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Charles Dowdings beste Tipps zum Gärtnern ohne Umgraben

Charles Dowding

Heute habe ich mal wieder einen besonderen Gast auf dem Blog: Charles Dowding, Autor von neun hervorragenden Gartenbüchern, YouTuber und Experte im Gärtnern ohne Umgraben.

Und genau darum soll es heute auch gehen. Wenn du meinen Blog schön länger liest, weißt du vielleicht, dass wir unseren Garten nicht umgraben und davon sehr begeistert sind.

Und weil diese Garten-Methode so gut funktioniert, habe ich mir den „Nicht umgraben“-Held schlechthin ins Boot geholt und mit Fragen gelöchert.

Ich will, dass jeder, der dieses Interview liest, so viel konkretes Wissen mitnimmt wie möglich, sodass er bei sich zuhause loslegen und die Tipps gleich umsetzen kann. Und Charles hat einen exzellenten Job abgelegt, seine Tipps sind nämlich richtig, richtig gut. Viel Spaß beim Lesen!

Charles Dowdings beste Tipps zum Gärtnern ohne Umgraben: Kaum noch Unkraut, weniger gießen und kein Rückenweh mehr vom Umgraben - Es lohnt sich, ohne Umgraben zu gärtnern. In diesem Artikel erfährst du alles, was du wissen musst, wenn du in deinem Biogarten auf's Umgraben verzichten möchtest. #Gemüsegarten #Wurzelwerk #Garten

Merk dir diesen Artikel auf deiner Gartenpinnwand!

Marie: Hallo Charles! Wie schön, dass du hier bist! Warum erzählst du nicht erstmal ein wenig von dir, deinem wunderschönen Garten und wieso du deine Beete nicht umgräbst?

Charles: Hallo! Danke, dass ich hier sein darf, ich freue mich auf das Interview!

Ich bin Charles Dowding und ich begärtnere einen 1000 m2 großen Garten im Südwesten Englands. Wir haben dort ein mildes, gemäßigtes Klima, ungefähr wie in Norddeutschland.

Ich grabe meine Beete seit 36 Jahren nicht mehr um, weil das enorme Vorteile mit sich bringt, zum Beispiel wächst bei mir kaum Unkraut, wodurch ich viel weniger jäten muss. Das ist eine immense Zeitersparnis!

Wenn man nicht umgräbt, ist das Gärtnern in allen Bereichen so viel einfacher. Die Beete halten zum Beispiel Feuchtigkeit viel besser, sodass ich weniger gieße.

Anders als Marie verkaufe ich auch Gemüse, mein Garten ist nämlich auch ein „Market Garden“. Von meinen 1000 m2 ernte ich jedes Jahr Gemüse im Wert von über 20.000 Euro, das ich an Restaurants und lokale Geschäfte verkaufe.

Der Garten ist also außerordentlich produktiv. Obendrauf bauen wir Gemüse für uns selbst an und für die Kursteilnehmer, die zu uns auf den Hof kommen.

Beete anlegen ohne Umgraben

Marie: Wir gärtnern nach einer sehr ähnlichen Methode wie du und ich kann nur unterstreichen, was für eine riesige Arbeitserleichterung es bedeutet, wenn man seine Beete nicht umgräbt. Wenn man ein Beet nach deiner Methode anlegt, zum Beispiel auf einer Wiese, wie geht man da vor? Gib uns eine Schritt-für-Schritt-Anleitung!

Charles: Das Hauptproblem, das man hat, wenn man ein neues Beet auf einer Wiese anlegt, sind Unkräuter. Es ist also sehr wichtig, dass man da hinterher ist und seine Beete so anlegt, dass kein Licht mehr an das darunterliegende Gras gelangt.

Ich mache das, indem ich den Boden mit Pappe auslege. Alte Pappe – das ist so eine einfache Sache, die du an jeder Ecke bekommst! Du legst die Pappe auf das Gras, sodass die Pflanzen absterben, weil sie kein Licht mehr bekommen.

Die Pappe verrottet nach und nach und dann würden einige Unkräuter trotzdem wieder wachsen, aber da kommt der Kompost ins Spiel. Wenn du Pappe auslegst und dann 10 cm dick Kompost darauf verteilst, tötest du auch die meisten hartnäckigen Unkräuter ab.

Das Schöne daran ist, dass man in ein solches Beet sofort pflanzen oder säen kann, auch wenn das Gras unter dem Kompost noch nicht tot ist. Man kann also sofort loslegen.

