Ziegen halten
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Wie du dich auf deine ersten Ziegen vorbereitest – Teil 2

Ziegen halten Anfänger

Pssst: Falls du den ersten Teil noch nicht gelesen hast, bitte hier entlang. Dort geht es nämlich um die Grundausstattung zur Ziegenhaltung, wie den richtigen Stall oder die unterschiedlichen Zäune.

Heute, im zweiten Teil, geht es mit dem Zubehör weiter, das du parat haben solltest, bevor deine ersten Ziegen einziehen:

Klauenpflege

Ziegen muss man regelmäßig die Hufe schneiden. Du brauchst also mindestens eine Klauenschere, ein Klauenmesser und ein Desinfektionsspray, falls du aus Versehen den Huf einer Ziege verletzt.

Ich schwöre auf diese diese Klauenschere, auch wenn ich andere habe, die wesentlich teurer waren. Mit ihr kann man auch harte Klauen sehr gut schneiden und die Klinge ist schmal genug, um in alle Ecken zu kommen. Ansonsten kannst du auch eine Rosenschere verwenden.

Was das Messer angeht, gibt es spezielle Hufmesser, aber du kannst auch ein anderes Messer nehmen, solange es scharf und stabil genug ist.

Ziegen halten für Anfänger

Pinn mich!

Lecksteine

Ziegen brauchen Mineralien. Ich bin manchmal so ein Sturkopf, der meint, dass sie in der Natur ja auch keinen Leckstein hätten und warum ich ihnen dann einen zur Verfügung stellen soll. Fakt ist aber, dass unsere Ziegen nicht so leben wie in der Natur, und wenn wir ihnen noch so viel Freiheit ermöglichen. Einige Mineralien und Spurenelemente würden sie anders nicht bekommen.

Allerdings sind nicht alle Lecksteine für Ziegen geeignet. Lecksteine für Schafe enthalten beispielsweise zu wenig Kupfer, die für Pferde oft zu viel. Leider habe ich zurzeit keinen Tipp für einen Leckstein, der gut geeignet wäre. Der Leckstein, den ich in den letzten Jahren benutzt habe, ist von der Zusammensetzung auch nicht optimal und es ist gar nicht so leicht, einen passenden Leckstein zu finden. Wenn jemand eine Empfehlung hat, her damit!

Warum die meisten Eimer nichts taugen

Als ich angefangen habe, Ziegen zu halten, gab es eine Sache, die mich richtig aufgeregt hat. Meine Ziegen haben jeden Tag (!) ihren Wassereimer umgeworfen und den Stall überschwemmt. Alternative Sportart: ins Wasser kötteln, auch sehr beliebt. Ich habe den Eimer festgebunden, habe ihn in einen Autoreifen gestellt, einen schweren Stein darin versenkt – die Ziegen haben es jedes Mal geschafft, ihn umzurammeln. Ich hatte keine Ahnung, wie ich sie davon abhalten sollte.

Irgendwann war ich dann im Pferdestall von meiner Schwester und habe gesehen, wie sie es macht. Sie hatte einen wahnsinnig coolen halbrunden Eimer, den man mit zwei Haken an der Wand einhängen konnte. Meine Schwester meinte, dass sie solche Eimer schon jahrelang benutzt. Und ich hatte keine Ahnung, dass es so etwas gibt.

Tja, aber seitdem habe ich selbst mehrere davon und das Problem mit dem Wasser ist gelöst. Die Ziegen können den Eimer nicht mehr umschmeißen und ich kann ihn so hoch hängen, dass sie noch nicht einmal mehr reinkötteln könnten, wenn sie Anlauf nehmen und zielen würden.

Gute Ziegenbücher

Kein Blogartikel oder Ziegenforum kann ein gutes Ziegenbuch ersetzen. Es ist immer gut, ein Nachschlagewerk zu haben, falls mal etwas passiert oder Fragen aufkommen, zu denen man die Meinung von einem Experten hören will. (Und nicht von einer komischen Ziegentussi aus dem Internet.)

Meine Ziegenbücher-Bibliothek hier auszubreiten, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, deswegen findest du hier einen eigenen Blogpost über die besten Ziegenbücher, die ich kenne. (Und ich kenne sie alle. ;) )

Melkutensilien für Milchziegen

Wir haben diesen Sommer zum ersten Mal gemolken. Vorher hatten wir immer nur Fleischziegen, die nicht genug Milch geben, als dass es sich lohnen würde, sie zu melken. Aber dann ist Curry eingezogen, die Milchziege von einer Freundin, und ich habe endlich melken gelernt. Joghurt und Käse selberzumachen ist wirklich toll!

