Haltbarmachen
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9 Einkoch-Mythen, die du kennen solltest

Einmachen Einkochen Anleitung

Einkochen, einmachen, einwecken, wie auch immer man es nennen mag – ich bin süchtig danach, Essen in Gläser zu stopfen und die dann in meinen Vorratsschränken aufzureihen. So ein voll gefüllter Vorratsschrank hat schon etwas unglaublich Ästhetisches, oder? Sommer in Gläsern… :)

Das Einkochen ist eine tolle Möglichkeit, Obst und Gemüse aus dem Garten haltbarzumachen. Manchmal höre oder lese ich aber Sachen über`s Einkochen, die mir die Haare zu Berge stehen lassen. Es kursieren ein paar ziemlich hartnäckige Gerüchte zum Thema Einkochen, die schlichtweg falsch und teilweise sogar gefährlich sind.

Deswegen kommt hier die Abrechnung. ;) Hier sind neun Einkoch-Mythen, die du kennen solltest:

Einkochen, einmachen, einwecken... Wie auch immer man es nennen mag: Es gibt einiges zu beachten. Hier sind 9 hartnäckige Einkoch-Mythen, die du auf jeden Fall kennen solltest. Und eine Anleitung mit Rezept, wie es richtig geht. :) So kannst du Obst, Gemüse und Fleisch selbst einkochen und dir deinen Selbstverosorger-Vorrat für den Winter anlegen. #Einkochen #Selbstversorgung #Wurzelwerk #Selbstversorger

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1. Einkochen im Backofen ist sicher

Nein, leider nicht. Im Backofen lässt sich die Temperatur nie so genau steuern wie im Einkochtopf. Die Hitze im Backofen ist außerdem trocken und dringt damit nur langsam in die Gläser ein. Deswegen kann man nicht sagen, ob das Innere des Glases auch wirklich lang genug die Temperatur gehabt hat, die zum sicheren Einkochen nötig ist.

Einkochgläser sind nicht für trockene Hitze gemacht, die Gummis werden spröde und die Gläser bekommen schnell eine hässliche Patina. Ich habe auch schon mit dem Einkochen im Backofen herumexperimentiert und, ja, das kann funktionieren. Aber sicheres Einkochen sieht anders aus. Es gibt keinen Grund, die eigene Gesundheit zu riskieren, wenn es andere sichere und einfache Methoden gibt. Vom Backofen lass lieber die Finger.

2. Alles, was man im Laden als Konserve kaufen kann, kann man auch zuhause einkochen

Stimmt nicht. Es gibt Lebensmittel, die unter Bedingungen konserviert werden müssen, die man zuhause gar nicht erfüllen kann. Nudelsuppe zum Beispiel oder pürierten Gemüse-Babybrei. Es sind zwar nur wenige Ausnahmen, aber es gibt durchaus Sachen, die man nicht selbst einkochen kann.

3. Im Glas ist ein Vakuum, also ist alles sicher eingekocht

Beim Einkochen dehnt sich die Luft im Glas aus und strömt nach draußen. Der Deckel funktioniert dabei wie ein Ventil und lässt beim Abkühlen keine Luft von außen zurück ins Glas. So entsteht ein Vakuum und der Deckel sitzt fest auf dem Glas.

Zum sicheren Einkochen muss der Glasinhalt aber auch sterilisiert werden. Als ich das erste Mal Gemüse eingekocht habe, kannte ich „einkochen“ nur von meiner Großmutter, die heiße Marmelade in Gläser gefüllt und sie schnell verschlossen hatte. Dass das überhaupt kein Einkochen ist, wusste ich nicht.

Also habe ich meine Möhren genauso behandelt wie meine Großmutter früher die Marmelade. Und natürlich hat sich auch ein Vakuum gebildet. Aber das Ganze war nicht sterilisiert und nach drei Tagen sind die Deckel wieder aufgeploppt, weil die Möhren angefangen haben zu gären.

