als Kopfdünung für starkzehrende Pflanzen wie Tomaten oder Kohl. Im Herbst ausgebrachter Kompost sollte in jedem Fall mit einer Mulchdecke geschützt und nur so lange ausgebracht werden, wie der Boden noch warm ist.

Was macht dein Kompost? Oder kompostierst du deine Abfälle in einer Wurmfarm? Hast du Geheimtipps für richtig guten Kompost? Teile deine Erfahrungen in den Kommentaren!

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DIY Pflanzenschilder für den Gemüsegarten

DIY Pflanzenschilder für den Gemüsegarten

Ich bin fast noch talentierter im Tassen-Fallenlassen als mein dreijähriger Sohn und irgendwie sind es immer die schönsten Stücke, die zuerst kaputt gehen. Aber neuerdings habe ich keinen Grund mehr, mich darüber zu ärgern. Im Gegenteil: Je schöner die zerdepperte Tasse oder der kaputte Teller, desto besser. Die Scherben kann man nämlich wunderbar als DIY Pflanzenschilder für den Gemüsegarten verwenden.

DIY Pflanzenschilder für den Gemüsegarten 

DIY Pflanzenschilder für den Gemüsegarten

Beim Aussäen sind Namensschilder super hilfreich, um die einzelnen Reihen zu markieren. Manche Gemüse-Arten brauchen nämlich einige Wochen, ehe sie aufgehen, und bis dahin habe ich oft vergessen, wo ich was ausgesät habe. Bisher habe ich dafür immer in Streifen geschnittene Tetra Paks genommen, die bei Regen aufgeweicht und zerfleddert sind. Damit ist jetzt Schluss. Upcycling darf auch stylisch sein. 😛

Scharfe Kanten und Spitzen bearbeite ich entweder vorsichtig mit dem Hammer oder schmirgele sie mit grobem Sandpapier rund. Schließlich sind in unserem Garten Kinder unterwegs und ich habe keine Lust, barfuß in eine Scherbe zu treten.

DIY Pflanzenschilder für den Gemüsegarten 

DIY Pflanzenschilder für den Gemüsegarten

Auf meinem Pinterest-Profil findest du noch viele andere Garten-Ideen und DIYs. Klicke hier, um mir zu folgen:

Bist du auch so ein Tollpatsch? Woraus bastelst du deine Pflanzenschilder? Ich freue mich wie immer über Kommentare.

Wolle spinnen mit dem Spinnrad

Wolle spinnen mit dem Spinnrad

Auf der Liste der Dinge, die ich bei einem Wohnungsbrand mitnehmen würde, steht mein Spinnrad ziemlich weit oben. Ich habe es jetzt seit vier Monaten und bereits die unterschiedlichsten Garne damit gesponnen. Spinnen ist definitiv zu einem Hobby geworden und ich bin regelrecht süchtig. Kleidung für mich und meine Familie herzustellen, gehört für mich zur Selbstversorgung dazu. Deswegen habe ich mich wie ein kleines Kind gefreut, als das Spinnrad endlich ankam. Ich liebe es, wenn Selbstversorger-Aufgaben Spaß machen. Es gibt genug Dinge, die ich nicht gerne tue (ausmisten, meeh…). Umso toller ist es, wenn man an einer Aufgabe so viel Freude hat. Selbstversorgung soll schließlich nicht in Selbstgeißelung enden, sondern in erster Linie Spaß machen.

Bald wird es Herbst und die warmen Pullover sollen fertig sein wenn es kalt wird. Deswegen bin ich gerade fleißig am Spinnen. Wenn man noch nie an einem Spinnrad gesessen hat, können die einzelnen Schritte ganz schön überwältigend wirken. Im Grunde ist es aber ganz einfach. Deswegen gibt es heute eine Übersicht darüber, welche Schritte nötig sind, um aus roher Schafwolle ein strickfertiges Wollknäuel zu machen. Vorher aber ein kleiner Exkurs im Sinne der Tiere, die uns diesen unglaublichen Rohstoff zur Verfügung stellen:

Warum es so wichtig ist, welche Wolle du verwendest

Wolle ist toll. Im Gegensatz zu Kunstfasern entsteht Wolle aus Erde, Wasser und Sonne. Sie besteht aus Aminosäuren, die man synthetisch nicht herstellen kann. Chemiker sind überzeugt davon, dass auch in Zukunft keine künstliche Faser hergestellt werden kann, die die alle guten Eigenschaften der natürlich gewachsenen Wolle besitzt. Wolle kann bis zu 30% ihres Eigengewichts an Wasser aufnehmen, ohne dass sie sich feucht anfühlt. Außerdem ist sie schwer entflammbar, atmungsaktiv und schmutzabweisend. Deswegen muss sie auch nicht so oft gewaschen werden, lüften reicht oft vollkommen aus.

Der Großteil unserer Wolle stammt von Merinoschafen. Merinowolle ist sehr weich und Merinoschafe liefern einen hohen Wollertrag. Der ist deswegen so hoch, weil ihnen ihre Haut buchstäblich ein paar Nummern zu groß ist – sie hat also eine größere Oberfläche, auf der mehr Wolle wachsen kann. Dadurch bilden sich Hautlappen, unter denen sich Parasiten einnisten. Um das zu verhindern, schneiden viele Schafzüchter (insbesondere in Australien, wo ein Großteil der hier verwendeten Wolle produziert wird) den Lämmern große Haut- und Fleischstücke vom Hinterteil. Und das ohne Schmerzmittel oder Betäubung. Was für ein immenses Leid das für die Lämmer bedeutet, kann sich vermutlich jeder vorstellen.

Deswegen: Wenn du keine eigenen Schafe hast, sondern Wolle kaufst, achte darauf, dass sie Mulesing-frei ist. Hier findest du eine Auflistung von Shops, die Mulesing-freie Wolle verkaufen.

Ansonsten gibt es neben dem Merinoschaf auch andere tolle Schafrassen, die ohne Qualzucht weiche Wolle liefern. Ich habe mich in die Rotkopfschafe verliebt, eine stark bedrohte Schafrasse, die eine sehr weiche Wolle besitzt und viel besser an unser Klima angepasst ist als die Merinos. Solche Rassen zu bewahren, ist super wichtig. Leider kenne ich keine Bezugsquelle für Rotkopfschaf-Wolle, aber die Wolle vom Krainer Steinschaf, ebenfalls eine bedrohte Schafrasse, ist auch seeeehr kuschelig. Indem du diese Wolle kaufst, kannst du die Züchter dabei unterstützen, diese wertvollen alten Rassen zu erhalten. Ich kaufe meine Wolle daher im Shop von Kollektion der Vielfalt.

Oder aber du fängst selbst an, eine bedrohte Schafrasse zu halten und steigst in die Erhaltungszucht ein.

Mit Dem Spinnrad Spinnen Walliser Schwarnasenschaf

Rohwolle waschen und kardieren

Ich besitze seit einigen Jahren keine eigenen Schafe mehr. Als ich noch welche hatte, habe ich die Wolle leider nie verwendet, das bereue ich mittlerweile sehr. Ich hatte tolle Schafe, Walliser Schwarznasen und Rhönschafe. Aber aus irgendeinem Grund habe ich ihre Wolle nicht verwendet. Da wir jetzt keine Schafe mehr haben, kaufe ich meine Wolle wie eben erwähnt bei Kollektion der Vielfalt. Diese Wolle ist schon gewaschen und kardiert, deswegen habe ich das bisher noch nie selber gemacht, auch wenn ich große Lust dazu habe. Das kommt bald – wenn ich Alpaka-Rohwolle von einem Hof aus der Region bekomme – bisher habe ich damit aber noch keine Erfahrungen. Deswegen verweise ich mal an Woll-Profi Chanti:

Beim Kardieren kämmst du die Fasern, damit du sie leichter verspinnen kannst. Dafür kannst du entweder Handkarden oder eine Kardiermaschine benutzen. Wenn du nicht sofort große Investitionen tätigen willst, kannst du ein paar Nägel durch ein Brett schlagen und das Brett so an einem Tisch befestigen, dass die Nägel nach oben stehen. So kannst du dir einen kleinen Kamm zum Kardieren selberbauen.