Marie: Ich habe letztens gelesen, dass Recycling-Pappe schädliche Stoffe enthalten könnte, das ist noch nicht ganz erforscht. Hast du davon schonmal gehört und hast du auch schon andere Materialien ausprobiert, die man statt der Pappe verwenden könnte?

Charles: Ich denke, dass es wichtig ist, dass man zwischen Jahr eins und den darauffolgenden Jahren unterscheidet. Ich benutze die Pappe nur im ersten Jahr. In jedem weiteren Jahr, das können fünfzig Jahre sein, kommt keine Pappe mehr auf die Beete. Das halte ich für sehr vertretbar.

Wir leben in einer unperfekten Welt und es gibt nicht immer eine perfekte Antwort. Die kleine Menge, die in der Pappe enthalten sein könnte, ist nichts im Vergleich zu den Giftstoffen, denen wir Tag für Tag ausgesetzt sind. Es sind Giftstoffe im Regen, der fällt, und überall um uns herum. Deswegen mache ich mir wegen dieser dünnen Pappeschicht keine Sorgen.

Aber alle, die keine Pappe verwenden möchten, können sie auch weglassen und stattdessen mehr Kompost ausbringen. Dann hat man einfach ein paar mehr Unkräuter in seinem Garten. Oder man macht es wie Marie und mulcht die Beete anschließend mit Hackschnitzeln, was auch gut gegen Unkräuter hilft. Das Prinzip ist dabei genau das gleiche.

Kompost selbst herstellen oder kaufen?

Marie: Genau! Um Beete nach dieser Methode anzulegen, braucht man eine Menge Kompost, mehr als die meisten Gärtner*innen selbst herstellen können. Wo kaufst du deinen Kompost und worauf achtest du dabei in Bezug auf die Qualität des Kompostes?

Charles: Ich habe Versuche gemacht, bei denen ich ein Beet umgegraben habe und eins nicht und dabei ist herausgekommen, dass man nicht mehr Kompost braucht, wenn man ohne Umgraben gärtnert.

Gemüsepflanzen lieben Kompost und die effizienteste und günstigste Art, Gemüse anzubauen, ist, indem man ihnen genug Kompost zur Verfügung stellt. Vergiss Dünger, ich dünge meine Pflanzen abgesehen vom Kompost überhaupt nicht. Nichts, keine anderen Zusätze, nur Kompost, einfacher geht’s nicht.

Wenn es darum geht, genug Kompost zu bekommen, ist erstmal klar, dass man so viel wie möglich selbst herstellen sollte. Ich fülle meine Komposthaufen oft mit Abfällen, die ich von Nachbarn bekomme, altem Laub und Schnittgut oder Kaffeesatz von einem lokalen Café. Da ist so viel Abfall um uns herum, den wir nutzen können.

Und obendrauf kaufe ich Kompost, bei uns kann man Grünschnittkompost oder Pilzkompost in Kompostierungsanlagen kaufen. Oder alten Kuhmist von Höfen in der Region. Oder Pferdemist, es gibt so viele Möglichkeiten.

Marie: Wenn du zu einer Kompostierungsanlage gehst und dir den Kompost anschaust, worauf achtest du da? Wie beurteilst du, ob der Kompost gut ist?

Charles: Ich achte vor allem darauf, dass der Kompost fein gesiebt ist. Und bei Grünschnittkompost schaue ich auch, dass nicht zu viele Plastikstücke im Kompost gelandet sind. Wenn man nachfragt, sieben sie dir den Kompost manchmal feiner. Dann hast du nicht mehr so viele Plastikstücke und grobe Stöckchen in deiner Komposterde.

Bei Mist achte ich darauf, dass das Ganze mindestens ein Jahr lang abgelagert ist. Der Mist sollte eher dunkel sein und nicht zu grobe Stücke enthalten. Pferdemist ist besser, wenn der Stall mit Stroh statt mit Holzspänen eingestreut wurde.

Letzte Zweifel?

Marie: Angenommen, jemand, der seinen Garten seit Jahren umgräbt, liest dieses Interview und überlegt, ob er oder sie das Ganze ausprobieren soll, ist aber noch etwas skeptisch. Was würdest du demjenigen sagen?

Charles: Es gibt es mittlerweile so viele Menschen, die großartige Gärten angelegt haben ohne umzugraben und die von den Resultaten absolut begeistert sind. Alleine auf Social Media gibt es dazu weltweit so viele Beiträge. Das würde ich mir definitiv anschauen, das würde mich nämlich sehr ermutigen und das ist der beste Beweis dafür, dass das alles wirklich funktioniert.