Erst später habe ich dann erfahren, dass man alles, was nicht sehr viel Zucker oder Säure enthält, im Glas kochen muss, um es haltbarzumachen. Das Vakuum alleine sagt noch nichts darüber aus, ob etwas sicher eingekocht ist oder nicht. Man muss es auch gescheit sterilisieren und die Einkochzeiten dabei genau einhalten.

4. Gläser müssen nach dem Einfüllen auf den Kopf gestellt werden

Dieser Tipp stammt aus einer Zeit, in der die Hygienebedingungen in der Küche noch eher dürftig waren. Das heiße Einkochgut sollte im umgedrehtem Glas den Deckel sterilisieren und Keime abtöten. Durch das Umdrehen schließen die Gläser manchmal aber nicht richtig bzw. baut sich manchmal kein starkes Vakuum auf. Deswegen ist es viel sinnvoller, die Deckel vor dem Einmachen abzukochen, dann sind sie nämlich schon steril.

Ich koche meine Deckel mindestens fünf Minuten lang und gebe dabei einen Schuss Apfelessig ins Kochwasser. Im Grunde ist das vorherige Abkochen nocht nicht mal wirklich nötig, wenn man richtig einkocht und nicht nur heiß einfüllt, weil das gesamte Glas beim Einkochen durcherhitzt und sterilisiert wird. Ich mache es trotzdem, um sicher zu gehen. Aber umdrehen muss man seine Gläser nicht, das ist wirklich veraltet.

5. Die Gummiringe schmiert man am besten mit Paraffin ein

Es geht das Gerücht um, dass die Deckel besser schließen, wenn man die Gummiringe mit Paraffin einschmiert. Mach das nicht! Das ist nicht nur unnötig, sondern sogar gefährlich. Das Paraffin kann nämlich verhindern, dass sich in den Gläsern ein Vakuum bildet, und das gesamte Einkochgut ist verloren. Die Ringe müssen weder gefettet noch sonst wie behandelt werden. Du kannst sie einfach so verwenden, wie sie sind.

Einkochen einmachen Anleitung

6. Die Klammern darf man nicht abnehmen

Das sehe ich sooo oft: Einkochgläser, die mit Klammern im Schrank stehen.

Alle Gläser, die keinen Schraubdeckel haben, zum Beispiel die Weck-Gläser, verschließt man beim Einkochen mit Klammern. Die halten die Deckel fest auf den Gläsern, lassen die heiße Luft aber nach außen entweichen.

Beim Abkühlen bildet sich dann der Unterdruck und der Deckel hält auch ohne Klammern. Die Deckel sitzen dann wirklich fest, man kann die Gläser am Deckel packen und hochheben. Außer der Inhalt des Glases verdirbt. Dann bilden sich Fäulnisgase, die das Vakuum aufheben.

Deswegen ist ein fest sitzender Deckel der beste Indikator dafür, ob der Inhalt des Glases genießbar ist oder nicht.

Wenn man die Klammern an den Gläsern lässt, fällt dieser Indikator aber weg. Dann kann sich der Deckel nicht lösen und man merkt nicht, dass der Inhalt schlecht geworden ist. Solche Gläser können sogar explodieren.

Also: Sobald das Glas abgekühlt ist, die Klammern abmachen!

7. Bügelgläser sind Einkochgläser

Aus dem gleichen Grund sollte man auch keine Bügelgläser zum Einkochen verwenden. Der Bügel funktioniert wie eine Klammer und drückt den Deckel permanent auf das Glas. Beim Öffnen kann man dann nicht sicher sagen, ob das Eingekochte noch gut ist.

Wenn man die grundlegenden Einkoch-Regeln beachtet, verdirbt zwar nur sehr selten etwas. Trotzdem schmeckt das Essen gleich viel besser, wenn man sicher sagen kann, dass es nicht verfault ist.

Stattdessen kann man in Bügelgläsern aber wunderbar Lebensmittel wie Trockenbohnen oder Getreide aufbewahren. Das sieht auch noch richtig hübsch aus!

8. Man braucht viel Equipment, um einzukochen

Einkochtopf, Einkochautomat, Einsätze, Thermometer, Einkochgläser mit Ringen und Klammern, Stäbchen, Glasheber… Man kann einen ordentlichen Batzen Geld für Einkoch-Zubehör ausgeben, aber man muss nicht.