Welches Spinnrad ich benutze

Ich habe mich nach reiflicher Überlegung dagegen entschieden, ein altes Spinnrad, also einen Dachbodenfund o.ä. zu kaufen. Als blutiger Anfänger hatte ich absolut keine Ahnung von Spinnrädern. Ich habe mich nicht in der Lage gesehen, zu beurteilen, ob ich mit dem Ding wirklich spinnen kann oder ob es nichts taugt oder evtl. sogar nur ein Dekorad ist. Deswegen habe ich ein modernes Spinnrad gekauft. Die Dinger sind ganz schön teuer, daher lohnt es sich, auf eBay Kleinanzeigen oder einem ähnlichen Portal Ausschau nach gebrauchten modernen Spinnrädern zu halten. Ich habe ein Spinnrad der Marke Rens + Smits geschossen, das für Anfänger super geeignet ist. Mit den richtigen Anleitungen und Spinnvideos für Anfänger hat es nicht lange gedauert, bis ich damit einen gleichmäßigen Faden spinnen konnte. Eine Freundin von mir spinnt mit einem Ashford Traditional und ist damit auch sehr zufrieden.

Wolle spinnen mit dem Spinnrad

Mit dem Spinnrad spinnen für Anfänger

Wenn du noch nie gesponnen hast, können die ganzen Begriffe und die unterschiedlichen Aufbauten von Spinnrädern ganz schön verwirrend sein. Es gibt aber gute Videos auf YouTube, die mir bei der Wahl meines Spinnrads und vor allem bei den ersten Schritten sehr geholfen haben. Im Grunde zieht beim Spinnen eine Hand den Faservorrat zu einem dünnen Strang aus und die andere gibt diesen Strang dem Spinnrad frei. Solltest du noch nie gesponnen haben, kannst du dir darunter vermutlich nicht viel vorstellen. In Videoform lässt sich das viel besser erklären, also schau doch mal in dieses Video rein, da findest du gute Tipps, um als Anfänger spinnen zu lernen:

Verzwirnen

Hast du zwei Spulen vollgesponnen, solltest du die beiden Fäden als zu einem Garn verzwirnen. Dadurch wird das Garn stabiler und der Drall, der auf den beiden Garnen ist, gleicht sich aus. Das Verzwirnen geht viel schneller als das Spinnen, auch wenn es nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert. Du knotest die Enden deiner beiden Garne an den Anfangsfaden der leeren Spule und verzwirnst die beiden vollen Spulen nach und nach zu einem Garn, das sich auf die leere Spule aufwickelt. Wichtig ist, dass du beim Verzwirnen in die entgegengesetzte Richtung spinnst, also dass sich das Rad in die andere Richtung dreht als beim Spinnen. Das so entstandene Garn wickelst du entweder auf eine Haspel oder (falls du keine besitzt) um die Lehne eines Stuhles oder die Beine eines umgedrehten Hockers. Dort bleibt das Garn mindestens 24 Stunden lang – das hilft, später ein ausgeglichenes Garn zu haben. Die Fasern erinnern sich nämlich noch daran, wie sie ursprünglich gelegen haben, und wollen in diese Form zurückkehren. Sie straff aufzuwickeln, hilft ihnen, sich an die neue Faseranordnung zu gewöhnen. Anschließend braucht das Garn ein Entspannungsbad. (Ja, du hast richtig gelesen.)

Entspannungsbad

Das Entspannungsbad ist sehr wichtig, wenn du das Garn verhäkeln oder verstricken möchtest. Beim Baden zeigt sich nämlich, ob das Garn etwas taugt: Es ist besser, das Garn läuft jetzt ein oder kräuselt sich, als wenn du die ganze Arbeit des Strickens oder Häkelns hineinsteckst und dein neu angefertigtes Kleidungsstück beim ersten Waschen wellig wird oder einläuft. Das willl man nämlich wissen, bevor man viel Arbeit in ein Stück steckt, das man hinterher nicht anziehen will.

Für das Entspannungsbad gibst du deine Wollstränge in einen Topf mit heißem Wasser. Kein kochendes Wasser, sondern nur so warm, dass du die Wolle noch mit den Händen runterdrücken kannst, ohne dich zu verbrennen. Du drückst die Garne jetzt so lange, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen. Wirklich nur vorsichtig drücken, ansonsten kann die Wolle verfilzen.

Wolle spinnen mit dem Spinnrad Wolle waschen

Nach zehn Minuten Wartezeit kannst du die Wolle vorsichtig ausdrücken und in ein Handtuch einwickeln, das du hin- und her rollst, sodass das Wasser von den Garnen an das Handtuch abgegeben wird. Anschließend einfach zum Trocknen aufhängen.

Zum Knäuel wickeln

Ist die Wolle trocken, solltest du sie vor dem Stricken oder Häkeln zu einem Knäuel aufrollen, ansonsten gibt’s ein dickes fettes Kuddelmuddel. Ein Knäuel zu wickeln ist nicht schwer, ich mache immer eine einfache Kugel. Eine Anleitung zum Knäuel-Wickeln findest du hier.

Stricken, Weben, Häkeln

Jetzt kann’s losgehen. Such dir ein schönes Strickmuster heraus, bau deinen Webstuhl auf oder starte ein Häkelprojekt. Auf meiner Pinterest-Pinnwand zum Thema Selbstversorgung mit Kleidung sammle ich Ideen und Inspirationen zum Stricken, Häkeln, Weben und Filzen. Schau doch mal vorbei!

Wolle spinnen mit dem Spinnrad Stricken

Spinnst du auch? Oder hast du Lust, damit anzufangen? Welches Spinnrad benutzt du und bist du damit zufrieden? Was ist deine Lieblingswolle?
Interview mit Nicole von der Biotopica Farm

Interview mit Nicole von der Biotopica Farm

Heute gibt es ein Interview mit Nicole Steinfurth von der Biotopica Farm. Auf ihrem Blog schreibt Nicole über ihr Leben als Selbstversorgerin und hält viele nützliche Tipps bereit für alle, die selber in Richtung Selbstversorgung gehen wollen oder bereits auf dem Weg sind. Wenn Du Dich für Permakultur, artgerechte Tierhaltung und einen einfachen und kostengünstigen Start in die Selbstversorgung interessierst, bist Du auf ihrer Seite an genau der richtigen Adresse. Ich habe Nicole für dieses Interview mit Fragen gelöchert und so spannende Einblicke in ihre Selbstversorgung erhascht. Viel Spaß beim Lesen!

Hallo Nicole! Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Magst Du kurz sagen wer Du bist und was Du machst?

Hallo, ich bin Nicole. Die Biotopica Farm ist mein Selbstversorgerhof, auf dem ich gemeinsam mit meinem Mann und unseren beiden Kindern lebe und arbeite.

Auf unserer Mini-Farm bauen wir nicht nur Obst, Gemüse und Pilze an, sondern bieten auch historischen Bauernhoftieren und geretteten Tieren aus Massenzuchtbetrieben einen Platz zum Leben und Wohlfühlen.

Was bedeutet Selbstversorgung für Dich?

Jeder Mensch ist so individuell in seinen Bedürfnissen, was er zum Leben braucht.

In erster Linie bedeutet Selbstversorgung für mich meine eigenen Nahrungsmittel zu produzieren. Auf unsere Mini-Farm bauen wir Obst, Gemüse und Pilze an, aber auch Eier von unseren Freilandhühnern, Ziegenmilch für Käse und Honig von unseren Bienen gehören dazu.

Wir haben eine manuelle Ölpresse, in der wir Saaten pressen und Öl gewinnen. Auch Getreide können wir bei Bedarf mahlen. Neben Lebensmittel für uns bauen wir auch Futtermittel für unsere Tiere mit an.

Aber auch Haushaltsprodukte wie Waschmittel, Shampoo und Reinigungsmittel aus Pflanzen und Pflanzenextrakten stellen wir selber her. Wir haben Medizin-Beete angelegt, um Hustensäfte und Salben im Notfall zu haben. Unsere Schafe versorgen uns mit Wolle, die wir verspinnen und Kleidung daraus machen und die dazugehörigen Färbepflanzen finden sich auch auf unserem Hof. Unsere Farm befindet sich mitten am Waldesrand, so sammeln wir auch Holz für unsere Öfen, zum Kochen und damit sie uns im Winter warmhalten können.

Kurz gesagt, für alles was wir benötigen versuchen wir Alternativen zu finden und sie selber herzustellen. Jedoch ist uns wichtig, dass wir bei der ganzen Selbstversorgung nicht den Spaß daran verlieren. Wir machen nichts was uns schwer fällt zu bewältigen und kaufen auch mal das ein oder andere dazu.

Was sind Deine Gründe dafür, so zu leben? Gibt es Nachteile?

Es gibt mehrere Gründe die uns dazu bewogen haben aus der Großstadt zu ziehen und einen Selbstversorger Hof aufzubauen.

Die Antriebskraft war wohl die Geburt unseres ersten Kindes. Sie hat uns dazu angeregt mehr über unsere Gesundheit und über die Zukunft unseres Planeten nachzudenken. Wir wollten unbehandelte, pestizidfreie Nahrung für unsere Familie haben und auch mehr auf Lokalität setzen. Der Großteil unserer Nahrung sollte nicht kilometerweit durch mehrere Länder gereist sein. Wir wollten unseren CO2-Abdruck radikal minimieren.