Marie: … Oder derjenige sollte sich Bilder von deinem Garten anschauen, der sieht einfach perfekt aus! Wenn das keine Ermutigung ist!

Charles: Dankeschön! Und die Hürde, loszulegen, ist nicht besonders groß. Wenn man schon einen Garten mit etablierten Beeten hat, kann man auf die Pappe komplett verzichten. Einfach die gröbsten Unkräuter jäten, Kompost ausbringen und das war’s, das ist alles, was es braucht, um loszulegen.

Fehler beim Gärtnern ohne Umgraben?

Marie: Was ist der häufigste Fehler, den Gärtner*innen machen, die auf’s Umgraben verzichten?

Charles: Viele Leute haben das Bedürfnis, den Boden doch noch ein wenig zu bearbeiten, und arbeiten den Kompost ein. Davon würde ich wirklich abraten, der Kompost sollte oben auf dem Erdboden aufliegen und der Boden überhaupt nicht mehr bearbeitet werden.

Die meisten Fehler begehen deswegen gar nicht die blutigen Anfänger, sondern diejenigen, die schon mehr Erfahrung im Gärtnern haben, weil sie ein paar Dinge verlernen müssen, von denen sie glaubten, dass sie notwendig wären.

Weiterlernen!

Marie: Dankeschön, dass du deine Erfahrungen mit uns geteilt hast! Wo findet man mehr Infos über dich und deine Art zu gärtnern?

Charles: Gerne! Ich habe verschiedene Bücher geschrieben, ich habe einen YouTube-Kanal und wir sind gerade dabei, einen Garten-Onlinekurs zu erstellen, genau wie Marie auch, der im Frühjahr herauskommt. Eine andere Möglichkeit sind die vielen Gruppen zum Gärtnern ohne Umgraben, die es mittlerweile auf Facebook gibt. Da gibt es so viele Menschen, mit denen man Erfahrungen austauschen kann und die einem bei Fragen weiterhelfen.

Marie: Hast du selbst eine Facebookgruppe?

Charles: Nein, aber meine Partnerin Steph hat eine, die Gruppe heißt „No Dig Gardening – Undug“. Das Schöne daran ist, dass dort sehr viele Menschen so viel Wissen teilen, man lernt so viel!

Marie: Das werde ich verlinken, danke, Charles!

Charles: Es war mir ein Vergnügen!

Kategorie: Garten, Interviews

von

Hi, ich bin Marie. Leidenschaftliche Gärtnerin, Mutter eines fünfjährigen Sohnes und auf dem Weg in ein einfaches und natürliches Leben. Auf meinem Blog dreht sich alles um das Thema Selbstversorgung: vom Gemüsegarten über Tierhaltung oder das Haltbarmachen der eigenen Ernte. Viel Spaß beim Stöbern!

12 Kommentare

  1. Katharina sagt

    Hallo Marie,
    Bedeutet ohne umgraben auch ohne Lockerung? Ich habe meine Beete im letzten Frühjahr angelegt und wollte im kommenden den Boden lockern, indem ich mit einer Grabegabel in den Boden steche und dann hin und her wackele. Der Boden wird dabei nicht gewendet. Kann ich mir die Arbeit also sparen? Und wie viel Kompost soll jedes Jahr neu auf die Beete?
    LG

    • Marie sagt

      Hallo Katharina,
      was das Lockern angeht, haben Charles und ich jeweils unterschiedliche Ansichten. Ich benutze sehr gerne Doppelgrabegabeln um den Boden tiefgründig zu lockern, ohne ihn zu wenden, genau wie du, Charles hingegen hält das für unnötig bzw. hat Experimente gemacht, bei denen die Pflanzen in nicht gelockertem Boden besser gewachsen sind. Das muss wohl jeder für sich selbst herausfinden. Ich bin jedenfalls ein großer Grabegabel-Fan. :-)
      Wir verteilen nach der einmaligen Kompostgabe beim Beet-Anlegen nur noch alle paar Jahre etwas Kompost auf den Beeten, Charles verteilt jedes Jahr vier Zentimeter Kompost im Herbst auf allen Beeten.
      Viele Grüße!
      Marie

  2. Was macht man denn mit den Schwachzehrern? Man sagt doch, dass bspw. Salat mit so vielen Nährstoffe nicht klar kommt.

    • Marie sagt

      Der allermeiste Kompost enthält nicht besonders viel Stickstoff, da muss man sich auch bei Schwachzehrern keine Sorgen machen. Ich dünge Starkzehrer sogar noch zu, aber ich verwende auch nicht so viel Kompost wie Charles.

