Selbstversorgung
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Selbstversorgung aufbauen: Wenn ich von 0 anfangen müsste, was würde ich tun?

Selbstversorgung Garten Huhn

Letztens hat mich jemand gefragt, was ich machen würde, wenn ich mit unserer Selbstversorgung nochmal ganz von vorne anfangen müsste. Die Frage fand ich so spannend, dass ich ihr diese Woche einen ganzen Artikel widmen möchte.

Falls du mich noch nicht kennst: Hi! :) Ich bin Marie, ich studiere ökologische Landwirtschaft und versuche, möglichst viel von dem, was wir essen, selbst anzubauen.

Obst und Gemüse kaufen wir fast gar nicht mehr zu, die Eier kommen von unseren Hühnern, wir backen unser Brot komplett selbst und ich habe eine kleine Ziegenherde für Fleisch und Milch.

Das Wissen, das ich mir angeeignet habe, gebe ich in Onlinekursen weiter und habe so schon über 1000 Kursteilnehmern gezeigt, wie sie sich aus ihrem Garten selbstversorgen. Viele vergessen aber, dass wir am Anfang ja auch ohne jeden Plan losgelegt haben und uns das nicht alles zugeflogen kam.

Ich weiß genau, wie sich das anfühlt, wenn du suuuper große Pläne hast, die du am liebsten sofort umsetzen möchtest, aber absolut keine Ahnung, wie und womit du anfangen sollst.

Deswegen kommt hier ein Fahrplan, an dem du dich orientieren kannst. So würde ich vorgehen, wenn ich unsere Selbstversorgung von Grund auf neu starten würde:

1. Selbstversorger-Fähigkeiten aufbauen

Du hast ein großes Ziel: Du möchtest dich und deine Familie möglichst selbstversorgen. Das fordert Fähigkeiten, die heute kaum noch jemand beherrscht. Deswegen mein Appell an dich:

Fang so bald wie möglich an, dir diese Fähigkeiten anzueignen.

Mach dir eine Liste mit allen Projekten, die du umsetzen möchtest, und überleg dir, was du lernen musst, bevor es losgeht.

Du möchtest Puten halten? Guess what: Such nach Leuten, die dir zeigen können, was du dabei beachten musst.

Du willst dein eigenes Obst anbauen? Lerne, wie man Obstbäume schneidet!

Du träumst von einem großen Selbstversorger-Gemüsegarten? Dann saug so viele Infos auf, wie du kannst, und lerne diese Fähigkeiten von Leuten, die genau das, was du planst, schon machen.

Jipp, das bedeutet oft, dass du ein gewisses Lehrgeld zahlen musst, aber glaub mir: Ich habe schon sehr viel in Kurse investiert, und es hat sich immer gelohnt. Deine Fähigkeiten-Palette ist etwas, das für dich immer an erster Stelle stehen sollte. :)

2. Du hast nicht genug Platz für deine Selbstversorgung?

Wenn du kein eigenes Grundstück hast bzw. dein eigener Garten zu klein ist, lass dich davon nicht abhalten:

Ich schaue immer nach verwilderten Grundstücken in unserer Gegend, mache die Besitzer ausfindig und frage einfach mal nett nach, ob ich das Grundstück beweiden kann.

Viele Leute sind ganz happy, wenn das Grundstück gepflegt wird, und überlassen es mir kostenlos. So haben wir auch schon Grundstücke gefunden, auf denen wir Gärten anlegen konnten.

Wenn du nicht genug Platz hast, ist das also absolut kein Problem. Ich bin mir sicher, dass du ein Grundstück für deine Selbstversorgung findest, wenn du die Augen offenhältst. :)

Wir haben keinen einzigen Quadratmeter eigenes Land und bisher trotzdem immer Grundstücke gefunden, die wir nutzen können.

3. Dein Selbstversorger-Anbauplan

Wenn du noch nie gegärtnert hast, würde ich dir unter keinen Umständen empfehlen, gleich im ersten Jahr eine komplette Gemüse-Selbstversorgung anzustreben. Fang erstmal kleiner an, sonst bist du nachher überfordert, verlierst den Spaß an der Selbstversorgung und schmeißt das Handtuch.

Wie groß dein Garten im ersten Jahr aber auch sein wird:

Du brauchst einen guten Anbauplan! Wusstest du, dass du bis zu dreimal mehr auf derselben Fläche ernten kannst, wenn du einen guten Anbauplan austüftelst? Also einmal bitte hier entlang:

Wie du einen Anbauplan für deinen Gemüsegarten erstellst

4. Die richtige Garten-Methode

Es gibt unterschiedliche Garten-Methoden, die unterschiedliche Vor- und Nachteile haben. Ich würde dir raten, dich vorher gut zu informieren, dir eine Methode auszusuchen und sie 1:1 umzusetzen. Versuch nicht, unterschiedliche Methoden miteinander zu kombinieren.

