Garten, Gemüse-Anleitungen
Kommentare 10

Tomaten ausgeizen und pflegen – Schritt für Schritt mit Bildern!

Tomaten ausgeizen

In diesem Artikel zeige ich dir drei Pflegearbeiten, mit denen du deinen Tomaten zur Höchstform verhilfst: das Ausgeizen, das Entblättern und das Hochbinden. Alle drei Aufgaben kosten dich weniger als eine Minute pro Woche und Tomatenpflanze, sorgen aber dafür, dass du mehr und größere Früchte erntest und der gefürchteten Tomatenkrankheit Braunfäule vorbeugst.

Es lohnt sich also, deine Tomatenpflanzen ein bisschen zu verwöhnen. :) Hier erfährst du Schritt für Schritt, was wann ansteht und wie das mit dem Ausgeizen und Co. genau funktioniert. Viel Spaß!

Merk dir diesen Artikel auf deiner Garten-Pinnwand!

Tomaten ausgeizen: Wann und warum ist das sinnvoll?

Eine Tomatenpflanze ist eine solarbetriebene Zuckerfabrik – aber nicht aller Zucker, den die Pflanze bildet, wandert in die Früchte: Tomatenpflanzen haben auch ein starkes Blattwachstum – oft sogar ein zu starkes Blattwachstum. Deswegen ist das Ausgeizen gerade bei Stabtomaten so wichtig:

Beim Ausgeizen entfernst du alle Seitentriebe, die sich in den Blattachseln bilden, und sorgst so dafür, dass die Tomate nur einen Haupttrieb ausbildet. So konzentriert die Pflanze ihre gesamte Kraft auf diesen Haupttrieb und bildet größere Früchte aus, die dann auch wirklich reif und aromatisch werden.

Qualität statt Quantität ist hier also das Motto. ;)

Es gibt aber noch ein zweites Argument dafür, Tomaten auszugeizen, das ich persönlich noch wichtiger finde als die Sache mit den Früchten:

Tomatenpflanzen sind unglaublich anfällig für Braunfäule, eine der furchtbarsten Krankheiten im Gemüsegarten, die einem die gesamte Ernte vermasseln kann. Und um Tomatenpflanzen vor der Braunfäule zu schützen, ist eine gute Luftzirkulation zwischen den Blättern super wichtig.

Sehr buschige Pflanzen mit mehreren Trieben trocknen langsamer ab und sind somit anfälliger für Braunfäule. Indem du deine Tomaten eintriebig anbaust und die Seitentriebe ausgeizt, wirkst du also auch der Braunfäule entgegen.

Oh je, Braunfäule!

Tomaten ausgeizen: Wann und wie mache ich das?

Aber wie zum Teufel erkennt man diese Geiztriebe? Woher sollst du wissen, welche Triebe du entfernst und welche bleiben?

Das ist im Prinzip ganz einfach, die Geiztriebe wachsen nämlich in den Blattachseln. Hier ist ein Foto, dann siehst du, was ich meine:

Geiztrieb in Blattachsel

Diese Geiztriebe brichst du vorsichtig mit der Hand heraus, ohne den Rest der Pflanze zu beschädigen. Wenn du ein Messer nehmen würdest, um die Triebe abzuschneiden, könntest du Krankheiten zwischen deinen Pflanzen übertragen, es ist also besser, das einfach von (sauberer) Hand zu erledigen. ;)

Kleiner Tipp, damit dir keine Geiztriebe entgehen: Fang unten an und geh dann systematisch alle Blätter bis zur Spitze durch. Das habe ich auf einem Gemüsebetrieb gelernt, auf dem ich gearbeitet habe. Probier es mal aus, du entdeckst so wirklich viel mehr Geiztriebe als wenn du einfach durch die Reihen gehst und die Triebe ausbrichst, die dir sofort ins Auge stechen.