Ziegen halten Anfänger

Leider gibt Curry jetzt keine Milch mehr und ich versuche seit Monaten, meinen Freund zu überreden, dass ich mir Thüringer Waldziegen kaufen und dieses Jahr wieder melken kann. Bisher konnte ihn aber noch nicht einmal meine Ziegenkäsequiche mit Thymian und Honig überzeugen.

Ziegen kann man eben nur lieben oder hassen und ganz rational betrachtet kann ich gut verstehen, warum er lieber nicht noch mehr Ziegen halten möchte. Aber ich bin nunmal ziegensüchtig. So schnell gebe ich also nicht auf! Was das Thema angeht, bin ich selbst eine sture kleine Ziege. ;)

Hehe, ich könnte mich stundenlang darüber empören, also schnell zurück zum Thema:

Wenn du auch melken willst, gibt es verschiedene Dinge, die du dir zulegen könntest. Einen Melkstand zum Beispiel, ein Zitzendesinfektionsmittel, einen Melkeimer oder Filter, um die Milch von Schmutz zu befreien. Wir haben nichts dergleichen gehabt und es hat auch so funktioniert. Gemolken wurde – super professionell – in alte Apfelsaftflaschen und zum Filtern habe ich ein Abseihtuch verwendet.

Langfristig würde ich vielleicht schon einen Melkstand bauen und mir mehr Zubehör zulegen, aber es geht definitiv auch ohne. Das einzige, was wir uns gekauft haben, waren Lab und Käsekulturen. Und selbst die kann man sich sparen, wenn man zum Käsemachen Kefirknollen verwendet.

Ziegen natürlich entwurmen

Ziegen haben Würmer. Immer. Das ist erstmal nicht schlimm, solange es nicht zu viele sind. Dann können Würmer zu einem lebensbedrohlichen Problem werden. Deswegen ist es wichtig, Ziegen regelmäßig zu entwurmen. Wir machen das jeweils im Herbst und im Frühjahr und verwenden dafür natürliche Entwurmungsmittel. Falls dir das zu riskant ist, kannst du natürlich auch chemische Mittel vom Tierarzt nehmen.

Wichtig ist nur, dass du vorher und hinterher eine Kotprobe vom Tierarzt analysieren und den Wurmbefall überprüfen lässt. (Das kostet nur ein paar Euro.) Vorher deswegen, weil du nicht entwurmen solltest, wenn du nicht musst, und nachher, um zu schauen, ob die Entwurmung erfolgreich war.

Wenn du weißt, welche Wurmarten deinen Ziegen zu schaffen machen, kannst du außerdem ganz gezielt gegen sie vorgehen. Das ist viel schonender, als blind mit der Rundum-Keule zu entwurmen.

Hol dir deine Checkliste

 

So, und jetzt wünsche ich dir viel Spaß mit deinen Ziegen! Wenn du magst, lade dir doch meine Checkliste herunter. Da habe ich die gesamte Ausrüstung übersichtlich für dich gegliedert, sodass du die einzelnen Punkte abhaken kannst. Und als kleinen Bonus gibt’s noch eine Übersicht zu allem, was du in deiner Stallapotheke haben solltest.

Trag dich hier ein, dann bekommst du die Checkliste kostenlos per Mail zugeschickt:

Ich hoffe, ich habe dir mit meinem Artikel weiterhelfen und dich deinen Ziegen ein Stückweit näherbringen können. Falls du noch Fragen hast oder Themenvorschläge für weitere Ziegen-Artikel, schreib das gerne in die Kommentare. Und erzähl mal von deinen Ziegenplänen! :)

Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Das heißt, dass ich eine kleine Provision erhalte, wenn du über diesen Link einkaufst. Du zahlst dafür keinen Cent extra. Natürlich verlinke ich nur Produkte, die wir selbst verwenden und von denen ich glaube, dass sie dir weiterhelfen. Über diese Links einzukaufen, ist ein Weg, wie du diesen Blog unterstützen kannst. Danke an alle, die das machen!

Kategorie: Ziegen halten

von

Hi, ich bin Marie. Leidenschaftliche Gärtnerin, Mutter eines fünfjährigen Sohnes und auf dem Weg in ein einfaches und natürliches Leben. Auf meinem Blog dreht sich alles um das Thema Selbstversorgung: vom Gemüsegarten über Tierhaltung oder das Haltbarmachen der eigenen Ernte. Viel Spaß beim Stöbern!