Übertrieben ausgedrückt: Ein „Gärtnern im Quadrat“-„Back to Eden“-„Aquaponic“-Garten mit Hochbeeten würde vermutlich nicht wirklich funktionieren. ;)

Wenn du nach meinem Gartensystem gärtnerst, musst du das Ganze wirklich als System verstehen. Die Beet-anlege-Technik, die ich dir in meinem Gemüsegarten starten-Onlinekurs zeige, ist zum Beispiel die Basis für alles, was ich dir im Rest des Kurses beibringe.

Wenn du später aber plötzlich anfängst, nach anderen Methoden zu gärtnern, und zum Beispiel auf die Mulchschicht, die ich empfehe, verzichtest, wirst du nie die Erfolge erzielen, die du in deinem Garten feiern könntest, weil das ganze System so aufeinander abgestimmt ist, dass alles ineinander greift.

Also such dir eine Methode aus und zieh das Ganze durch. ;)

5. Geld sparen beim Zubehör

Klar geht es beim Thema Selbstversorgung darum, möglichst viel selber zu machen und dadurch Geld zu sparen. Ironischerweise haben wir durch unsere Selbstversorgung aber auch hohe Ausgaben:

Für Werkzeug zum Beispiel, Einkochzubehör, Zäune, die Tierarztkosten, eine Getreidemühle, Gärtöpfe, Saatgut, evtl. Futter und Baumaterial, ein Spinnrad usw.

Ich bin kein Fan von billigem Werkzeug oder Zubehör. Es lohnt sich immer, in gute Qualität zu investieren und Dinge zu kaufen, die dann auch für Jahrzehnte halten. Aber die kosten eine Menge Geld..

Deswegen hier mein Tipp: Schreib dir eine Liste mit dem gesamten Zubehör, das du für deine Selbstversorgung brauchst, klappere mehrmals pro Woche eBay Kleinanzeigen und ähnliche Portale ab und gib jeden einzelnen Artikel in die Suchmaske ein.

Du wirst erstaunt sein, wie schnell du dein Zubehör zusammen hast – für einen Bruchteil dessen, was du neu für die Werkzeuge bezahlt hättest.

Hier findest du noch mehr Tipps, wie du deine Selbstversorgung mit möglichst wenig Geld aufbaust.

6. Hühner und Kleintiere halten

Sobald du das Zubehör für die Kleintiere, die du halten möchtest, zusammen hast, und gelernt hast, wie du diese Tiere artgerecht hältst, kannst du dich auf die Suche nach passenden (Klein)Tieren begeben.

Mit größeren Tieren wie Ziegen, Schafen oder Schweinen würde ich mir an deiner Stelle mehr Zeit lassen und mich erstmal mit kleineren, pflegeleichten Tieren an das ganze Tierhaltungsding herantasten.

Wenn du Tiere hältst, übernimmst du nämlich immer eine große Verantwortung.

Ich bin ein absoluter Fan davon, alte, robuste Rassen zu halten, die vom Aussterben bedroht sind. In meinem Anfänger-Guide „Selbstversorgung starten“ findest du viele tolle Rassentipps:

Pssst: Kennst du die Initiative „Rettet das Huhn“? Die vermitteln „ausgediente“ Legehennen an Privatleute. Diese armen Geschöpfe werden in der Massenproduktion nämlich schon mit ca. einem Jahr geschlachtet, weil es wirtschaftlicher ist, sie durch jüngere Hennen zu ersetzen.

Einjährige Hybridhennen legen immer noch besser als die allermeisten jungen Rassehühner, du musst dir also keine Sorgen machen, dass du keine Eier bekommst, wenn du solche Hühner aufnimmst.

Ich fände es super toll, wenn du ein paar Hennen von „Rettet das Huhn“ aufnehmen würdest. ♥

7. Du willst dich mit Fleisch selbstversorgen?

Dann solltest du vorher jemanden suchen, der dir zeigen kann, wie man Tiere schlachtet. Tiere zu töten, ist überhaupt nicht schön.

Nicht falsch verstehen: Das Fleisch von Tieren, die du selbst aufgezogen hast, und denen du ein glückliches, freies Leben ermöglicht hast, ist ethisch gesehen viel korrekter als das abgepackte, anonyme Fleisch aus dem Supermarkt.