Je jünger die Geiztriebe sind, desto schneller verheilt die Verletzung. Es lohnt sich also, regelmäßig zu entgeizen – ich mache das ungefähr einmal pro Woche. Am besten entgeizt du deine Tomaten gleich morgens, dann brechen die Triebe leichter und die Wunden können gut abtrocknen.

Wenn du Busch-, Strauch- oder Wildtomaten anbaust, hast du Glück – die kommen nämlich auch ohne Ausgeizen aus. :)

Tomatenpflanzen entblättern – Was ist das nun schon wieder?!

Außerdem solltest du deine Tomatenpflanzen ab und zu entblättern, damit die Luft besser zirkulieren kann. Mit dem Entblättern beginnst du, wenn sich die ersten Früchte bilden. Dabei entfernst du die Blätter, die den Boden berühren oder erste Anzeichen von Braunfäule zeigen. Bei einem zu buschigen Wuchs solltest du auch im oberen Bereich der Pflanze Blätter entfernen.

Aber, wichtig:

Pro Arbeitsgang und Pflanze solltest du höchstens drei Blätter ausbrechen, sonst produzieren deine Pflanzen nicht mehr so viele und nicht mehr so süße Früchte und deine Tomaten können leichter Grünkragen bekommen.

Tomaten hochbinden

Die allermeisten Tomatenpflanzen sollten ja an Schnüren oder Stäben emporwachsen, die ihnen Halt geben und verhindern, dass die Pflanzen auf dem Boden liegen. Nur Busch-, Strauch- und Wildtomaten kommen ohne Stütze aus.

Halteschnur im Gewächshaus

Und weil Tomaten sehr schnell sehr viel Wachstum an den Tag legen, solltest du den oberen Teil der Pflanze einmal in der Woche am Stab hochbinden oder die Pflanze weiter um die Halteschnur wickeln. Wenn du das nicht machst, kann die Spitze deiner Pflanze abbrechen und der Haupttrieb wächst nicht weiter.

In dem Fall kannst du dann immer noch einen Seitentrieb stehen lassen und als neuen Haupttrieb an der Stange oder am Seil nach oben leiten, aber das muss ja nicht sein, wenn es sich so leicht verhindern lässt. ;)

Tomatenpflanzen stutzen

Erreicht der Trieb das obere Ende der Schnur oder Stange, solltest du ihn stutzen, damit die Früchte gleichmäßig ausreifen und sich im Verlauf keine weiteren Geiztriebe bilden.

Dazu kappst du den Trieb ein bis zwei Blatt über dem obersten Fruchtansatz. Im ungeheizten oder schwach geheizten Anbau fällt das Stutzen ungefähr auf den Zeitraum zwischen Anfang und Mitte August. In den ersten Tagen nach dem Stutzen muss die Bewässerungsmenge reduziert werden, sonst platzen die Früchte – Peng, Peng! ;)

Bis zu 15 kg pro m2 ernten!

Tomaten, die länger als 5-6 Monate im Gewächshaus stehen, erreichen eine Höhe, die weit über die Schnurlänge von 2,20 m hinausgeht. Hier kannst du, statt die Pflanzen zu kürzen, auch das sogenannte Layersystem anwenden, bei dem die Pflanzen nach Erreichen des Spanndrahtes heruntergelassen und reihum durch das Gewächshaus geführt werden.

Dafür muss die Halteschnur auf eine Spule gewickelt werden, die dann in den Spanndraht eingehakt wird und es einem ermöglicht, die Schnur entsprechend dem Wachstum der Pflanzen zu verlängern.

Sobald die Pflanze über die Halteschnur hinauswächst, wird sie abgelassen und die Schnur seitlich versetzt wieder aufgehängt, sodass der entblätterte Stiel seitlich auf dem Boden liegt. Hier kannst du mehr über das Layersystem lesen.

Um eine Infektion mit Krautfäule oder anderen Pilzkrankheiten zu verhindern, sollte der Stängel keinen direkten Bodenkontakt haben, sondern auf Haltebögen aus stabilem Draht aufliegen. Im Layersystem sind Erträge von bis zu 15 kg/m² möglich.