In Berlin, wo wir früher wohnten, haben wir uns vegan ernährt, jedoch essen wir gerne auch tierische Produkte wie Eier, Milch und Käse. Bei uns steht im Vordergrund, dass dafür wirklich kein Tier leiden muss. Im Supermarkt oder im Bio-Laden ist es nicht möglich leidfreie tierische Produkte zu beziehen.

Ein Kalb wird immer noch von der Mutterkuh getrennt und zu Wurst verarbeitet und auch ein 100kg schweres Schwein hat rechtlich gesehen gerade mal 2,3 qm Raum für sich.

Bio ist nur eine Marke und auch hier wird das Gemüse, wenn auch mit natürlichen Mitteln, gespritzt und gedüngt. Was das jedoch auf langer Sicht für unseren Körper und für die Natur zur Folge hat wird kaum erforscht.

Die einzige Möglichkeit für uns etwas zu ändern bestand darin, selber einen Bauernhof zu gründen und die Tiere nach unseren Vorstellungen von einem natürlichen, freien Leben zu halten oder Bauern ausfindig zu machen, die unseren Ansprüchen gerecht werden. Deshalb zogen wir raus aus der Stadt. Hier lernten wir auch, dass nicht alle konventionelle Bauern mit chemischen Dünger und Pestiziden hantieren oder die Tiere in engen Käfigen halten.

Natürlich wollten wir auch Geld sparen und es nicht für teure biologische Lebensmittel ausgeben. Wir wollten Geld übrig haben für die Dinge, die uns am Herzen liegen und auch uns und unseren Kindern ein Leben ohne Verzicht ermöglichen, jedoch trotzdem im Einklang mit der Natur.

Es ist eigentlich ein wahrer Luxus so zu leben. Wir haben Nahrungsmittel im Überfluss, reine Lebensmittel in mehr als nur Bioqualität und seltene Gemüse-, Obst- und Pilzsorten, die viele Menschen noch nie zuvor gegessen haben. Aber natürlich gibt es auch ein paar Nachteile. Die Flexibilität zu spontanen Reisen ist durch die Tiere nicht mehr gegeben. Wir benötigen immer jemanden, der vor Ort ist. Durch die wirkliche Freilandhaltung fallen zwar viele Aufgaben weg, wie tägliche Fütterung und mehrmalige Stallreinigung in der Woche, aber es sollte immer mindestens eine Person sicherheitshalber auf die Tiere Acht geben. Sonst fallen mir keine relevanten Nachteile ein, die gegen solch ein Leben sprechen.

Wie toll es für Kinder ist, in einem naturnahen Umfeld aufzuwachsen, sehe ich an meinem Sohn jeden Tag. Du hast dieses Jahr Dein zweites Kind bekommen. Das ist bestimmt eine große Herausforderung. Wie meisterst Du den Selbstversorger-Alltag mit zwei kleinen Kindern? Hat sich etwas verändert, seitdem Deine Tochter auf der Welt ist?

Mit einem Neugeborenen ist das Arbeiten auf einem Selbstversorger-Hof weitaus schwieriger geworden, aber mit jedem Monat, der voranschreitet und meine Tochter mobiler wird, wird es auch leichter die täglichen Aufgaben schnell zu meistern. Beim Tiere füttern, Holzhacken, Pflanzenansäen und Ernten plane ich die ganze Woche im Voraus, das erspart mir Zeit und Nerven. Ich nehme meine Tochter jedes Mal mit nach draußen, manchmal im Kinderwagen, manchmal in der Trage, je nachdem was ich auf dem Hof zu tun habe. Bei schönen Wetter kann ich sie nun auch ins Gras setzten und nebenbei das Gemüse anpflanzen. Sie liebt es die Natur und mich bei der Arbeit zu beobachten. Die schwierigste Zeit liegt schon hinter uns.

Hochschwanger im Garten arbeiten oder Holz für unseren Ofen zu hacken schaffte ich nicht mehr, da war ich überglücklich, dass mein Mann mir zur Seite stand. Umso größer die Kinder sind, desto leichter wird es dann auch, denn Kinder lieben es Gemüse zu ernten oder Eier zu sammeln. So fallen schnell ein paar Aufgaben weg und ich kann die Beine hochlegen.

Du stellst Kleidung aus der Wolle eurer Schafe (und eures Hundes!) her. Mein Sohn hilft leidenschaftlich gerne beim Spinnen, Filzen etc., aber selbstgestrickte Wollpullis sind ihm doch zu kratzig. Wie sieht das bei Euch aus? Welche Kleidungsstücke stellst Du her und wie kommen die bei den Kids an?

Mein Sohn liebt es, wenn ich ihn neue Kleidung mache, er fragt sogar manchmal danach und ich versuche seine Wünsche so wie es mir möglich ist zu erfüllen. Für die Kinder benutze ich meistens die weiche Wolle von unseren Lämmern oder von unserem Hund. Diese eignet sich für die zarte Kinderhaut am besten. So ziehen sie auch gerne Mütze, Schal und Pullover an.

Die Wolle der ausgewachsenen Schafe nehme ich für Jacken, Westen, Ponchos, Socken und Handschuhe. Die Wolle ist robuster und daher kommt das kratzige Gefühl. Ich verwende sie so, dass sie nicht mit der nackten Haut in Kontakt kommt oder auf Körperstellen liegt, die nicht so empfindlich sind.

Du melkst Eure Ziegen (und Schafe?), ohne sie von ihren Lämmern zu trennen. Das ist toll! Es gibt in meinen Augen nichts Grausameres, als Mutter und Kind zu trennen, egal, ob es sich dabei um Mensch oder Tier handelt. Und das hat nichts mit der Vermenschlichung von Tieren zu tun. In so elementaren Bedürfnissen sind wir nämlich alle gleich. Wie genau machst Du das mit Deinen Tieren und wie viel Milch kommt dabei für Dich und Deine Familie herum?

Ich melke nur unsere Ziegen. Die Schafe sind zu scheu und fühlen sich nicht wohl, wenn man sie festhält, das akzeptiere ich. Unsere Ziegen im Gegensatz konkurrieren schon darum wer zuerst gemolken werden darf. Na klar, es gibt natürlich auch besondere Leckereien, wie Getreide, Eicheln oder Kräuter. Diesen Leckerbissen lassen sie sich nicht entgehen. Wir haben einen selbstgebauten Milchstand, der erhöht steht und worein wir einen Eimer mit Futter stellen können. Die Zicklein stehen immer in der Nähe und sind stets neugierig. Wir melken nur, wenn die Tiere bereit dafür sind. Eine Ziege zum Melken zu zwingen würde bei uns nicht funktionieren, da sie sich schnell befreien und auf die Weide fliehen könnten. Das wäre auch nicht in unserem Sinne. Die Tiere sollen sich wohlfühlen und ein Gefühl von Sicherheit haben. Bei dieser Methode erhält man nicht allzu viel Milch, jedoch reicht sie uns allemal. Von zwei jungen Ziegen bekomme ich pro Tag ungefähr 250ml, das reicht um einmal in der Woche zwei kleine Käse herzustellen. Um mehr zu melken beobachte ich die Ziegen um zu sehen wann der Milcheinschuss einsetzt. Den erkennt man an einen geballten Euter und am Durst der Muttertiere. So könnte ich am Tag auch weitaus mehr melken und die Milchproduktion der Ziegen erhöhen. Ein großer Vorteil dieser Haltung ist, dass ich die Tiere nicht jeden Tag melken muss, um die Milchproduktion am Leben zu erhalten. Die Zicklein tun das ganz natürlich. So kann ich in den Urlaub fahren und wenn ich wiederkomme immer noch Milch melken. Dadurch bleibt der Alltag flexibel.

Auf Deiner Website wird es bald einen Farm-Shop geben. Wie wird das aussehen?

Der Farm-Shop ist kräftig in Arbeit. Es wird dort bald ein paar Produkte zu kaufen geben. Ich werde so oft gefragt, wieviel Gemüse und Obst eine Familie anbauen muss um sich selbst zu versorgen. In meinem kommenden Arbeitsbuch kann sich jeder selber ausrechnen wieviel er an Lebensmittel benötigt, egal ob man allein ist oder eine große Community anstrebt. Das Arbeitsbuch wird voraussichtlich Ende des Jahres erscheinen.

Vorher wird es kleine Ratgeber zur natürlichen Tierhaltung geben, die Methoden aufzeigen werden, um seine Tiere fast ohne Futterkosten zu halten.

