Einfaches Leben, Selbstversorgung mit Kleidung
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Wolle spinnen mit dem Spinnrad

Wolle spinnen mit dem Spinnrad

Auf der Liste der Dinge, die ich bei einem Wohnungsbrand mitnehmen würde, steht mein Spinnrad ziemlich weit oben. Ich habe es jetzt seit vier Monaten und bereits die unterschiedlichsten Garne damit gesponnen. Spinnen ist definitiv zu einem Hobby geworden und ich bin regelrecht süchtig. Kleidung für mich und meine Familie herzustellen, gehört für mich zur Selbstversorgung dazu. Deswegen habe ich mich wie ein kleines Kind gefreut, als das Spinnrad endlich ankam. Ich liebe es, wenn Selbstversorger-Aufgaben Spaß machen. Es gibt genug Dinge, die ich nicht gerne tue (ausmisten, meeh…). Umso toller ist es, wenn man an einer Aufgabe so viel Freude hat. Selbstversorgung soll schließlich nicht in Selbstgeißelung enden, sondern in erster Linie Spaß machen.

Bald wird es Herbst und die warmen Pullover sollen fertig sein wenn es kalt wird. Deswegen bin ich gerade fleißig am Spinnen. Wenn man noch nie an einem Spinnrad gesessen hat, können die einzelnen Schritte ganz schön überwältigend wirken. Im Grunde ist es aber ganz einfach. Deswegen gibt es heute eine Übersicht darüber, welche Schritte nötig sind, um aus roher Schafwolle ein strickfertiges Wollknäuel zu machen. Vorher aber ein kleiner Exkurs im Sinne der Tiere, die uns diesen unglaublichen Rohstoff zur Verfügung stellen:

Warum es so wichtig ist, welche Wolle du verwendest

Wolle ist toll. Im Gegensatz zu Kunstfasern entsteht Wolle aus Erde, Wasser und Sonne. Sie besteht aus Aminosäuren, die man synthetisch nicht herstellen kann. Chemiker sind überzeugt davon, dass auch in Zukunft keine künstliche Faser hergestellt werden kann, die die alle guten Eigenschaften der natürlich gewachsenen Wolle besitzt. Wolle kann bis zu 30% ihres Eigengewichts an Wasser aufnehmen, ohne dass sie sich feucht anfühlt. Außerdem ist sie schwer entflammbar, atmungsaktiv und schmutzabweisend. Deswegen muss sie auch nicht so oft gewaschen werden, lüften reicht oft vollkommen aus.

Der Großteil unserer Wolle stammt von Merinoschafen. Merinowolle ist sehr weich und Merinoschafe liefern einen hohen Wollertrag. Der ist deswegen so hoch, weil ihnen ihre Haut buchstäblich ein paar Nummern zu groß ist – sie hat also eine größere Oberfläche, auf der mehr Wolle wachsen kann. Dadurch bilden sich Hautlappen, unter denen sich Parasiten einnisten. Um das zu verhindern, schneiden viele Schafzüchter (insbesondere in Australien, wo ein Großteil der hier verwendeten Wolle produziert wird) den Lämmern große Haut- und Fleischstücke vom Hinterteil. Und das ohne Schmerzmittel oder Betäubung. Was für ein immenses Leid das für die Lämmer bedeutet, kann sich vermutlich jeder vorstellen.

Deswegen: Wenn du keine eigenen Schafe hast, sondern Wolle kaufst, achte darauf, dass sie Mulesing-frei ist. Hier findest du eine Auflistung von Shops, die Mulesing-freie Wolle verkaufen.

Ansonsten gibt es neben dem Merinoschaf auch andere tolle Schafrassen, die ohne Qualzucht weiche Wolle liefern. Ich habe mich in die Rotkopfschafe verliebt, eine stark bedrohte Schafrasse, die eine sehr weiche Wolle besitzt und viel besser an unser Klima angepasst ist als die Merinos. Solche Rassen zu bewahren, ist super wichtig. Leider kenne ich keine Bezugsquelle für Rotkopfschaf-Wolle, aber die Wolle vom Krainer Steinschaf, ebenfalls eine bedrohte Schafrasse, ist auch seeeehr kuschelig. Indem du diese Wolle kaufst, kannst du die Züchter dabei unterstützen, diese wertvollen alten Rassen zu erhalten. Ich kaufe meine Wolle daher im Shop von Kollektion der Vielfalt.

Oder aber du fängst selbst an, eine bedrohte Schafrasse zu halten und steigst in die Erhaltungszucht ein.