Mehr Infos für glückliche Tomaten!

Hier habe ich dir meine anderen Artikel in der Tomaten-Serie verlinkt:

Kräftige Tomaten selber ziehen und pikieren

Tomaten richtig pflanzen und abhärten

Ansonsten trag dich auch gerne für meinen Gemüsegarten-Pflanzplan ein. Den Plan habe ich für alle erstellt, die sich von Mischkultur, Fruchtfolge und Co. überfordert fühlen – der Plan ist von vorne bis hinten ausgeklügelt und sorgt dafür, dass du deine Beete auch ohne Kopfzerbrechen optimal nutzt und das Beste aus deinem Garten herausholst.

Hier kannst du dich eintragen:

Hast du noch mehr Tipps zum Ausgeizen und Pflegen von Tomaten? Dann ab damit in die Kommentare, so können wir alle voneinander lernen. :)

Kategorie: Garten, Gemüse-Anleitungen

von

Hi, ich bin Marie. Leidenschaftliche Gärtnerin, Mutter eines fünfjährigen Sohnes und auf dem Weg in ein einfaches und natürliches Leben. Auf meinem Blog dreht sich alles um das Thema Selbstversorgung: vom Gemüsegarten über Tierhaltung oder das Haltbarmachen der eigenen Ernte. Viel Spaß beim Stöbern!

10 Kommentare

  1. Hallo marie,
    Ich lese deinen blog regelmässig, mir entgeht kein post ( auch dank newsletter), und ich freu mich über jeden deiner beiträge!
    Ich hab jetzt aber eine konkrete frage zu den tomaten: heute ist es endlich vorbei mit den eisheiligen ubd auch keine arge kälte mehr zu erwarten. Meine tomatenpflänzchen hab ich die letzten tage schon etwas ‘abgehärtet’, allerdings mickern sie zur zeit etwas vor sich hin, ich schätze, sie müssen jetzt wirklich raus in den boden…aber: nach mondkalender sind jetzt erstmal wurzel-danach blüten-, und blattage, ich müsste die tomaten also noch bis dienstag nächste woche drinnen behalten, wenn ich sie nur anfruchttagen raussetzen will….wie machst du das, wartest du die 6 tage noch ab, oder pflanzt du sie jetzt raus? Ich habe kein gewächshaus, in das ich sie schon früher hätte setzen können und die letzten nächte gabs echt noch niedrige temperaturen…was würdest du raten?
    Herzlichen dank und liebe grüsse!
    Antje von lelonuk

  2. Hans-Peter Büttner sagt

    Es sind tolle Beiträge, kurz und informativ beschrieben und bebildert.

  3. Dirk sagt

    Liebe Marie ,

    dieser Artikel hat mir wirklich sehr geholfen . ich bedanke mich herzlichst bei Dir .
    Jetzt weiß ch endlich warum meine Tomaten im August anfangen zu platzen .
    Danke noch einmal !

  4. Walter Hund sagt

    Hallo Marie,
    bei uns im Süden ist momentan das Wetter ziemlich launisch. Temperatur halbiert und verdoppelt sich fast täglich, dementsprechend sehen leider momentan unsere Tomatenpflanzen aus.

  5. Karin sagt

    Gibt es bei den Tomaten eigentlich nur Geiztriebe die entfernt werden können/müssen, oder auch echte Seitentriebe, die man besser belässt?
    (Manche sind ja von Anfang an etwas stabiler ausgebildet und sehen eher nach Gabelung, als nach Geiztrieb aus)

  6. Monika sagt

    Liebe Marie

    Hast Du schon Erfahrung mit einer Pflanzenjauche aus Tomatengeiztrieben?

    Liebe Grüsse

    Monika

  7. Anja sagt

    Ich hab das Problem, dass bei zwei Pflanzen neben dem Haupttrieb (fast direkt am Boden) sich jeweils ein recht starker Nebentrieb gebildet hat. Soll ich den lassen oder abschneiden? Früchte sind keine nicht dran am Nebentrieb…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.