Im Farm-Shop wird man aber auch kostenlose Produkte finden, wie mein E-Magazin zur Gartengestaltung nach Permakultur Design und einige weitere Überraschungen rund ums Thema Selbstversorgung. Ich möchte gerne meine Erfahrungen teilen und anderen helfen, sich und ihre Familie selbst zu versorgen. Im Shop soll jeder Hilfe für seinen Weg in die Selbstversorgung finden.

Hast Du davon abgesehen Pläne für die Zukunft der Biotopica Farm?

Pläne habe ich fast nie, denn die werden jedes Mal vom Schicksal über den Haufen gefahren. Ich kann hier nur von Wünschen sprechen, auch wenn diese sich genauso schnell ändern können, wie mein Garten. Wir mieten unseren Hof, deshalb wünschen wir uns schon ein eigenes Grundstück, auf dem wir unsere Vorstellung frei umsetzen können. Eine kleine Community mit der wir zusammenleben können wäre auch in unserem Sinne, damit man wieder etwas flexibler wird. Mein roter Faden ist es, Menschen und Tieren zu helfen, das treibt mich durch das Leben. Wo ich im Endeffekt ankommen werde, weiß ich nicht und das ist auch nicht wichtig, denn der Weg ist das Ziel.

Was würdest Du Menschen raten, die gerne in Richtung Selbstversorgung gehen wollen, aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen?

Man kann überall anfangen. Meine ersten Erfahrungen in Richtung Selbstversorgung machte ich auf einem 2 qm großen Balkon. Einen Samen in die Erde stecken und ihn feucht halten kann jeder. Das Wichtigste ist anzufangen, egal wo, wie und womit.

Viele Menschen reden nur und handeln nicht, sie haben zu große Angst vor Fehlschlägen. Bei uns hat es wochenlang gedauert, hunderte Bewerbungen und noch mehr Absagen gebraucht bis wir unseren jetzigen Hof gefunden haben und unser Leben, so wie es jetzt ist aufbauen konnten. Hartnäckigkeit und positives Denken führt einen an das Ziel seiner Wünsche, so kann man auch einen Bauernhof finden bei dem die Miete weniger beträgt, als bei einer 2 Zimmerwohnung in Berlin. Wenn du etwas wirklich willst, gibst du nicht auf, das ist wie ein Mückenstich, der dich juckt und du erst Ruhe gibst bis du dich gekratzt hast.

Danke für die tollen Einblicke!

Ziegen halten

5 Gründe, warum du auf keinen Fall Ziegen halten solltest

Du willst Ziegen halten? Das solltest du dir gut überlegen. Versteh mich nicht falsch: Ich liebe Ziegen. Schon als kleines Mädchen war ich fasziniert von diesen stolzen und eigenwilligen Tieren und bin jeden Tag auf den Ziegenweiden unserer Nachbarn umhergestreunt. Als ich dann zu meinem zwölften Geburtstag eigene Ziegen bekommen habe, war ich überglücklich. Das ist jetzt elf Jahre her und meine Liebe für Ziegen ist ungebrochen. Ich bin definitiv ziegensüchtig. Wäre ich nicht vom Ziegen-Virus infiziert und von ihrem Charme verblendet, würde ich allerdings vermutlich keine Ziegen mehr halten. Denn sie sind – gelinde gesagt – kompliziert. Aber siehe selbst.:

Hier kommen 5 Gründe, warum du auf keinen Fall Ziegen halten solltest.

1. Einen ziegensicheren Zaun gibt es nicht

Ziegen springen über jeden Zaun. Jeden! Man müsste schon eine fünf Meter hohe Betonmauer bauen, um seine Ziegen in Schach zu halten. Wenn du Ziegen halten möchtest, wirst du zwangsläufig mit Ausbrüchen zu kämpfen haben. Warum muss das, was auf der anderen Seite des Zaunes wächst, auch immer so viel besser schmecken als das eigene Futter…? Dementsprechend ist der einzige Zaun, der funktioniert, eine sehr gute Weide.

2. Nachbars Forsythien

Sind sie einmal ausgebrochen, werden deine Ziegen zielstrebig deine bestgepflegteste Lieblingsrose ansteuern, den Gemüsegarten in wenigen Augenblicken leerräumen oder marodierend durch die Vorgärten der Nachbarn ziehen. Ich weiß nicht, wie viele Sträucher und Blumen ich schon ersetzen musste und wie viele Entschuldigungs-Kuchen ich in meiner Ziegenlaufbahn bereits gebacken habe.

3. Ziegen sind Arschgeigen

Ziegen haben eine strikte Rangordnung, die sie immer wieder neu ausfechten und abklären. In einer Ziegenherde geht es mitunter ziemlich brutal zu. Das ist auch der Grund, wieso ich keine Schafe mehr halte: Die Ziegen haben sie regelrecht misshandelt. Wenn du beide zusammen halten möchtest, solltest du darauf achten, mindestens doppelt so viele Schafe wie Ziegen zu haben. Ist das Verhältnis anders herum – so war es bei mir – kann es passieren, dass deine Ziegen aus reiner Langeweile Jagd auf die wehrlosen Schafe machen.

4. Ziegen können hellsehen

Manchmal ist es nötig, eine Ziege einzufangen, zum Beispiel dann, wenn man ihr die Hufe schneiden muss. Aus irgendeinem mir nicht ersichtlichen Grund weiß genau diese Ziege in dem Moment, in dem man sich dazu entscheidet, was passieren wird. Schwups – sie galoppiert bereits zum anderen Ende der Weide, während der Rest der Herde seelenruhig wiederkäuend in der Sonne liegt. Sie wissen genau, dass ihnen heute nichts passieren wird. Nur die eine ist auf und davon. Und das, bevor man sich selbst auch nur einen Zentimeter bewegt hat.

5. Ziegen sind unglaublich nachtragend

Hast du die Ziege dann endlich gefangen, wird sie noch Wochen später beleidigt sein. Während alle anderen Ziegen freudig meckernd auf dich zukommen, sobald du die Weide betrittst, wird dir diese eine demonstrativ die kalte Schulter zeigen. Ziegen sind unglaublich stolz und diesen Stolz verletzt man besser nur dann, wenn es wirklich sein muss.

Ziegen halten Argumente dagegen

Genug gemeckert

Nichts desto Trotz: Ein Leben ohne Ziegen kann ich mir nicht mehr vorstellen. Vielleicht genau deswegen: weil sie einen so starken Charakter haben. Ich beschreibe Ziegen gerne als die perfekte Mischung aus Katze und Hund. Sie haben wie Katzen ihren eigenen Kopf und lassen sich nichts erzählen. Aber sie sind auch wie Hunde die besten Kumpels, die man sich wünschen kann. Ich habe zu jeder meiner Ziegen eine enge Beziehung, die sich über Jahre aufgebaut hat und immer weiter wächst. Ziegen sind sehr treue Tiere und wenn man sich ihr Vertrauen einmal verdient hat, entsteht eine enge Bindung zwischen ihnen und „ihrem“ Menschen.

Es sind die alltäglichen Momente, die ein Leben mit Ziegen so besonders machen. Wenn ich im Abendlicht an einen Baum gelehnt auf der Weide sitze und meinen Ziegen beim Grasen zuschaue, weiß ich, warum ich all den Ärger inkauf nehme. Und wenn eine Ziege, die noch vor einer Woche niemanden an sich herangelassen hat, ihren Kopf in meinen Schoß legt und sich versonnen zwischen den Hörnern kraulen lässt, geht mir das Herz auf.

Solltest du mit dem Gedanken spielen, dir Ziegen anzuschaffen, weißt du jetzt, was dir bevorsteht: eine Menge Ärger. Aber wie das eben ist in der Liebe: Du wirst darüber hinwegsehen, denn mit ihrem unwiderstehlichen Charme werden deine gehörnten Freunde dich noch schneller um den Finger wickeln, als du auch nur daran denken kannst, sie wieder abzuschaffen.

Ziegen glücklich machen

 

Sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt! Wenn du trotz allem immer noch Ziegen halten möchtest, dann mach es. Dann bist du einer dieser verrückten Ziegen-Leute, die gar nicht anders können.

Für Spinner wie dich habe ich eine kostenlose 7 Tage-Email-Serie mit dem Titel Ziegen glücklich machen erstellt. Die Mails sind vollgepackt mit nützlichen Tipps, wie du deine Ziegen gesund und bei Laune halten kannst.