Aber wenn du ein Tier schlachtest, solltest du wissen, was du tust, damit der Tod so human wie möglich ist. Und du solltest wissen, ob du das überhaupt übers Herz bringst. Also lern das Schlachten von jemandem, der es dir genau zeigen kann, und schau, ob du das überhaupt “packst”, bevor du selbst loslegst.

8. Die größeren Tiere können einziehen

Wenn mit den Kleintieren alles klappt, kannst du dir überlegen, ob du größere Tiere wie Ziegen, Schafe, Schweine oder sogar Kühe anschaffst. Dann kannst du zum Beispiel auch deinen eigenen Joghurt, Käse usw. herstellen. :)

Kleiner Tipp für alle, die sich eine Milchziege oder ein Milchschaf kaufen wollen:

Wenn du ein Tier kaufst, das es gewohnt ist, gemolken zu werden, ersparst du dir sooo viel Arbeit. Die beste Milchziege, die wir hatten, stammte von einem Milchziegenbetrieb und war wegen zu schlechter Milchleistung ausgemustert worden.

Für uns hat die Milch allemal gereicht – und es war super praktisch, dass wir die Ziege nicht ans Melken gewöhnen mussten.

Hol dir meinen Selbstversorger-Anfänger-Guide!

Ich habe einen Anfänger-Guide erstellt, der dir dabei hilft, deinen Selbstversorger-Traum in die Realität umzusetzen. Trag dich gerne hier ein:

Wo bist du auf deinem Weg in die Selbstversorgung? Hast du schon einen Garten? Was sind deine Pläne? :) Ich freue mich wie immer über Kommentare!

Kategorie: Selbstversorgung

von

Hi, ich bin Marie. Leidenschaftliche Gärtnerin, Mutter eines fünfjährigen Sohnes und auf dem Weg in ein einfaches und natürliches Leben. Auf meinem Blog dreht sich alles um das Thema Selbstversorgung: vom Gemüsegarten über Tierhaltung oder das Haltbarmachen der eigenen Ernte. Viel Spaß beim Stöbern!

8 Kommentare

  1. Mascha sagt

    Mir ist es ein Rätsel, wie man Garten, Studium, Haushalt und Job unter einen Hut bekommt o.O
    Hut ab vor dieser Leistung!

  2. Ich bn ganz bei dir und ich finde toll was du empfiehlst. Im kleinen anfangen und nach und nach erweitern. Wichtig ist auch viel Wissen aneignen, wie du sagst und sich die Zeit nehmen. Ich widme meinem Garten höchstens zwei Stunden in der Woche,inkl schnecken abklauben, und bekomme ganzen Sommer mein eigenes Gemüse. Das Wichtigste ist ein guter Plan zur fruchtfolge und ein starker Wille dann anzupacken wen es nötig ist. Gerade wenn zb alle gurken z gleichen Zeit reif sind muss man anpacken und einlegen bevor alles am Kompost landet.

  3. Marie sagt

    Die meiste Zeit ist es gar nicht soo viel, weil wir mittlerweile wissen, wie wir uns die Arbeit erleichtern. Der Garten braucht ca. 3 Stunden die Woche und die Tiere nochmal so viel. Das ist gut machbar. :)

  4. Kyra Scheifele sagt

    Liebe Marie, du bist wirklich ein Vorbild für mich! Meine Schwester und ich (22 und 20) haben uns auch auf den Weg gemacht, alles zu lernen, um uns irgendwann selbst zu versorgen und unsere “Farmtiere” halten zu können. Dazu ist dein Blog wirklich eine große Hilfe! In ein paar Wochen können wir einen riesigen Garten pachten, in dem dann viiiel Gemüse angebaut werden kann (natürlich mit viiiel Mulch) und wo auch endlich Hühner von Rettet das Huhn einziehen können. Ich freue mich schon so darauf! Wir sind auch beide Studentinnen und davon überzeugt (auch dank deinem Vorbild), dass wir das schaffen können, dass wir nicht darauf warten müssen älter zu werden, um unsere Träume zu verwirklichen…
    LG
    Kyra

    • Marie sagt

      Hey Kyra,
      das ist ja mal richtig cool! Wie habt ihr den Garten aufgetrieben? Ihr müsst unbedingt berichten, wie es läuft! :)
      Ich drücke euch die Daumen!
      Alles Liebe,
      Marie

  5. Kya Scheifele sagt

    Wir haben es genau so gemacht, wie du es beschrieben hast: Augen offen halten und durchfragen. So haben wir ein verwildertes Grundstück 2 Minuten von unserem Haus entfernt gefunden. Ich werde berichten!

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