Einfaches Leben, Selbstversorgung
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Wenn Selbstversorgung zu viel Arbeit macht

Ich werde oft gefragt, ob es nicht unglaublich viel Arbeit macht, sich selbst zu versorgen. Manche Menschen können es sich nicht erklären, wieso ich stundenlang in meinem Garten schufte, wenn es das alles auch ganz bequem im Supermarkt zu kaufen gibt. Es scheint ein weit verbreitetes Bild zu sein, dass Selbstversorgung beschwerlich, hart und unbequem ist.

Auf der anderen Seite gibt es im Internet auch eine Menge Menschen, die einem weißmachen wollen, es sei super einfach, sich selbst zu versorgen, und dass man dafür quasi nichts tun müsse.

Meiner Erfahrung nach ist beides Unsinn.

Wie aufwändig deine Selbstversorgung ist, hängt stark davon ab, in welchen Bereichen du dich selbst versorgen willst:

  • Reicht es dir, einen Gemüsegarten zu haben, oder möchtest du auch Getreide, Öl, tierische Produkte, Medizin etc. selbst herstellen?
  • Machst du dein eigenes Feuerholz und bekommst dein Wasser über einen Brunnen oder eine Quelle?
  • Stellst du auch Alltagsgegenstände, Kleidungsstücke und andere Textilien her?
  • Woher beziehst du deinen Strom?

All das hat einen großen Einfluss darauf, wie aufwändig deine Selbstversorgung letztendlich ist, aber auch, wie autark und resilient du sein wirst. Fall nicht darauf herein, wenn jemand behauptet, du könntest all das ohne Weiteres erreichen. Es ist harte Arbeit. Aber es ist eine gute, erfüllende Arbeit und es gibt viele Möglichkeiten, sich die eigene Selbstversorgung möglichst leicht zu machen. Also lass dir auf der anderen Seite auch nicht einreden, es wäre unglaublich strapaziös, einen Garten zu bewirtschaften oder ein paar Hühner zu halten.

Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte und hängt stark davon ab, was du erreichen willst und wie die unterschiedlichen Elemente auf deinem Hof ineinandergreifen und voneinander profitieren. Ich möchte dir in diesem Artikel Tipps geben, wie du deine Selbstversorgung möglichst einfach gestalten kannst.

Mehrjährige Pflanzen

Ein Apfelbaum, ein Rosmarinstrauch oder ein Spargelstock liefert Jahr für Jahr eine leckere Ernte, ohne dass du viel dafür tun musst. In deinem einjährigen Garten wirst du jedes Jahr neu aussäen. Du wirst Jungpflanzen anziehen und sie vor Schnecken und anderen „Missetätern“ schützen müssen, bis sie groß genug sind, um alleine klarzukommen. Deine mehrjährigen Pflanzen brauchen viel weniger Aufmerksamkeit. Wenn sie sich einmal etabliert haben, musst du abgesehen vom jährlichen Mulchen und gegebenenfalls einem jährlichen Schnitt kaum etwas tun. Natürlich dauert es gerade bei Bäumen mitunter Jahre, bis sie Früchte tragen. Deswegen sollten das Pflanzen von Obst- und Nussbäumen, das Anlegen eines Kräutergartens und eines Beetes mit Artischocken, Erdmandeln, Rhabarber, Topinambur, Erdbeeren und Co. auch die ersten Dinge sein, die du tust, wenn du auf ein neues Grundstück ziehst.

Wie viel Arbeit macht Selbstversorgung?

Mulchen

In unserem Back To Eden-Garten haben wir dieses Jahr abgesehen vom Angießen nach dem Pflanzen nicht einmal wässern müssen. Der Boden ist nämlich mit einer 40cm dicken Hackschnitzelschicht bedeckt, die ihn vor Verdunstung schützt und obendrein dafür sorgt, dass kein Unkraut durchkommt. Das ist eine immense Arbeitsersparnis.

Leider funktioniert die Back To Eden-Methode bei uns nicht für alle Pflanzen. Kleine und zarte Pflanzen wie Salat gehen in dem Mulch einfach unter. Die kommen in unsere anderen Beete, die wir nicht so dick mulchen (nur ca. 5cm), aber selbst diese dünnere Mulchschicht hält den Boden feucht und verrottet nach und nach zu herrlichem schwarzem Humus. Für kräftigere Pflanzen wie Tomaten, Kürbisse, Rote Bete, Kartoffeln und Kohl ist der Back To Eden-Garten mit der dicken Mulchschicht sehr gut geeignet. Seit wir nach der Back To Eden-Methode gärtnern, reduziert sich unsere Gartenarbeit auf ein Minimum. Wenn du wissen willst, wie wir unsere Tiefmulch-Beete anlegen, schau hier vorbei.

