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Kinofilm: Unsere große kleine Farm – Interview mit John Chester

Unsere kleine große Farm Ferkel

Weil ihr Hund Todd zu laut bellt, müssen John und Molly Chester ihre Stadtwohnung verlassen. Diese Gelegenheit nutzen sie, um einen Traum zu verwirklichen, den sie so lange hatten:

Einen eigenen regenerativen Hof aufzubauen und mit der Natur zu arbeiten statt gegen sie.

Also kaufen sie eine alte, heruntergewirtschaftete Zitronenfarm und legen los. Der Naturfilmer John hat über die Jahre einen super inspirierenden Dokumentarfilm über ihr Abenteuer gedreht, der am 11. Juli in die Kinos kommt.

Hier ist mein Interview mit John. Viel Spaß!

Pssst: Falls du Lust hast, dir den Film anzuschauen: Auf meiner Facebookseite verlose ich morgen dreimal zwei Kinokarten. ;)

Marie: Hey John, schön, dass du hier bist! Warum stellst du dich nicht erstmal vor und erzählst uns etwas über dich und Molly, eure Farm und den Film?

John: Na klar! Mein Name ist John Chester und meine Frau Molly und ich haben vor acht Jahren unsere Farm gekauft und aufgebaut, weil wir eine große Sehnsucht nach wirklich gesundem, nährstoffreichem Essen mit diesem intensiven, echten Geschmack hatten, den man heute im Supermarkt gar nicht mehr bekommt.

Gleichzeitig waren wie auch sehr an den ökologischen Auswirkungen und Verbesserungen interessiert, die eine regenerative Landwirtschaft für das Ökosystem bringen könnte. Deswegen kauften wir eine alte, heruntergekommene Zitronenfarm, die seit 45 Jahren sehr intensiv bewirtschaftet wurde, um billige Lebensmittel anzubauen.

Die Farm wurde vorher ohne Rücksicht auf Verluste bewirtschaftet, auch ohne den Erdboden zu regenerieren, und so mussten wir den Boden von Grund auf neu aufbauen. Die Erde war komplett tot, es gab keine Mikroorganismen mehr, die die Erde wieder hätten heilen können. So standen wir erstmal vor einer Menge Arbeit.

Marie: Es war sehr mutig von euch, euer altes Leben hinter euch zu lassen und euch auf dieses Abenteuer einzulassen. Wie hat es sich angefühlt, als ihr auf der Farm angekommen seid?

John: Es war ein Mix aus ganz unterschiedlichen Gefühlen und Gedanken. Zum einen waren wir sehr aufgeregt. Wir fanden die Farm wunderschön, aber es wurde uns nach und nach immer deutlicher, dass einiges an Arbeit auf uns wartete. Besonders der tote Erdboden war eine ernstzunehmende Herausforderung, da wir dort wie gesagt von Grund auf neu beginnen mussten.

Wir hatten Angst, als wir realisierten, dass wir auf einem Acker Lebensmittel anbauen wollten, der nichts anderes als Stein und Sand war. Aber es war auch ein sehr befreiendes Gefühl, endlich auf der Farm anzukommen.

Marie: Ja, das kann ich mir vorstellen. Wie habt ihr es geschafft, all diese wunderschönen Aufnahmen zu machen, während ihr offensichtlich so viel Arbeit auf der Farm zu erledigen hattet?

John: Der Film wurde über einen Zeitraum von acht Jahren gedreht. Ich hatte immer wieder Praktikanten auf dem Hof, die mithalfen und während der Arbeit auf dem Feld oder bei den Tieren brachte ich ihnen bei, wie man eine Kamera bedient.

So nahmen wir einige Szenen auf unserem Weg auf, aber ich hatte nie die Intention, einen gesamten Film zu drehen, ich war anfangs eher an Kurzfilmen interessiert.

Ich habe am Anfang nicht wirklich verstanden, wie bedeutsam biologische Prozesse sind, ich habe nicht verstanden, was der wahre Wert eines Marienkäfers für die Natur ist, oder Füchse oder Kojoten. Erst im fünften Jahr wurde mir bewusst, dass alles wie ein Spinnennetz ineinander verwoben ist, und dass all die guten und schlechten Dinge einander ausbalancieren und zu einander gehören.

In diesem Jahr wurde mir dann bewusst, dass die Geschichte, wie wir unsere Farm aufbauen, alle Schlüsselfiguren besaß, um eine einzigartige Geschichte über unsere Erfahrungen mit der (echten) Natur zu erzählen, und damit war die Idee für den Kinofilm geboren.

Marie: Ich kann mir vorstellen, wir verrückt es gewesen sein muss, beides, sowohl den Film als auch die Farm zu managen! Was waren die größten Fehler, die ihr auf eurer Farm gemacht habt?

John: Ich wünschte, wir hätten sofort an der Wiederherstellung des Lebensraums gearbeitet. Wir haben teilweise daran gearbeitet, zum Beispiel haben wir Gründüngung und Deckfrüchte angebaut, um Nützlingen wie Spinnen, Mistkäfer und ein Zuhause zu geben.

Ich wünschte aber, ich hätte von Anfang an mehr getan, um die Wildtiere zurückzubringen, die automatisch Epidemien von z.B. Kastanienkrankheiten hätten ausgleichen können.

Die biologische Vielfalt heilt zwar nicht alle Krankheiten, aber sie gleicht sie aus. Sie beugt Krankheiten und Schädlingsbefall vor und balanciert die Nachwirkungen von vergangenen Niederschlägen aus.