18 Kommentare

  1. Pingback: Wie du dich auf deine ersten Ziegen vorbereitest - Teil 1 - Wurzelwerk

  2. Die Klauenschere guck ich mir mal genauer an. Ich habe von Felco. Wäre super, wenn der Rollgriff nicht wär. So liegt sie leider nicht gut in meiner Hand. Meinem Mann passt sie super, nur Klauen schneide halt ich. Nochmal 50€ möchte ich nicht invetieren. Aber deine könnt ich mal ausprobieren :)
    Mein liebstes Ziegenbuch ist übrigens das “Ziegen” von Ulrich Jaudas. Ich war vor Jahren auf einem mehrtägigem Seminar von ihm und sehr begeistert. Er hat ein echt mächtiges Wissen, was Geißen angeht :D

    Liebe Grüße
    Helena

    • Marie sagt

      Hallo Helena!
      Die Felco-Schere mag ich auch nicht… Vor allem, weil sie mir viel zu groß ist, aber der Rollgriff ist auch gewöhnungsbedürftig. Probier die andere Schere mal aus, die ist super! :)
      Viele Grüße,
      Marie

  3. Hallo Marie,
    toller Artikel, wunderbarer Blog, Danke! Ziegen sind intelligente, selbstbewusste Mitgeschöpfe, liefern uns Milch für leckere Produkte – und ind auch noch sanft, zärtlich und super anhänglich! Wenn ich es endlich schafffe, das Grundstück gegenüber vor einer Bebauung zu retten und zu pachten, werde ich Deine Ziegen-Checkliste runterladen und dort Ziegen ansiedeln! ;-) Toll zu sehen, dass immer mehr Menschen Permakultur entdecken und sich vernetzen! Vielleicht können wir das in Zukunft ja auch einmal tun? – (Unsere Blogs verfolgen, wie ich gerade entdeckt habe, ähnliche Ziele!) Viele liebe Grüße aus dem Raum Lüneburg und weiterhin viel Erfolg für Dein/Euer Projekt !
    Ben

    • Marie sagt

      Hallo Ben!
      Dankschön! Dann drücke ich dir mal die Daumen, dass das klappt mit den Grundstück!
      Ich freue mich, von dir zu hören. :)
      Viele Grüße,
      Marie

  4. Benjamin Bilgeri sagt

    Hallöchen hab mal eine Frage. Wie sauber fressen deine Ziegen die Wiese ab? Danke im voraus :)

    • Marie sagt

      Hey!
      Das kommt darauf an, in welchem Zustand die Weide ist, wenn ich die Ziegen daraufstelle. Bei ganz frischem, jungem Gras fressen sie alles gut ab, aber wenn das Gras schon etwas höher ist, muss ich nachmähen.

      • Michael sagt

        Welche Ziegenarten sind für einen Selbstversorgerhof zu empfehlen? Eine Mischung aus Fleisch – / Milch – und Wollziegen?

        Freue mich schon auf die Buchempfehlung.

        • Marie sagt

          Wollziegen zu halten, ist in unserem Klima schwierig, denen ist es hier oft zu nass. Und sie geben nur sehr wenig Wolle, da würde ich besser ein paar Schafe halten. Aber es gibt tolle Rassen, die sowohl viel Milch geben, als auch gut Fleisch ansetzen, zum Beispiel Thüringer Waldziegen. Ansonsten kann man auch zwei verschiedene Rassen halten. Ich habe Burenziegen, das sind reine Fleischziegen, die sehr kräftig werden. Typische Milchziegenrassen sind die braune und die weiße deutsche Edelziegen, aber die sind sehr viel empfindlicher als Rassen, die nicht so hochgezüchtet sind. Ich denke, eine robuste Zweinutzungsrasse wie die Thüringer Waldziege ist die beste Wahl.

  5. Ich bin so unglaublich froh das ich deinen Beitrag gefunden habe. Denn es gibt einfach gar nichts über Ziegen. Ich hatte bis Februar 2018 eine Ziege. Und wurde dadurch zur Zigenvernatigerin. Jetzt möchte ich wieder mindestens zwei. Wollte mich nur dieses mal echt besser informieren und muss feststellen das ich echt einiges Falsch gemacht habe. Allerdings konnte ich ihr noch ein paar schöne Jahre schenken, denn ohne mich wäre sie warscheindlich schon früher gestorben.