Ich wage sogar zu behaupten, dass du alles, was du zum Einkochen benötigst, schon im Haus hast. Mit Ausnahme vielleicht von einem Glasheber, die Dinger sind wirklich praktisch, wenn man sich nicht die Finger verbrennen will. Und ein Thermometer braucht man zum Einkochen auch auf jeden Fall.

Aber alles Andere lässt sich wunderbar zweckentfremden.

Statt Einmach-Gläsern kannst du die gebrauchten Twist-Off-Gläser aus dem Supermarkt verwenden, zum Beispiel alte Senf- oder Marmeladengläser. Die sind zwar nicht ganz so stabil wie „richtige“ Einkochgläser und es heißt immer, dass sie beim Einkochen kaputtgehen können. Mir ist das aber noch nie passiert. Wenn du gerade erst mit dem Einmachen anfängst und nicht so viel Geld ausgeben willst, ist es das Risiko denke ich wert.

Einkochen einmachen Schraubgläser

Und statt einen Einkochtopf oder Automaten zu kaufen, kannst du auch jeden anderen großen Topf verwenden und den Deckel schräg auf das Thermometer legen. Das ist zwar etwas improvisiert, aber es funktioniert. Und gerade, wenn du gerade erst mit dem Einkochen anfängst, kannst du so erstmal schauen, ob dir das alles überhaupt Spaß macht, bevor du Geld für etwas ausgibst, was letztendlich nur in der Ecke verstaubt.

9. Einkochen ist gefährlich

Trotz allem ist Einkochen einfach und macht unglaublich viel Spaß. Das Einkochen ist sogar eine der sichersten Haltbarmach-Methoden. Sollte doch mal ein Glas verderben (was so gut wie nie passiert), erkennt man das vorher am abgelösten Deckel und würde es gar nicht erst essen. Man muss sich halt an die Regeln halten und seine rebellische Ader, zumindest was das Einmachen betrifft, ein wenig zügeln. Dann ist Einkochen ein ganz wunderbares Hobby und eine tolle Möglichkeit, auch im Winter noch etwas von der eigenen Ernte zu haben. :)

Anleitung zum Einkochen

Übrigens: Falls du eine Anleitung zum sicheren Einkochen suchst: Hier ist eine. Ich will schließlich nicht nur herummosern, was man beim Einmachen alles falsch machen kann, sondern dir vor allem dabei helfen, es richtig zu machen. Lass dich nicht abschrecken, das ist ganz einfach! :)

Hast du schonmal eingekocht? Fallen dir noch mehr typische Fehler ein oder hast du Ergänzungen zu dem, was ich geschrieben habe? Was möchtest du dieses Jahr alles einkochen? Schreib mir gerne einen Kommentar!

Kategorie: Haltbarmachen

von

Hi, ich bin Marie. Leidenschaftliche Gärtnerin, Mutter eines dreijährigen Sohnes und auf dem Weg in ein einfaches und natürliches Leben. Auf meinem Blog dreht sich alles um das Thema Selbstversorgung: vom Gemüsegarten über Tierhaltung oder das Haltbarmachen der eigenen Ernte. Viel Spaß beim Stöbern!

3 Kommentare

  1. Pingback: Einkochen für Anfänger: Schritt für Schritt Anleitung und was man nicht einkochen sollte

  2. Kerstin G. sagt

    Vielen lieben Dank für die Mühe und das En­ga­ge­ment welches du in deine Beiträge investierst. Man lernt viel, wenn man dir “folgt” – Dankeschön.

  3. Sandra sagt

    Hallo Marie, wieder Mal ein toller Beitrag! Ich bin auch eine begeisterte Einkocherin… Besonders bei Marmelade kann man super experimentieren.
    Allerdings hab ich bisher auch meine Gläser auf den Kopf gestellt. Das werde ich dieses Jahr ändern. Ich würde mich freuen, wenn du ein paar leckere Rezepte mit uns teilst. Liebe Grüße, Sandra.

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