Garten
Kommentare 24

Terra Preta-Rezept: Beste Gartenerde selber machen!

Terra Preta Rezept

Vielleicht hast du ja schon einmal von Terra Preta gehört, der fruchtbarsten aller Gartenerden, die vor Hunderten von Jahren im Amazonasgebiet hergestellt wurde?

Als Forscher die „Terra Preta“ in den 60er Jahren entdeckten, konnten sie sich kaum erklären, wie auf dem eigentlich kargen Regenwaldboden eine so fruchtbare Erde entstehen konnte.

Die Lösung des Rätsels: Die südamerikanischen Ureinwohner hatten den Boden mit einem kompostierten Gemisch aus Pflanzenresten und anderen Abfällen wie Knochen oder Gräten, Mist, menschlichen Fäkalien und Kohle angereichert – eine super fruchtbare Mischung!

Na ja, die Fäkalien können wir finde ich weglassen, aber was haltet ihr davon, wenn wir uns das Prinzip abgucken und Terra Preta für unsere eigenen Gärten herstellen? Bist du dabei? :)

Terra Preta-Rezept: Beste Gartenerde selber machen!
Merk dir diesen Artikel auf Pinterest!

Terra Preta selber machen: Hier ist das Rezept!

Für diese etwas abgeänderte Form der Terra Preta brauchst du erstmal einen Komposthaufen oder einen Komposter. Da kommen dann deine Küchen- und Gartenabfälle rein, und auch Mist, falls du Tiere hast.

Dabei beachtest du die ganz normalen Regeln des Kompostierens – du verteilst aber zusätzlich nach jeder Schicht einige Hände voll Pflanzenkohle oder Aktivkohle im Komposter.

Kohle bringt nämlich einige wunderbare Eigenschaften mit sich: Sie hat eine sehr große Oberfläche, an der Nährstoffe „andocken“ können. Die Kohle an sich ist kein Dünger, aber sie hält Nährstoffe fest und bewahrt sie so vor der Auswaschung.

Bestimmt hast du schon einmal davon gehört, dass Regen und Gießwasser Nährstoffe in immer tiefere Bodenschichten spülen, wo die Pflanzen sie irgendwann nicht mehr erreichen können. Und nicht nur das: Irgendwann belasten diese ausgewaschenen Nährstoffe auch das Grundwasser. Da ist es doch besser, wenn die Pflanzennahrung bleibt, wo wir sie haben wollen: in unseren Gemüsebeeten! Pflanzenkohle ist hervorragend dafür geeignet, Nährstoffauswaschungen zu vermeiden.

Sie kann aber noch mehr: Die Kohle speichert Wasser, und gerade in Sommern wie 2018, wo es monatelang nicht regnet, ist das Gold wert. Sie hilft außerdem dabei, den Boden zu belüften, was für Mineralisierungsprozesse im Boden super wichtig ist, und bietet vielen Boden-Mikroorganismen einen Lebensraum.

Außerdem speichert die Kohle, die du auf deinen Beeten ausbringst, CO2 im Boden. Du peppst also nicht nur deine Gartenerde auf, sondern tust auch noch was für den Klimaschutz.

Pflanzenkohle selber machen

Du kannst Pflanzenkohle aus Holz und anderen Abfällen selber machen. Dazu gibt es zahlreiche Anleitungen im Internet. Ich habe schon kubikmeterweise Pflanzenkohle in einem alten Baustellencontainer hergestellt, das ist wirklich ganz unkompliziert und auch in kleineren selbstgebauten Behältern möglich. Vielleicht schreibe ich dazu mal eine eigene Anleitung, hätte daran jemand Interesse?

Stattdessen kannst du auch fertige Kohle kaufen – nicht die Grillkohle aus dem Baumarkt bitte, sondern Pflanzenkohle oder Aktivkohle.

Aktivkohle oder Pflanzenkohle – wo ist der Unterschied?

Wenn du Kohle kaufen möchtest, wirst du bald feststellen, dass dir zwei verschiedene Arten angeboten werden: Aktivkohle und einfache Pflanzenkohle.

Der Unterschied zwischen beiden liegt in ihrer Porosität: Aktivkohle hat nämlich durch das spezielle Herstellungsverfahren eine fünfmal größere Oberfläche. Ein Gramm Aktivkohle hat eine Oberfläche von 500 bis 1500 m2.

Das bedeutet, dass ein Teelöffel die Fläche eines Fußballfeldes hat! Wahnsinn, oder?

Aktivkohle ist aber im Schnitt auch fünf- bis zehnmal teurer als die einfache Pflanzenkohle. Ich würde sagen, da lohnt es sich, statt der Aktivkohle Pflanzenkohle zu kaufen und davon einfach ein bisschen mehr zu verwenden. ;)

Terra Preta Pflanzenkohle Aktivkohle

Terra Preta mit Mirkoorganismen anreichern?

Jetzt kannst du außerdem noch Effektive Mikroorganismen auf deinem Terra Preta-Komposthaufen ausbringen. Jen und der Gärtner vom Gartengemüsekiosk haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht.