Ziegen halten online Kurs

Gemüse fermentieren Zucchini

Gemüse fermentieren

Die Fermentation ist die einfachste, umweltschonendste, günstigste – und meiner Meinung nach leckerste – Art, Gemüse haltbar zu machen. Obendrein ist fermentiertes Gemüse super gesund, hausgemachtes Superfood für deinen Darm sozusagen. Durch die Milchsäuregärung kannst du deine Ernte also nicht nur konservieren, du veredelst sie auch noch. Alles, was man zum Fermentieren braucht, sind ein Einmachglas oder Gärtopf, ein Holzstampfer, Salz, frisches Gemüse aus dem Garten und etwas Zeit. Gekauftes Gemüse geht natürlich auch, dann aber Bio. Auf Gemüse, das mit chemischen Spritzmitteln behandelt wurde, leben viel weniger Milchsäurebakterien und ohne die gibt’s auch keine Fermentation.

Du kannst so gut wie jedes Gemüse milchsauer einlegen. Die Milchsäuregärung kann nämlich noch viel mehr als nur Sauerkraut. Deiner Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt. Nur zarte Blattgemüse wie Spinat oder Salat eignen sich weniger, die werden zu schleimig. Von Möhren über Brokkoli, Kürbis, Paprika, Meerrettich, Zwiebeln oder Pilze: Alles ist möglich. Wir fermentieren sogar unsere selbstgemachte Limonade. So entsteht eine Geschmacksvielfalt, die es in keinem Laden zu kaufen gibt.

Wie Fermentation funktioniert

Auf der Oberfläche des Gemüses – und auch auf unserer Haut und in unserem Darm – leben unzählige kleiner Milchsäurebakterien. In dem salzigen und sauerstoffarmen Milieu, das wir beim Fermentieren schaffen, können sie sich wunderbar ausbreiten. Im Laufe der Fermentation verdrängen sie so schlechte Pilze und Bakterien aus dem Ferment und machen es haltbar. Der pH-Wert sinkt nämlich immer weiter und schon bald ist das Gemüse denjenigen, die für Fäulnis und Verrottung zuständig sind, viel zu sauer.

Gemüse Fermentieren Milchsäuregärung

Siehst du die kleinen Luftblasen unten im Glas? Die Milchsäurebakterien sind bereits fleißig und das Gemüse fängt an zu blubbern und zu zischen.

Schritt für Schritt selber fermentieren

 

Utensilien abkochen

Wie beim Einkochen auch, musst du beim Fermentieren sehr sauber arbeiten. Damit sich die Milchsäurebakterien ungestört ausbreiten können, koche ich vor dem Einlegen alle mit dem Gemüse in Kontakt kommenden Teile ab: Die Gläser, den Stampfer, die Schüssel, in die ich das Gemüse reibe und die Reibe selbst bzw. das Messer, wenn ich gestiftetes Gemüse einlege. So haben unsere kleinen Helfer möglichst wenig Konkurrenz und die Gefahr, dass das Ganze kippt, ist viel geringer.

Reiben

Je mehr du das Gemüse zerkleinerst, desto intensiver wird es letztendlich schmecken. Auch die Konsistenz verändert sich je nach Zerkleinerungsgrad für jede Gemüseart. Am besten ist es, wenn du herumprobierst und für jedes Gemüse herausfindest, was deiner Familie am besten schmeckt. Wenn ich ein neues Gemüse einlege, mache ich oft verschiedene Gläser, um dann zu schauen, was letztendlich am leckersten ist.

Einsalzen

Es ist wichtig, dass du kein jodiertes oder fluoriertes bzw. Salz mit Rieselhilfe verwendest, denn das mögen die Milchsäurebakterien gar nicht. Verwende stattdessen ein hochwertiges Meer- oder Steinsalz.

Pro kg geraspeltes Gemüse brauchst du ca. 20-30g Salz, also 2-3%. Auch der Salzgehalt hat einen Einfluss auf die spätere Konsistenz. Bei „hartem“ Gemüse wie Karotten oder Roter Bete nehme ich weniger Salz als zum Beispiel bei Gurken. Das Salz gleichmäßig unter das Gemüse mengen.

Stampfen

Ich verteile zur Sicherheit meistens nochmal eine Prise Salz auf der Oberfläche, um zu verhindern, dass schlechte Bakterien oder Pilze in das Ferment eindringen.

Als nächstes wird das geriebene Gemüse in der Schüssel gestampft, sodass der Zellsaft austritt. Dafür gibt es extra Holzstampfer zu kaufen. Wir haben nur einen etwas kleineren Cocktailstampfer, mit dem bin ich aber auch zufrieden. Das gestampfte Gemüse wird Schicht für Schicht in den Gärtopf oder das Glas gefüllt. Die einzelnen Schichten immer wieder gut feststampfen, sodass keine Luft mehr zwischen den „Raspeln“ ist und das Gemüse im eigenen Saft steht. Insbesondere auf der obersten Schicht sollte Flüssigkeit stehen, die das Gemüse bedeckt.

Gemüse fermentieren

Richtig fest stampfen!

Stiften oder als Ganzes einlegen

Wenn du ganze oder gestiftete Gemüse einlegst, wirst du sie nicht stampfen können. Es tritt also  kein Zellsaft aus, deswegen füllt man diese Gläser mit einer abgekochten und abgekühlten (!) Salzlösung (20-30g/l) auf, die für den Luftabschluss sorgt. Mach das Glas oder den Gärtopf nie ganz voll, bei der Milchsäuregärung zischt, schäumt und blubbert es nämlich gewaltig. Wenn du bis obenhin Gemüse einfüllst, wird es regelrecht „überkochen“.

Das Gemüse muss unbedingt vollständig mit Wasser bedeckt sein. Falls es immer wieder an die Oberfläche treibt, kannst du es mit einem Weißkohlblatt bedecken und ein sauberes, steriles kleines Schraubglas zwischen Kohlblatt und Deckel einklemmen. Für Gärtöpfe gibt es extra Gewichte, die das Gemüse nach unten drücken.

Natürlich kannst du das Gemüse auch am Stück einlegen, dann schmeckt es nach dem Vergären aber weniger intensiv. Gestiftete oder sonst irgendwie zerkleinerte Gemüsestückchen sind viel aromatischer. Ich experimentiere gerne mit der Größe der Gemüsestückchen herum.

Deckel drauf und im Warmen angären lassen

Für die nächsten 3-4 Tage bleibt das eingelegte Gemüse in der Küche oder an einem anderen warmen Ort stehen. Denk unbedingt daran, etwas unterzulegen, das eventuell übersprudelnde Säfte auffängt.

Jetzt kommt der Deckel drauf. Achtung bei Schraubgläsern: Dreh ihn nicht ganz zu. Wenn die Gase, die sich in den nächsten Tagen bilden, nicht entweichen können, besteht Explosionsgefahr. Ohne Witz.

Kühl stellen und warten

Nach diesen 3-4 Tagen solltest du deine Fermente kühl stellen, etwa in den Keller oder in ein kühles Treppenhaus. 15 bis 18 °C sind für die Milchsäurebakterien ab jetzt ideal. Je länger du dein Ferment stehen lässt, desto aromatischer schmeckt es. Kleiner Richtwert zur Wartezeit: Gurken: 1 Woche, Sauerkraut 4-6 Wochen, Wurzelgemüse 7-9 Wochen. Natürlich kannst du dein Gemüse auch länger vergären. Es bleibt so mindestens ein Jahr lang haltbar.

Deine Fermentations-Checkliste

Gemüse Fermentieren ChecklisteUm dir beim Fermentieren zu helfen, habe ich eine kostenlose Checkliste zum Ausdrucken erstellt, auf der ich alle Schritte übersichtlich für dich gegliedert habe.

Her mit der kostenlosen Checkliste!

 

 

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Die Fermentation ist die einfachste, umweltschonendste, günstigste – und meiner Meinung nach leckerste – Art, Gemüse haltbar zu machen. Obendrein ist fermentiertes Gemüse super gesund, hausgemachtes Superfood für deinen Darm sozusagen. Durch die Milchsäuregärung kannst du deine Ernte also nicht nur konservieren, du veredelst sie auch noch.

Wenn Selbstversorgung zu viel Arbeit macht

Ich werde oft gefragt, ob es nicht unglaublich viel Arbeit macht, sich selbst zu versorgen. Manche Menschen können es sich nicht erklären, wieso ich stundenlang in meinem Garten schufte, wenn es das alles auch ganz bequem im Supermarkt zu kaufen gibt. Es scheint ein weit verbreitetes Bild zu sein, dass Selbstversorgung beschwerlich, hart und unbequem ist.

Auf der anderen Seite gibt es im Internet auch eine Menge Menschen, die einem weißmachen wollen, es sei super einfach, sich selbst zu versorgen, und dass man dafür quasi nichts tun müsse.

Meiner Erfahrung nach ist beides Unsinn.