  3. Hallo Marie,

    ein wirklich schönes und informatives Interview. Charles Dowding kannte ich bisher noch nicht. Ich versuche schon seit Jahren andere davon zu begeistern, sich die unnötige Arbeit des Umgrabens zu sparen. Deswegen ist es schön zu wissen, dass es doch überraschend viele Mitstreiter gibt. Angeregt durch dein Interview werde ich mich demnächst mal mit den Werken und Methoden von Charles Dowding auseinandersetzen.

    Liebe Grüße, Laura

  4. Katharina sagt

    Hallo Marie,
    Danke, für die schnelle Antwort! Vielleicht muss man das Lockern von der Bodenbeschaffenheit abhängig machen? Der regelmäßige Anbau von Tiefwurzlern müsste den Boden ja lockern. Bei Sand kann ich mir das auch gut vorstellen, aber unser Lehmboden ist nach einem kräftigen Regen total verschlammt und dann müsste sich ja auch der Boden verdichten. Falls ich einen Denkfehler habe, weißt mich bitte darauf hin.
    GLG

  5. Nicole sagt

    Wow ich bin begeistert und werde es ab nächstes Jahr ausprobieren, soviel weniger Arbeit wenn das Umgraben nicht mehr gemacht werden muss ? Danke das Du neues Wissen mit uns teilst. GLG Nicole

  6. Liebe Marie, herzlichen Dank für Deinen so liebevollen und lehrreichen Blog.

    Wir leben seit vorigem Sommer auf einem 1,7ha großen ehemaligen Bauernhof, der 60 Jahre brach gelegen ist. Dementprechend ist aus dem Gemüse- und Obstgarten ein Urwald gewachsen, den wir achtsam ohne Traktor und Motorsäge urbar machen.
    Die große Herausforderung ist die Goldrute, die sich überall breit gemacht hat. Ich habe im Herbst begonnen, sie auszureißen – und hab mich dann geschlagen gegeben.
    Hast Du eine Idee, wie ich hier wieder Beete anlegen kann?

    Alles Liebe aus Österreich

    P.S.: Hier entstehe übrigens ein Garten der Genesung für alle, die neue Wege der Heilung gehen wollen.

  7. Julia sagt

    Hallo Marie, ich bin großer Fan von Dir und Charles Dowding und möchte in unserem neuen Garten auf der großen Wiese nun nach dieser Methode ein Gemüsebeet anlegen. Die Wiese ist allerdings völlig vermoost. Daher dachte ich, das Moos erst durch vertikutieren zu entfernen, bevor ich die Pappe auflege. Ich habe nämlich gelesen, dass besonders im Moos viele Schneckeneier nisten. Ist das sinnvoll auf diese Weise den Boden etwas aufzulockern und das Moos zu entfernen, oder überflüssig. Auch frage ich mich, ob man die Pappe wässern muss? Und kann man bereits im ersten Jahr wirklich alles anpflanzen? Auch Möhren? Viele Grüße Julia

  8. Matthias sagt

    Hallo Marie,

    ich bin gestern auf diesen Beitrag gekommen.
    Ich muss sagen es klingt einleuchtend und ich will das unbedingt probieren.
    Ich bekomme wahrscheinlich nächstes Jahr ein Feld mit knapp 2500 m2.
    Das beste wird dann sein, dass man sich das Feld als Wiese übergeben lässt, oder? Und dann mit der ausbringung von Pappe und Kompost und Mist beginnt. Kompost und Mist denke ich mir kann man sicherlich gut mischen.
    Ich muss da erst schauen was ich alles bekommen kann.
    Heuer jetzt im Frühjahr bzw. Sommer möchte ich dazu kleine Experimente im kleinen Stiel starten. Hierzu habe ich bereits fertige Gartenbeete zur Verfügung, diese werde ich einfach mit Kompost bedeken und dann einplanzen. Kann ich sofort einplanzen oder soll der Kompost ein paar Tage ruhen? Wie eng kann man die Gemüsesorten zusammensetzen? Ich möchte das gerne mit Tomaten, Paprika, Zucchini, Karotten, Salat, Zuckermais und Stangen/Buschbohnen probieren. Hast du dazu Erfahrungen bzw. nützliche links?
    Oben in einem Kommentar steht, dass Charles im Herbst ca. 4cm Kompost ausbringt. Wirklich nur im Herbst? Im Frühjahr wird dann nichts mehr ausgebracht?

    Vielen Dank schon mal für die Antwort.

    Schöne Grüße aus Tirol.

    Matthias

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