Mit Dem Spinnrad Spinnen Walliser Schwarnasenschaf

Rohwolle waschen und kardieren

Ich besitze seit einigen Jahren keine eigenen Schafe mehr. Als ich noch welche hatte, habe ich die Wolle leider nie verwendet, das bereue ich mittlerweile sehr. Ich hatte tolle Schafe, Walliser Schwarznasen und Rhönschafe. Aber aus irgendeinem Grund habe ich ihre Wolle nicht verwendet. Da wir jetzt keine Schafe mehr haben, kaufe ich meine Wolle wie eben erwähnt bei Kollektion der Vielfalt. Diese Wolle ist schon gewaschen und kardiert, deswegen habe ich das bisher noch nie selber gemacht, auch wenn ich große Lust dazu habe. Das kommt bald – wenn ich Alpaka-Rohwolle von einem Hof aus der Region bekomme – bisher habe ich damit aber noch keine Erfahrungen. Deswegen verweise ich mal an Woll-Profi Chanti:

Beim Kardieren kämmst du die Fasern, damit du sie leichter verspinnen kannst. Dafür kannst du entweder Handkarden oder eine Kardiermaschine benutzen. Wenn du nicht sofort große Investitionen tätigen willst, kannst du ein paar Nägel durch ein Brett schlagen und das Brett so an einem Tisch befestigen, dass die Nägel nach oben stehen. So kannst du dir einen kleinen Kamm zum Kardieren selberbauen.

Welches Spinnrad ich benutze

Ich habe mich nach reiflicher Überlegung dagegen entschieden, ein altes Spinnrad, also einen Dachbodenfund o.ä. zu kaufen. Als blutiger Anfänger hatte ich absolut keine Ahnung von Spinnrädern. Ich habe mich nicht in der Lage gesehen, zu beurteilen, ob ich mit dem Ding wirklich spinnen kann oder ob es nichts taugt oder evtl. sogar nur ein Dekorad ist. Deswegen habe ich ein modernes Spinnrad gekauft. Die Dinger sind ganz schön teuer, daher lohnt es sich, auf eBay Kleinanzeigen oder einem ähnlichen Portal Ausschau nach gebrauchten modernen Spinnrädern zu halten. Ich habe ein Spinnrad der Marke Rens + Smits geschossen, das für Anfänger super geeignet ist. Mit den richtigen Anleitungen und Spinnvideos für Anfänger hat es nicht lange gedauert, bis ich damit einen gleichmäßigen Faden spinnen konnte. Eine Freundin von mir spinnt mit einem Ashford Traditional und ist damit auch sehr zufrieden.

Wolle spinnen mit dem Spinnrad

Mit dem Spinnrad spinnen für Anfänger

Wenn du noch nie gesponnen hast, können die ganzen Begriffe und die unterschiedlichen Aufbauten von Spinnrädern ganz schön verwirrend sein. Es gibt aber gute Videos auf YouTube, die mir bei der Wahl meines Spinnrads und vor allem bei den ersten Schritten sehr geholfen haben. Im Grunde zieht beim Spinnen eine Hand den Faservorrat zu einem dünnen Strang aus und die andere gibt diesen Strang dem Spinnrad frei. Solltest du noch nie gesponnen haben, kannst du dir darunter vermutlich nicht viel vorstellen. In Videoform lässt sich das viel besser erklären, also schau doch mal in dieses Video rein, da findest du gute Tipps, um als Anfänger spinnen zu lernen:

Verzwirnen

Hast du zwei Spulen vollgesponnen, solltest du die beiden Fäden als zu einem Garn verzwirnen. Dadurch wird das Garn stabiler und der Drall, der auf den beiden Garnen ist, gleicht sich aus. Das Verzwirnen geht viel schneller als das Spinnen, auch wenn es nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert. Du knotest die Enden deiner beiden Garne an den Anfangsfaden der leeren Spule und verzwirnst die beiden vollen Spulen nach und nach zu einem Garn, das sich auf die leere Spule aufwickelt. Wichtig ist, dass du beim Verzwirnen in die entgegengesetzte Richtung spinnst, also dass sich das Rad in die andere Richtung dreht als beim Spinnen. Das so entstandene Garn wickelst du entweder auf eine Haspel oder (falls du keine besitzt) um die Lehne eines Stuhles oder die Beine eines umgedrehten Hockers. Dort bleibt das Garn mindestens 24 Stunden lang – das hilft, später ein ausgeglichenes Garn zu haben. Die Fasern erinnern sich nämlich noch daran, wie sie ursprünglich gelegen haben, und wollen in diese Form zurückkehren. Sie straff aufzuwickeln, hilft ihnen, sich an die neue Faseranordnung zu gewöhnen. Anschließend braucht das Garn ein Entspannungsbad. (Ja, du hast richtig gelesen.)