Wie aufwändig deine Selbstversorgung ist, hängt stark davon ab, in welchen Bereichen du dich selbst versorgen willst:

  • Reicht es dir, einen Gemüsegarten zu haben, oder möchtest du auch Getreide, Öl, tierische Produkte, Medizin etc. selbst herstellen?
  • Machst du dein eigenes Feuerholz und bekommst dein Wasser über einen Brunnen oder eine Quelle?
  • Stellst du auch Alltagsgegenstände, Kleidungsstücke und andere Textilien her?
  • Woher beziehst du deinen Strom?

All das hat einen großen Einfluss darauf, wie aufwändig deine Selbstversorgung letztendlich ist, aber auch, wie autark und resilient du sein wirst. Fall nicht darauf herein, wenn jemand behauptet, du könntest all das ohne Weiteres erreichen. Es ist harte Arbeit. Aber es ist eine gute, erfüllende Arbeit und es gibt viele Möglichkeiten, sich die eigene Selbstversorgung möglichst leicht zu machen. Also lass dir auf der anderen Seite auch nicht einreden, es wäre unglaublich strapaziös, einen Garten zu bewirtschaften oder ein paar Hühner zu halten.

Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte und hängt stark davon ab, was du erreichen willst und wie die unterschiedlichen Elemente auf deinem Hof ineinandergreifen und voneinander profitieren. Ich möchte dir in diesem Artikel Tipps geben, wie du deine Selbstversorgung möglichst einfach gestalten kannst.

Mehrjährige Pflanzen

Ein Apfelbaum, ein Rosmarinstrauch oder ein Spargelstock liefert Jahr für Jahr eine leckere Ernte, ohne dass du viel dafür tun musst. In deinem einjährigen Garten wirst du jedes Jahr neu aussäen. Du wirst Jungpflanzen anziehen und sie vor Schnecken und anderen „Missetätern“ schützen müssen, bis sie groß genug sind, um alleine klarzukommen. Deine mehrjährigen Pflanzen brauchen viel weniger Aufmerksamkeit. Wenn sie sich einmal etabliert haben, musst du abgesehen vom jährlichen Mulchen und gegebenenfalls einem jährlichen Schnitt kaum etwas tun. Natürlich dauert es gerade bei Bäumen mitunter Jahre, bis sie Früchte tragen. Deswegen sollten das Pflanzen von Obst- und Nussbäumen, das Anlegen eines Kräutergartens und eines Beetes mit Artischocken, Erdmandeln, Rhabarber, Topinambur, Erdbeeren und Co. auch die ersten Dinge sein, die du tust, wenn du auf ein neues Grundstück ziehst.

Wie viel Arbeit macht Selbstversorgung?

Mulchen

In unserem Back To Eden-Garten haben wir dieses Jahr abgesehen vom Angießen nach dem Pflanzen nicht einmal wässern müssen. Der Boden ist nämlich mit einer 40cm dicken Hackschnitzelschicht bedeckt, die ihn vor Verdunstung schützt und obendrein dafür sorgt, dass kein Unkraut durchkommt. Das ist eine immense Arbeitsersparnis.

Leider funktioniert die Back To Eden-Methode bei uns nicht für alle Pflanzen. Kleine und zarte Pflanzen wie Salat gehen in dem Mulch einfach unter. Die kommen in unsere anderen Beete, die wir nicht so dick mulchen (nur ca. 5cm), aber selbst diese dünnere Mulchschicht hält den Boden feucht und verrottet nach und nach zu herrlichem schwarzem Humus. Für kräftigere Pflanzen wie Tomaten, Kürbisse, Rote Bete, Kartoffeln und Kohl ist der Back To Eden-Garten mit der dicken Mulchschicht sehr gut geeignet. Seit wir nach der Back To Eden-Methode gärtnern, reduziert sich unsere Gartenarbeit auf ein Minimum. Wenn du wissen willst, wie wir unsere Tiefmulch-Beete anlegen, schau hier vorbei.

Wie viel Arbeit macht Selbstversorgung?

Permakultur

In der Permakultur findest du viele Ideen und Konzepte, mit denen man sich die eigene Selbstversorgung möglichst leicht machen kann. Wenn du zum Beispiel Hühner nicht nur zum Eierlegen zu hältst, sondern sie auch als Gartenhelfer, kleine Kompostmaschinen, Schneckenpolizei und Gewächshausheizung einsetzst, schlägst du viele Fliegen mit einer Klappe. Die Permakultur hilft dir dabei, deinen Hof als Ganzes zu betrachten und die einzelnen Elemente so zu verknüpfen, dass sie voneinander profitieren.

Nicole von der Biotopicafarm hat ein tolles eMagazine über Permakultur geschrieben, in dem sie unter anderem beschreibt, wie du die Wege, die du bei deinen täglichen Routinen zurücklegst, möglichst kurzhältst und dir dein Selbstversorger-Leben einfacher gestalten kannst.

Wie viel Arbeit macht Selbstversorgung?

Arbeite für dich selbst und nicht für deinen Chef

Je höher dein Selbstversorgungsgrad ist, desto eher kannst du anfangen, weniger für Geld zu arbeiten und mehr für dich selbst. Wenn du weniger Geld brauchst, kannst du außerdem einen Job annehmen, in dem du weniger verdienst, der dich aber mehr erfüllt als dein alter. Ich liebe es, im Garten zu sein, ich liebe meine Tiere, den Geruch von Feuer und das leise Rattern des Spinnrads. Indem du vieles selber machst, kannst du nicht nur eine Menge Geld sparen. Du tauschst auch bezahlte Arbeit gegen ein freies und erfüllendes Leben ein.

Nichts-Tun-Landwirtschaft

Ich träume davon, irgendwann einen wilden Gemüsegarten zu haben, wie ihn der japanische Permakulturist Masanobu Fukuoka in seinem Buch Der große Weg hat kein Tor beschreibt. Seine Gemüsearten säen sich selbst aus und wachsen fast ohne menschliches Zutun. Dieses Buch hat mich sehr geprägt und meine Sicht auf die Welt und unsere Selbstversorgung grundlegend verändert. Meiner Meinung nach sollte jeder, der sich für den Anbau von Lebensmitteln und ein natürliches Leben interessiert, dieses Buch lesen. Insbesondere wenn du nach Ideen suchst, deine Selbstversorgung möglichst einfach zu gestalten, ist Der große Weg hat kein Tor eine Permakultur-Pflichtlektüre.

Einfach leben

Der Weg in die Selbstversorgung ist für viele ein Weg in ein einfacheres Leben. Wenn du mit deiner Selbstversorgung den Lebensstandard aufrechterhalten willst, den der durchschnittliche westliche Mensch gewohnt ist, ist das verdammt viel Arbeit. Ein natürlicheres, einfacheres Leben aber bedeutet nicht nur eine Verbesserung der eigenen Lebensqualität. Es heißt auch, dass eine umfassende Selbstversorgung gut machbar ist, ohne von früh bis spät dafür zu ackern.

Wie viel Arbeit macht Selbstversorgung?

Wie erleichterst du dir deinen Selbstversorger-Alltag? In welchen Bereichen versorgst du dich selbst oder möchtest du dich selbst versorgen? Wie viel Zeit nehmen deine täglichen Routinen in Anspruch? Teile deine Erfahrungen in den Kommentaren!

Kostenlos Grundstück zur Selbstversorgung finden

Wie du ein kostenloses Grundstück für deine Selbstversorgung findest

Wir haben mehr Fläche als wir bewirtschaften können und zahlen keinen Cent dafür. Selbst in der Stadt hatte ich nie Probleme, Weiden für meine zeitweise über 20 Schafe und Ziegen zu finden. Und auch jetzt besitzen wir keinen Quadrateter eigenes Land. Obwohl ich mich sehr darauf freue, irgendwann einen „richtigen“ eigenen Hof zu haben, ist das im Moment für uns noch nicht möglich. Wir studieren zur Zeit nämlich noch und werden weiterziehen, sobald wir damit fertig sind, sodass es sich nicht lohnen würde, jetzt schon ein eigenes Grundstück zu kaufen. Selbstversorgung machen wir trotzdem. Wie, erzähle ich in diesem Artikel.

Ungenutzte Flächen finden

Suchst du nach einem Grundstück, auf dem du einen Garten anlegen oder Tiere halten kannst, dann halte Ausschau nach Flächen, die schon länger nicht gemäht wurden oder sonst irgendwie verwildert aussehen. Fang damit am besten in der Nähe deines Hauses an und arbeite dich von da aus „vor“. Besonders in der Stadt kann es sein, dass du einen gewissen Fahrtweg inkauf nehmen musst. Ich bin mir aber sicher, dass du trotzdem etwas Passendes finden wirst. Als ich noch in der Stadt gelebt habe, habe ich sowohl Privatgärten als auch städtische Grundstücke genutzt oder mit meinen Ziegen Landschaftspflege in stadtnahen Naturschutzgebieten betrieben. Es lohnt sich, im Rathaus nachzufragen, ansonsten kannst du dich natürlich auch im Bekanntenkreis umhören oder einen Aushang mit deinem Gesuch schreiben.