    Mfg Maria

  6. Anja sagt

    Ich halte seit mehreren Jahren Ziegen und ich bin ebenfalls ein Fan. Doch für schwache Nerven sind Ziegen nichts. Und man kann gar nicht genug betonen, wie sicher die Zäune sein müssen. Ziegen sind ja eigentlich keine reinen Grasfresser. Unsere Ziegen haben 60 ha. Wald, Buschland, Weidegras. Sie fressen ca. 50 % Gras und 50 % “Busch”. Dazu kommt, dass sie eben sehr eigen sind. Bietet man ihnen etwas an, lehnen sie dankend ab, finden sie es in Deinem Garten, wird es zur Lieblingsspeise erkoren. Außerdem fressen sie gern die Rinde von Bäumen, die dann eingehen können.

    Außerdem würde mich mal interessieren, wie Ihr Eure Ziegen im Stall über so lange Zeit haltet ohne dass die sich aufspießen. Meine 7 haben einen Offenstall, den ich in begehbare “Abteilungen” geteilt habe, denn verträglich sind die untereinander nicht. Die reinsten Zicken. Und bei schlechtem Wetter dulden sie schon mal hoheitsvoll, dass eine andere etwas näher steht. Ansonsten liegt jede auf Abstand zur anderen. Und wenn die Chefzicke aufsteht, kommt Unruhe auf. Deshalb habe ich “Ecken” mitten im Stall gebaut, wo sie mehr Sicherheit haben und nicht gleich mit aufstehen müssen.

    Als Kuriosität: Wir haben eine Burenziege, die war mal so klein und niedlich. Heute ist sie ein mächtiger Brummer. Sie bekam schnell ein Euter, aber NIE ein Jungtier. Ich melke sie seit 3 Jahren mit einmal 3 Monaten Unterbrechung dazwischen, weil sie nur noch wenig Milch hatte, aber die kam wieder. Sie gibt einen halben bis einen ganzen Liter pro Tag. Ich melke sie nur einmal am Tag. Aber außerdem entpuppte sie sich als Zwitter. Sie ist der Chef”bock” im Haus. Sie benimmt sich wie ein ein waschechter Bock mit allem was da an Getue und Geräuschen und Aufritten (mit baumelndem Euter) dazugehört.

    Wenn ich Jungtiere möchte, dann binde ich sie nachts an, dann kann der Bock seine Arbeit tun. Wenn ich länger melken möchte, dann würgt sie den Bock ab, denn gegen ihre Masse ist der machtlos und sie ist genauso hartnäckig wie er. Aber ansonsten ist sie eine ganz Liebe und auch nicht ganz so zickig wie ihre Weiberschar.

    Und mal ein Tipp: Letztens hatte der Bock einen Riesenkropf bekommen. Ich habe ein bisschen Jod auf die Ohrlappen, dort wo keine Haare sind, raufgetan und der Kropf wurde schnell kleiner. Alle 4 Tage habe ich das wiederholt, 3mal insgesamt. Alles wieder gut.

    Unsere Ziegen leben völlig frei. Wo wir leben gibt es keinen Tierarzt, deswegen müssen wir alles selbst behandeln usw. und da kriegt man natürlich auch Erfahrung mit der Zeit.

    So, das war mein Sermon mal dazu, denn Ziegen sind wirklich ganz einmalig. Persönlichkeiten durch und durch und gerade deshalb so liebenswert.

    Liebe Grüße
    Anja

    • Marie sagt

      Wow, danke für die vielen Tipps! Das mit der Burenziege ist ja wirklich seltsam! :D
      Wir lassen die Ziegen wann immer es möglich ist nach draußen, nur wenn hoch Schnee liegt und die Elektrozäune lahmlegt, werden sie ganz eingesperrt, deswegen sind sie auch im Stall relativ verträglich untereinander. Vielleicht liegt das aber auch nur daran, dass die meisten unserer Ziegen schon alte Damen sind, die nicht mehr ganz so arg auf Raufereien aus sind.
      Viele Grüße zurück!
      Marie

  7. Anja sagt

    Mir ist noch was eingefallen, was vielleicht Anfängern helfen könnte: Oft werden Zicklein geboren, die haben weiche krumme Fesseln. Dem ersten Zicklein hatten wir kleine aufgeschnittene halbfeste Plasteröhren um die Fesseln gemacht. Das hat zwar geholfen, ist aber doch nervig für Mensch für Tier. Nun achte ich darauf, dass diese Zicklein von Anfang viel auf festem Untergrund laufen, damit sich die Sehnen straffen. Wir haben hier viele Termitenhügel, die sind bestens geeignet, aber auch viele Findlinge. Ziegen klettern automatisch auf diese Hügel und egal, wie krumm die Beine waren, sie werden perfekt.

    Nach dem Melken wische ich über jede Zitze kurz mit einem kleinen Aloestückchen zur Desinfektion. Für jede Ziege nehme ich ein anderes.

    Liebe Grüße und ein toller Blog ist das!

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