Entspannungsbad

Das Entspannungsbad ist sehr wichtig, wenn du das Garn verhäkeln oder verstricken möchtest. Beim Baden zeigt sich nämlich, ob das Garn etwas taugt: Es ist besser, das Garn läuft jetzt ein oder kräuselt sich, als wenn du die ganze Arbeit des Strickens oder Häkelns hineinsteckst und dein neu angefertigtes Kleidungsstück beim ersten Waschen wellig wird oder einläuft. Das willl man nämlich wissen, bevor man viel Arbeit in ein Stück steckt, das man hinterher nicht anziehen will.

Für das Entspannungsbad gibst du deine Wollstränge in einen Topf mit heißem Wasser. Kein kochendes Wasser, sondern nur so warm, dass du die Wolle noch mit den Händen runterdrücken kannst, ohne dich zu verbrennen. Du drückst die Garne jetzt so lange, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen. Wirklich nur vorsichtig drücken, ansonsten kann die Wolle verfilzen.

Wolle spinnen mit dem Spinnrad Wolle waschen

Nach zehn Minuten Wartezeit kannst du die Wolle vorsichtig ausdrücken und in ein Handtuch einwickeln, das du hin- und her rollst, sodass das Wasser von den Garnen an das Handtuch abgegeben wird. Anschließend einfach zum Trocknen aufhängen.

Zum Knäuel wickeln

Ist die Wolle trocken, solltest du sie vor dem Stricken oder Häkeln zu einem Knäuel aufrollen, ansonsten gibt’s ein dickes fettes Kuddelmuddel. Ein Knäuel zu wickeln ist nicht schwer, ich mache immer eine einfache Kugel. Eine Anleitung zum Knäuel-Wickeln findest du hier.

Stricken, Weben, Häkeln

Jetzt kann’s losgehen. Such dir ein schönes Strickmuster heraus, bau deinen Webstuhl auf oder starte ein Häkelprojekt. Auf meiner Pinterest-Pinnwand zum Thema Selbstversorgung mit Kleidung sammle ich Ideen und Inspirationen zum Stricken, Häkeln, Weben und Filzen. Schau doch mal vorbei!

Wolle spinnen mit dem Spinnrad Stricken

Spinnst du auch? Oder hast du Lust, damit anzufangen? Welches Spinnrad benutzt du und bist du damit zufrieden? Was ist deine Lieblingswolle?
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2 Kommentare

  1. Ja herrlich, da hat Chanti ja schon wieder dabei geholfen eine Wollkünstlerin auszubilden! 😀 Ja, spinnen ist ein großartiges Hobby und gerade im Herbst/Winter geht für mich wenig über vernünftige Wollkleidung. Begonnen habe ich mit dem Spinnen 2013 mit einem Henkys Spinnrad aus der Uckermark, ein Hochzeitsgeschenk meines Mannes. Mittlerweile spinne ich aber doch eher auf einem „Kiwi“ von Ashford. Handspindeln sind irgendwie nicht so meins, auch wenn ich verschiedene ausprobiert habe… Das ist mir einfach zu viel Gefummel 🙂
    Im Moment fabriziere ich an die 200g Garn aus Merinowolle und Seide, was für Pullover und Schals ganz gut geeignet ist. Sie kratzt nicht und kann in der Waschmaschine gewaschen werden. Allerdings weiß ich noch nicht wirklich was ich damit anstellen werde. Kannst du zufällig eine schöne, einfache Anleitung für Pullover empfehlen? Ich habe erst zwei Pullover gestrickt, und so richtig der Hammer waren die nicht.

    Sehr dankbar bin ich dir für die Tipps zu bedrohten Schafrassen, weil ich demnächst ja gern Schafe halten würde und immer noch am Überlegen bin, welche Rasse da wohl geeignet wäre… Eine Weile war ich auf Gotlandschafe aus, bin mir aber doch noch nicht so 100% sicher.
    Kennst du Ravelry? Da könnte man mal nachfragen ob jemand einen Shop mit Rotkopfschafwolle kennt. Du findest mich dort auch unter dem Namen „Hinterwaeldler“.

    Liebe Grüße!
    Marie

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