Kostenlos Grundstück zur Selbstversorgung finden

Auf dem Land gibt es natürlich mehr Möglichkeiten, wobei es je nach Region große Unterschiede gibt. Ich bin in den elf Jahren, seitdem ich Tiere, aber kein Land habe, mehrmals umgezogen. In Süddeutschland in einer dichter besiedelten Gegend mit hohen Grundstückspreisen hatte ich Probleme, Grundstücke zu finden, weil alle potentiellen Flächen an Pferdebesitzer verpachtet waren. Dort musste ich ein bisschen weiter draußen suchen, bevor ich Flächen gefunden habe. Letztendlich hat es aber überall geklappt und das wird es bei dir bestimmt auch.

Wer ist der Besitzer?

Meistens ist es schnell ersichtlich, wem ein bestimmtes Grundstück gehört, wenn es zum Beispiel an ein Wohnhaus angrenzt. Ansonsten einfach die nächstgelegenen Nachbarn fragen. Wenn die auch nicht wissen, wem die Fläche gehört, kannst du versuchen, den Besitzer beim Katasteramt in Erfahrung zu bringen. Bei berechtigtem Interesse geben die die Kontaktdaten heraus, wobei das natürlich Ermessenssache ist, weil du ja nicht vorhast, das Grundstück zu kaufen. Probieren kannst du es aber.

Kostenlos Grundstück zur Selbstversorgung finden

Wenn du den Besitzer in Erfahrung gebracht hast, kannst du einfach nett nachfragen, was er mit dem Grundstück macht und ob du es nutzen darfst. Mache deutlich, dass du es im Gegenzug mähen oder in Schuss halten würdest. Ich war oft erstaunt, wie froh viele Leute sind, wenn man sich dem Dickicht annimmt und verspricht, es in Schach zu halten. In aller Regel musste ich deswegen auch nichts bezahlen. Die einzige Gegenleistung ist, das Grundstück abzuweiden und so vor Verbuschung zu schützen. Und selbst wenn du einen kleinen Pachtbetrag zahlst, ist es dass allemal wert.

Wenn auf dem Grundstück ungenutzte Obst- und Nussbäume stehen, ist das natürlich umso besser. Wir können so ca. 15 Obstbäume, 2 Walnussbäume, Haselnusssträucher, verwilderten Wein und Beerensträucher beernten, deren Früchte seit Jahren jeden Herbst verrottet sind.

Kostenlos Grundstück zur Selbstversorgung finden

Mehrwert für den Besitzer

Wenn ein Grundstücksbesitzer bereit ist, einen solchen Deal einzugehen, ist das toll. Umso wichtiger ist es, dass du dich auch an die Vereinbarungen hältst. Sorge dafür, dass das Land gut in Schuss ist und zeige, dass du dich kümmerst. Das sollte selbstverständlich sein, trotzdem will ich es nochmal erwähnen. Insbesondere deswegen, weil ich selbst gerade ein Problem damit habe, „meine“ insgesamt drei Grundstücke abzuweiden. Ich habe dieses Jahr nämlich nur noch halb so viele Ziegen wie in 2016 und die kommen mit dem Fressen einfach nicht hinterher, sodass ich zur Zeit oft mit der Sense nachhelfen muss. Wenn du von vorneherein weißt, wie viel Land du wirklich brauchst, ist das also definitiv von Vorteil.

Wie bist du an dein Grundstück gekommen? Oder besitzt du selbst eins? Wie viel Fläche brauchst du für deine Selbstversorgung?

Kostenlos Grundstück zur Selbstversorgung finden

Selbstversorgung mit Kartoffeln

Esst mehr Kartoffeln!

Juhu, die ersten Kartoffeln sind geerntet! Es gibt kaum etwas Besseres, als die ersten Tuffels auszugraben, ohne zu wissen, was einen unter der Erde erwartet, und sie mit nichts als einer Prise Salz und Öl angemacht in ihrer reinen Form zu genießen. Und was gibt es für einen besseren Anlass als die erste Kartoffelernte, um über diese tolle Knolle zu schwärmen? Heute gibt’s von mir 6 Gründe, warum die Kartoffel für die Selbstversorgung so wichtig ist.

1. Sattwerden

Den eigenen Bedarf an Obst und Gemüse zumindest während der warmen Monate zu decken, ist nicht besonders schwer. Ich würde behaupten, dass das innerhalb von zwei Jahren machbar ist, wenn einem genug Gartenfläche zur Verfügung steht. Obst und Gemüse sind zwar super lecker und wertvolle Vitamin- und Mineralstofflieferanten, aber kalorienmäßig kommt da nicht so viel rum. Wer sich also selbstversorgen und auch satt werden will, ist mit Kartoffeln gut dabei. Sie werden nicht umsonst als Sättigungsbeilage bezeichnet. A pro pos Beilage: Dass die Kartoffel vom Hauptgericht zur Beilage degradiert wird, ist ein neuer, aber scheinbar unaufhaltsamer Trend. Im 19. Jahrhundert lag der Pro-Kopf-Verzehr noch bei 300 kg im Jahr, heute sind es kaum noch 50 bis 60 kg.

2. Einfach anzubauen und zu verarbeiten

Kartoffeln anzubauen ist nicht schwer und wenig arbeitsintensiv. Im Gegensatz zu Getreie müssen Kartoffeln weder gedroschen noch entspelzt oder gemahlen werden. Das macht den Anbau von Getreide zur Selbstversorgung so kompliziert, denn Dreschen und Entspelzen ohne entsprechende Maschinen ist sehr aufwändig. Den Anteil von Kartoffeln in der eigenen Ernährung zu erhöhen, kann also eine große Arbeitsersparnis bedeuten und den Anteil der selbst angebauten Lebensmittel drastisch steigern, wenn man mit Kartoffeln einen Teil des Getreides ersetzt. Denn die allermeisten Selbstversorger kaufen Getreide lieber, als sich damit abzuplacken.

3. Beete mit Kartoffeln anlegen

Kartoffeln eignen sich sehr gut, um frisch angelegte Beete zu bepflanzen. Sie lockern den Boden, unterdrücken das Unkraut und werfen auch in einem neu angelegtem Mulchbeet noch ganz passable Erträge ab. Wer mehr dazu wissen will: Wir haben einen Artikel geschrieben, in dem wir zeigen, wie wir Mulchbeete anlegen.

Selbstversorgung mit Kartoffeln

4. Gut lagerbar

Kartoffeln lagern dunkel und bei 5-9°C. Bedingungen, die fast jeder in seinem Keller vorfindet. Die Knollen am besten in Leinensäcke oder Holzkisten packen und nie unter Luftabschluss gelagert werden. Außerdem sollten sie den eingelagerten Äpfeln auf keinen Fall zu nahe kommen. Äpfel sondern nämlich Ethylen ab, das die Kartoffeln schneller verderben lässt. Wer das beachtet, sollte keine Schwierigkeiten haben, die eigene Kartoffelernte zu lagern und sie so fast das ganze Jahr über zur Verfügung zu haben.

5. Vollwertig

Kartoffeln enthalten neben sättigenden Kohlehydraten auch die Vitamine C, B1, B2 und B6, sowie Folsäure, Kalium, Phosphor und Magnesium. Die Vitamine ballen sich vor allem im Innern der Kartoffel, man muss also keine Sorge haben, dass sie beim Pellen verloren gehen. Der Vitamingehalt schwankt aber je nach Zubereitungsart. Die meisten Vitamine bleiben erhalten, wenn man Bratkartoffeln aus rohen Kartoffeln macht. Wer aber die Mineralstoffe erhalten will, sollte seine Kartoffeln mt Schale essen, denn in der Schale ist die Mineralstoffkonzentration am höchsten.

6. Vielseitig

Kartoffelbrei, Rösti, Kartoffelbrot, Kartoffelsuppe, Kartoffelpuffer, Kartoffeltörtchen, Croquetten, Pellkartoffeln, Chips, Kartoffelauflauf, Bratkartoffeln, Pommes, Ofenkartoffeln, Kartoffelsalat, Ratatouille, Kartoffelgratin, Klöße… Mehr muss ich dazu wohl nicht sagen.