Marie: Ich fand es toll, wie authentisch und ehrlich der Film ist, und dass er auch die Rückschläge zeigt, die ihr auf eurer Reise hattet. Ich kann es mir vorstellen, dass es mehrfach Zeiten gab, in denen ihr die Farm aufgeben wolltet. Wie hat ihr euch motiviert, weiterzumachen?

John: Wann immer wir darüber nachdachten, aufzugeben, haben wir uns vor Augen geführt, wie schmerzlich es sein würde, all das, was wir uns aufgebaut hatten, und all das, was wir wieder zum Leben erweckt hatten, loszulassen.

Wir wussten, dass das super traurig für uns beide sein würde. Am Ende des Tages hat uns die Hoffnung mehr Sicherheit gegeben, als die Sicherheit über den Schmerz, den wir fühlen würden, wenn wir unseren Traum aufgeben würden.

Marie: Das hast du sehr schön gesagt! Was ist das Beste an eurem Farm-Alltag?

John: Das Schönste ist es, wenn du verstehst, dass du nicht all die Lösungen kennst. Oftmals findest du Herausforderungen in Dingen, über die viel schon weißt. Landwirtschaft steht immer im Zusammenhang mit Demut – wenn man sich selbst Vorwürfe macht, dass man nicht für alles die richtigen Antworten hat, kommt man nicht voran. Man muss bereit sein, immer von Neuem die Natur zu betrachten. Irgendwann empfand ich es als sehr befreiend, zu realisieren, dass es bei der landwirtschaftlichen Arbeit im Grunde um Demut geht.

Marie: Inwiefern unterscheidet sich das Leben auf eurem Hof von der Vorstellung, die ihr hattet, als ihr den Hof gekauft habt?

John: Am Anfang hätte ich nicht gedacht, dass der Hof so sehr die Gesamtheit unserer Existenz ausmachen würde. Du gehst eine sehr tief gehende geografische Verbindung mit einem einzigartigen Ort ein, die dein ganzes Leben ausfüllt. Das hätte ich mir am Anfang niemals vorstellen können.

Marie: Ihr habt ja nicht irgendeinen Hof aufgebaut, sondern ein komplexes System, in dem alle Komponenten ineinandergreifen. Die Enten fressen zum Beispiel die Schnecken, die sonst die Obstbäume angehen usw. Gibt es eine Tierart, die besonders wichtig für eure Farm ist?

John: Ich halte Dünger aus Pflanzenabfällen für sehr wichtig, aber ich denke, die beste Wahl ist Kuhdünger. Durch die Komplexität der Kuhmägen und der darin stattfindenden Prozesse wird die Vielfalt an Mikroorganismen verstärkt und so ein gesundes Bodenleben geschaffen. Damit fällt meine Wahl eindeutig auf die Wiederkäuer, insbesondere die Kühe!

Marie: Weltweit müssen sich Landwirte dem Klimawandel stellen. Wie geht ihr damit um?

John: Landwirtschaft in Harmonie mit der Natur erfordert es, Prozesse nachzuahmen, die in der Natur stattfinden, wie der Anbau von Gründüngung und der Aufbau eines stabilen Gleichgewichts aus Schädlingen und Nützlingen. Ich sehe die Lösung eindeutig in der regenerativen ökologischen Landwirtschaft.

Marie: Was würdest du Menschen mit auf den Weg geben, die einen Hof aufbauen wollen?

John: Ich wünschte, ich hätte von Anfang an mehr Praktikanten gehabt, statt alles alleine anzugehen. Seitdem haben wir ein Freiwilligenprogramm auf unserer Farm. ;)

Allen, die eine Farm aufbauen wollen, würde ich raten, vorher auf verschieden unterschiedlichen Höfen zu arbeiten, weil man so sehr schnell sehr viele Dinge lernt, die man später brauchen wird.

Marie: Dankeschön, das war ein tolles Interview!

John: Danke dir, Marie!

Alle Bilder wurden mir von Public Insight zur Verfügung gestellt.

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Hi, ich bin Marie. Leidenschaftliche Gärtnerin, Mutter eines fünfjährigen Sohnes und auf dem Weg in ein einfaches und natürliches Leben. Auf meinem Blog dreht sich alles um das Thema Selbstversorgung: vom Gemüsegarten über Tierhaltung oder das Haltbarmachen der eigenen Ernte. Viel Spaß beim Stöbern!

1 Kommentare

  1. yrwelcome sagt

    Hallo Marie, sehr interessante Seite, sehr gute Einführungen; Danke sehr herzlich dafür

    Ich habe eine Frage zum Fermentieren und würde sie hier nochmal einkopieren:

    Ich habe auf Dein Rezept ein erstes Glas Zucchini fermentiert und diese aufs Fensterbrett bei konstant ca 20 bis 25 grad gestellt und harre der Dinge.

    Meine Bekannte sagte mir, dass das Fermentiere leider nur begrenzt haltbar ist und nach dem Vorgang im Kühlschrank zu lagern ist.

    Dabei kam mir der Gedanlke, dass die Kühltemperatur ja wohl den Vorgang unterbricht.

    ist es so, dass der Vorgang hernach, nach der Entnahme aus dem Kühlschrank wieder aufsetzt?

    Könnte man durch zeitiges einsetzen in den Kühlschrank den Prozess verlangsamen und die Haltbarkeit erhöhen?

    ich habe 2 Kühlhaeuser, eines mit 10 grad und eines mit ca 2 grad

    weisst Du etwas über dne Einfluss diser Temperaturen??

    Ich bedanke mich herzlichst für eine evtl Antwort.

    Wenn du eigentlich nur über Blog komunizierst, bitte sag mir die Adresse, dann melde ich mich mit dre Frage von dort wieder

    Dank im Vorraus
    Yrwelcome

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