Ich bin der Meinung, dass im Boden genug tolle Mikroorganismen vorkommen, die (solange man sich an die Kompost-Regeln hält) mit Vergnügen in den Terra Preta-Komposter übersiedeln. Aber wenn du Effektive Mikroorganismen einmal ausprobieren möchtest: Damit kannst du sicher nichts falsch machen.

Wann ist die Terra Preta fertig?

Das ist je nach Jahreszeit unterschiedlich. Im Sommer kompostieren deine Abfälle natürlich schneller – da kann es sein, dass die Terra Preta schon nach drei Monaten fertig kompostiert ist. Du erkennst das daran, dass der Kompost wie Waldboden aussieht und auch danach riecht. Im Winter macht der Komposthaufen Pause und legt erst wieder los, wenn die Temperaturen wieder steigen.

In den warmen Monaten kannst du die Kompostierung beschleunigen, indem du deinen Kompost umsetzt, und auch die Materialzusammensetzung spielt eine Rolle bei der Frage, wie lange das Ganze dauert. Mehr dazu findest du hier:

Richtig guten Kompost machen

Ist das Betrug?

Ich geb’s ja zu: Manchmal schummele ich beim Terra Preta-Machen. Vielleicht weißt du ja, dass ich viel Kompost verwende, wenn ich neue Beete anlege. Wenn wir wie dieses Jahr mehrere hundert Quadratmeter Beetfläche auf einmal anlegen, reicht der Kompost, den wir selber herstellen können, nicht aus, dann kaufe ich Kompost im Kompostwerk.

Wenn ich dann die Beete anlege, mische ich gerne aufgeladene Pflanzenkohle unter den Kompost und erschaffe so in Minutenschnelle eine „Instant-Terra Preta“. Das ist zwar längst nicht so cool wie mit eigenem Kompost, aber diese Beete werfen schon im ersten Jahr beträchtliche Ernten ab.

Pflanzenkohle aufladen

Wenn du diese „Instant Terra-Preta“ herstellst, musst du deine Kohle aber vorher mit Nährstoffen aufladen, sonst würde sie deinen Pflanzen kurzfristig Nährstoffe klauen.

Ich weiß, ich habe eben eine Lobhymne auf die Nährstoffspeicher-Fähigkeit der Kohle gehalten, und jetzt behaupte ich sowas?!

An sich ist das alles auch eine wunderbare Sache. Aber wenn du die Kohle ohne Vorbehandlung auf deinen Beeten ausbringst, „krallt“ sie sich erstmal allerhand Nährstoffe und hält sie fest, sodass deinen Pflanzen für einen kurzen Zeitraum weniger Nährstoffe zur Verfügung stehen.

Deswegen solltest du dafür sorgen, dass die Kohle, die du ausbringst, schon mit Nährstoffen angereichert ist. Bei der “Instant-Terra Preta” solltest du die Kohle vor dem Ausbringen in einem Eimer mit verdünntem Flüssigdünger (zum Beispiel Brennnesseljauche) mischen.

Danke, Mädels! :)

Wenn du deine Terra Preta ganz klassisch im Komposter herstellst, passiert das während des Kompostierungsprozesses ganz von selbst. Aber auch hier kannst du nachhelfen und deiner Kohle einen kleinen Extra-Nährstoff-Boost verpassen. Und zwar, indem du die Kohle vor dem Kompostieren unter die Einstreu deiner Tiere mischst.

Ich gebe zum Beispiel gerne Pflanzenkohle mit in den Hühnerstall. Wir haben im Moment sieben Hühner, die so viel Mist abwerfen, dass die Pflanzenkohle nach einer Woche frisch aufgeladen kompostiert werden kann.

Wann kann ich Terra Preta ausbringen?

Rund ums Jahr! :) Ich bringe meine Terra Preta am liebsten vor der Aussaat oder Pflanzung aus oder gebe etwas davon mit ins Pflanzloch. Easy peasy!

Hast du schonmal Terra Preta selber gemacht? Hat jemand ein tolles Geheimrezept auf Lager oder noch mehr Tipps, wie die Terra Preta noch besser wird?

Kategorie: Garten

von

Hi, ich bin Marie. Leidenschaftliche Gärtnerin, Mutter eines fünfjährigen Sohnes und auf dem Weg in ein einfaches und natürliches Leben. Auf meinem Blog dreht sich alles um das Thema Selbstversorgung: vom Gemüsegarten über Tierhaltung oder das Haltbarmachen der eigenen Ernte. Viel Spaß beim Stöbern!

24 Kommentare

  1. Michi sagt

    super informativ und einfach gehalten. Möglich ohne besondere Aktionen.. einfach im Kompost, ohne SchnickSchnack. Das gefällt mir!

  2. Sonja sagt

    Danke für den tollen Artikel! Leider blieb ich im Baumarkt und Gartencenter auf der Suche nach Pflanzenkohle erfolglos. Wo kann man die denn kaufen? Danke!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.