Selbstversorgung mit Kartoffeln

Fläche berechnen

Pro Quadratmeter kann man mit einem Ertrag von 3 bis 3,5 kg Kartoffeln rechnen. Den heute üblichen Bedarf von 60 kg pro Person kann man auf nur 19 Quadratmetern Kartoffelacker selbst anbauen. Bei einer Kartoffel-basierten Selbstversorgung gehe ich aber mal von den 300 kg aus, die im 19. Jahrhundert üblich waren. Das ergibt eine Fläche von ca. 92 Quadratmetern pro Nase. Plant man Verluste ein und will obendrein Saatkartoffeln gewinnen, um sie im nächsten Jahr wieder auszupflanzen, ist man bei rund 120 Quadratmetern. Das ist ziemlich überschaubar. Wenn man außerdem bedenkt, dass Kartoffeln innerhalb von 90 bis 110 Tagen erntereif sind und man sie dementsprechend auch zweimal hintereinander anbauen kann, sehen die Zahlen noch viel besser aus.

Fruchtfolge

Wer viele Kartoffeln anbauen will, muss sich bewusst sein, dass er Probleme mit der Fruchtfolge bekommt, wenn der Kartoffelacker größer als 1/5 der gesamten Ackerfläche ist. Kartoffeln brauchen nämlich eine Anbaupause von mindestens 5 Jahren, bevor sie wieder auf dem gleichen Stück Land wachsen sollten. Aber zum Glück gibt es ja noch viele, viele andere Pflanzen, die man anbauen kann, sodass das kein Problem darstellen sollte.

Zum Schluss noch ein Tipp zur richtigen Ernte: Wer seine Kartoffeln lagern will, lässt sie am besten nach der Ernte noch für ein, zwei Stunden auf der Erde liegen, damit sie abtrocknen können und eine festere Schale bilden. Dadurch sind sie deutlich besser lagerbar. Aber Vorsicht: Bereits nach wenigen Stunden am Sonnenlicht fangen Kartoffeln an, Solanin zu bilden. Also daran denken, sie rechtzeitig in den Keller zu bringen.

 Spielt die Kartoffel in deiner Selbstversorgung auch so eine große Rolle? Was sind deine Lieblingssorten? Hast du schonmal selbst Getreide angebaut? 

So startest du deinen Back To Eden-Garten

Wir haben am Wochenende unser großes Beet um einige Quadratmeter vergrößert und Wiese in bepflanzbaren Boden verwandelt. Ich bin ja ein Fan der Back To Eden-Methode, das heißt, wir decken unseren Gartenboden mit einer dicken Schicht Mulch ab und müssen so kaum noch gießen und Unkraut jäten. Wenn du davon noch nie gehört hast, empfehle ich dir diesen Film von Paul Gautschi, dem „Erfinder“ der Back To Eden-Methode. Ich hatte die Kamera dabei, um euch zu zeigen, wie wir ein Back To Eden-Beet anlegen. Anbaufläche kann man nämlich nie genug haben (wir zumindest nicht) und was die Größe unseres Gartens angeht, sind wir noch lange nicht am Limit.

Boden ist kostbar!

Vorab: Wer sich mit dem Thema noch nie auseinandergesetzt hat, dem empfehle ich dieses Video:


Der fruchtbare Boden umspannt unseren Planeten in einer hauchdünnen Schicht und weltweit stehen wir vor einem großen und leider oft übersehenen Problem, denn immer mehr Boden ist durch Erosion gefährdet. Es ist unsere Aufgabe, den Boden, der uns ernährt, zu schützen, aufzubauen und belebt zu halten. Boden sollte also nie unbedeckt sein, wo er Wind und Wetter schutzlos ausgeliefert ist, sondern entweder bewachsen oder gemulcht sein. Am besten beides.

Zum Bodenschutz gehört auch, nicht umzugraben, wenn es nicht unbedingt sein muss. So bleiben die natürlichen Bodenschichten erhalten und das Beet wird nicht zum Massengrab für Bodenlebewesen, die vor allem die oberen zehn Zentimeter bevölkern. Stattdessen reicht es oft aus, den Boden mit einer Grabegabel zu lockern, ohne ihn zu wenden. Die Back To Eden-Methode hat uns sehr dabei geholfen, weniger umgraben zu müssen. Sie ahmt nämlich die Natur nach. In der Natur ist nie auch nur ein Fleck Erde unbewachsen oder unbedeckt. Durch die dicke Mulchschicht, die man beim Back To Eden-Gärtnern aufbringt, bildet sich von selbst ein lockerer schwarzer Oberboden, der von Regenwürmern und anderen Bodenlebewesen bevölkert ist.

Beete anlegen

Beim Anlegen eines Mulchbeetes ist es praktisch, wenn das Gras, auf dem das Beet angelegt werden soll, möglichst lang ist. Im ersten Schritt decken wir das nämlich mit Wellpappe ab. Wenn die Gräser zu kurz sind, lassen sie sich nicht umlegen und wachsen mit ihren scharfen Blattspitzen leichter durch die Pappe durch. Lange, umgelegte Gräser werden von der Pappe erstickt und sterben ab. Kleiner Tipp: Pappe in rauen Mengen gibt’s in vielen Fahrradgeschäften, die ihre Fahrräder in Kartons geliefert bekommen. Die Pappe wird so ausgelegt, dass sich die einzelnen Stücke mindestens 10cm überlappen. Benutze nur unbedruckte Pappe und entferne Kleber etc., sonst landet das alles im Boden und letztendlich in deinem Essen.

Back To Eden Beet anlegen Back To Eden Beet anlegen

Wer Kompost zur Verfügung hat, kann diesen jetzt auf der Pappe verteilen. Dann geht das Ganze deutlich schneller und je nach Kompost-Menge kann sofort gepflanzt werden. In unserem Fall legen wir jetzt schon Beete für nächstes Jahr an und haben keine Eile. Wir können warten, bis sich von selbst eine humose Schicht gebildet hat und die Wiese zu Gartenboden geworden ist. Damit das auch passiert, schichten wir verschiedene Arten organischen Materials auf, die sich mit der Zeit zersetzen und eine nährstoffreiche Basis für das neue Beet bilden. Wir haben glücklicherweise einige Kubik Hackschnitzel abstauben können, als ein Baumkletterer in unserer Nachbarschaft einen Baum gefällt hat. Ansonsten nehmen wir auch Laub, Grünschnitt, altes Heu, Stroh oder Grasschnitt. Am besten ist es, grüne und braune Schichten abwechselnd aufzuschichten, dann stimmt auch das N/C-Verhältnis, sodass sich das Ganze mit der Zeit in wertvollen schwarzen Humus verwandelt.

Back To Eden Beet anlegen

Geh sicher, dass die Mulchschicht dick genug ist, um das darunterliegende Gras zu ersticken. Ansonsten erobert sich die Wiese die Fläche bald zurück. Wir schichten mindestens 30cm Mulch auf, wobei man auch bedenken muss, dass das Ganze schon nach wenigen Tagen in sich zusammenfällt. Wir bringen immer wieder neuen Mulch aus, wenn er anfällt oder wir merken, dass die Schicht zu dünn ist.

Will man in einem frisch angelegtem Mulchbeet jetzt schon etwas anbauen, eignen sich Kartoffeln am besten. Sie lockern den Boden und unterdrücken die Unkräuter. Natürlich kann man nicht mit einer immensen Ernte rechnen, aber besser eine kleine Ernte als gar keine. Dafür in die Pappe Schlitze schneiden und die Kartoffeln in das darunter liegende Gras legen. Anschließend einfach dick drübermulchen. Die Kartoffeln werden sich ihren Weg nach oben bahnen.

Die Ziegen verfolgen jeden Handgriff gebannt und sind vor allem scharf auf die Erdbeeren, den Salat und all die anderen Leckereien, die auf der anderen Seite des Zaunes wachsen.

Back To Eden Beet anlegen Ziege

Für Eilige

Wer es ganz eilig hat und sofort lospflanzen will, kann die Grassoden flach abstechen und umdrehen, sodass die Grashalme nach unten schauen und die Wurzeln oben liegen. Schonender ist es natürlich, den Boden gar nicht zu bewegen. Und natürlich wollen auch die Grassoden gemulcht werden.

Beetkante

Wenn man wie wir mitten auf einer Wiese einen Garten anlegt, ist es sinnvoll, gute Beetkanten zu haben, sonst erobert sich das Gras seinen Raum bald zurück. Wir haben an der gesamten Kante unseres Beets entlang Steine und eine Rhizomsperre eingegraben. Nimmt man zum Umsäumen Holzstämme, schafft man gleichzeitig Lebensraum für viele nützliche Insekten.

Wie legst du deine Beete an? Bist du auch so Mulch-fanatisch? Und was hältst du vom Umgraben?