Wie viel Arbeit macht Selbstversorgung?

Permakultur

In der Permakultur findest du viele Ideen und Konzepte, mit denen man sich die eigene Selbstversorgung möglichst leicht machen kann. Wenn du zum Beispiel Hühner nicht nur zum Eierlegen zu hältst, sondern sie auch als Gartenhelfer, kleine Kompostmaschinen, Schneckenpolizei und Gewächshausheizung einsetzst, schlägst du viele Fliegen mit einer Klappe. Die Permakultur hilft dir dabei, deinen Hof als Ganzes zu betrachten und die einzelnen Elemente so zu verknüpfen, dass sie voneinander profitieren.

Nicole von der Biotopicafarm hat ein tolles eMagazine über Permakultur geschrieben, in dem sie unter anderem beschreibt, wie du die Wege, die du bei deinen täglichen Routinen zurücklegst, möglichst kurzhältst und dir dein Selbstversorger-Leben einfacher gestalten kannst.

Wie viel Arbeit macht Selbstversorgung?

Arbeite für dich selbst und nicht für deinen Chef

Je höher dein Selbstversorgungsgrad ist, desto eher kannst du anfangen, weniger für Geld zu arbeiten und mehr für dich selbst. Wenn du weniger Geld brauchst, kannst du außerdem einen Job annehmen, in dem du weniger verdienst, der dich aber mehr erfüllt als dein alter. Ich liebe es, im Garten zu sein, ich liebe meine Tiere, den Geruch von Feuer und das leise Rattern des Spinnrads. Indem du vieles selber machst, kannst du nicht nur eine Menge Geld sparen. Du tauschst auch bezahlte Arbeit gegen ein freies und erfüllendes Leben ein.

Nichts-Tun-Landwirtschaft

Ich träume davon, irgendwann einen wilden Gemüsegarten zu haben, wie ihn der japanische Permakulturist Masanobu Fukuoka in seinem Buch Der große Weg hat kein Tor beschreibt. Seine Gemüsearten säen sich selbst aus und wachsen fast ohne menschliches Zutun. Dieses Buch hat mich sehr geprägt und meine Sicht auf die Welt und unsere Selbstversorgung grundlegend verändert. Meiner Meinung nach sollte jeder, der sich für den Anbau von Lebensmitteln und ein natürliches Leben interessiert, dieses Buch lesen. Insbesondere wenn du nach Ideen suchst, deine Selbstversorgung möglichst einfach zu gestalten, ist Der große Weg hat kein Tor eine Permakultur-Pflichtlektüre.

Einfach leben

Der Weg in die Selbstversorgung ist für viele ein Weg in ein einfacheres Leben. Wenn du mit deiner Selbstversorgung den Lebensstandard aufrechterhalten willst, den der durchschnittliche westliche Mensch gewohnt ist, ist das verdammt viel Arbeit. Ein natürlicheres, einfacheres Leben aber bedeutet nicht nur eine Verbesserung der eigenen Lebensqualität. Es heißt auch, dass eine umfassende Selbstversorgung gut machbar ist, ohne von früh bis spät dafür zu ackern.

Wie viel Arbeit macht Selbstversorgung?

Wie erleichterst du dir deinen Selbstversorger-Alltag? In welchen Bereichen versorgst du dich selbst oder möchtest du dich selbst versorgen? Wie viel Zeit nehmen deine täglichen Routinen in Anspruch? Teile deine Erfahrungen in den Kommentaren!

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2 Kommentare

  1. Hi Marie, dein Artikel war genau das richtige für heute Abend. Positiv, pragmatisch, wunderbar 🙂 Von der Back to Eden Garten-Methode hatte ich noch nie etwas gehört. Auch das Buch „Der Große Weg hat kein Tor“ habe ich gerade bestellt, klingt interessant – und auch noch ein Buch7-Link, wie sympathisch… 🙂 Für mich persönlich geht es beim Thema Selbstversorgung immer erst einmal um die Freiheit durch Selbstbestimmung und um die Freude am Produktiv-sein statt um die tatsächliche Versorgung mit Kalorien, Textilien und Gegenständen. Zu viel Dogma macht schnell unfrei und schlicht keinen Spaß. Daher hat mir dein Text wirklich gut gefallen. Viel Erfolg auf eurem Weg! LG Marie

    • Marie sagt

      Hey Marie,
      danke für deine lieben Worte. Das mit der Selbstbestimmung sehe ich genauso. Ein Grund, warum ich so gerne auf eurem Blog vorbeischaue. Ihr zeichnet ein realistisches Bild, wenn es um Selbstversorgung geht, ohne zu romantisieren – und macht gleichzeitig Mut, sofort anzufangen.
      Viel Spaß mit dem Buch. Ich glaube, es wird dir gefallen. 🙂
      Marie

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