Selbstversorgung
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Unsere Erfahrungen als Selbstversorger

Selbstversorger-Garten mit Ziegen

Wir versuchen, uns möglichst mit Obst, Gemüse, Eiern, Milch und Fleisch selbstzuversorgen. Nicht weil wir als Eremiten leben und uns vom Rest der Welt unabhängig machen wollen, sondern weil es so viel Spaß macht, an der frischen Luft einer wirklich sinnstiftenden Arbeiten nachzugehen – und zu wissen, dass das, was auf dem Tisch landet, wirklich, wirklich gut ist.

Wir kennen die Geschichte hinter jedem Lebensmittel. Wir haben das, was wir essen, mit eigenen Händen erzeugt, und das fühlt sich einfach gut an.

Selbstversorger-Erfahrungen

Die Jahreszeiten bestimmen den Alltag

Ich liebe den Rhythmus der Jahreszeiten. Die Vorfreude im Frühling, wenn es endlich wieder warm genug ist, um mit der ganzen Familie an der frischen Luft zu arbeiten und den Garten zu bestellen.

Dann die ersten eigenen Tomaten im Frühsommer, auf die wir so lange hin gefiebert haben und die so unvergleichlich viel besser schmecken als gekaufte. Das Klappern des Einkochkessels, der im Sommer und Herbst gefühlt ohne Unterbrechung auf dem Herd steht, um all den Überfluss, den der Garten abwirft, für den Winter haltbar zu machen.

Und dann die Ruhepause im Winter, wenn im Garten kaum noch Arbeit anfällt, die Ziegen ihre Melkpause einlegen und endlich Zeit ist, am Spinnrad Wolle zu spinnen, sich zurückzulehnen und an den ganzen Leckereien zu erfreuen, die sich mittlerweile in der Vorratskammer türmen.

Die schönste Zeit des Tages

Es ist toll, bei den Tieren zu sein, gerade früh am Morgen oder abends kurz vor dem Sonnenuntergang. Bei den Ziegen herrscht dann eine so friedliche Stimmung! Wenn du eine Ziege melkst, ist das eine super intime Angelegenheit. Jeden Tag so eng mit einem Tier zusammenzuarbeiten, knüpft ein ganz besonderes Band.

Die Ziege, die ich die letzten zwei Jahre lang gemolken habe, heißt Curry und ist ein absolutes Goldstück. Ich musste sie beim Melken weder anbinden noch füttern. Sie ist freiwillig zu mir gekommen und hat stillgehalten bis ich fertig war. Im Frühling hat sie mich beim Melken abgeschleckt als wäre ich ihr Lämmchen.

Selbstversorger mit Zicklein

Leider hatte Curry einen Tumor an der Gebärmutter und ist zurzeit sehr krank. Zum Glück sind ihre drei Lämmchen allesamt fit, allerdings ist Curry zu schwach, um sich um die Kleinen zu kümmern, sodass wir sie mit der Flasche füttern müssen. An Melken ist nicht mehr zu denken, Curry braucht jetzt alle Kräfte, um wieder auf die Beine zu kommen.

Das Melken geht nicht mit jeder Ziege so reibungslos vonstatten wie mit Curry. Diesen Frühling habe ich mir eine neue Milchziege zugelegt, Amalthea, die vorher noch nie gemolken wurde.Wir üben jeden Tag, aber wir sind immer noch nicht an dem Punkt, an dem ich sie entspannt melken kann.

Es dauert, bis eine Ziege so viel Vertrauen zu einem Menschen aufgebaut hat, dass sie beim Melken entspannt stehen bleibt, gerade wenn sie eher scheu ist wie unsere Amalthea.

Unsere größten Selbstversorger-Schwierigkeiten

Das mit Abstand größte Problem haben wir, weil wir noch nicht in unserem „endgültigen“ Zuhause angekommen sind. Zurzeit studieren wir noch – und wie es aussieht, brauche ich auch noch ein paar Jahre, bis ich mit meinem Studium fertig bin, weil ich zurzeit sehr viel arbeite.

Nach dem Studium wollen wir uns dann nach einem geeigneten Hof umsehen, und ich kann es kaum erwarten, bis es endlich so weit ist. Ich will Bäume pflanzen, verdammt! ;) Ich will feste Zäune für meine Tiere. Bisher lohnt es sich kaum, einen richtigen Stall zu bauen, weil wir wissen, dass wir in absehbarer Zeit wieder weiterziehen.

Ich will uns ein kleines Paradies aufbauen und richtig Arbeit in der Ort stecken, der dann unser Zuhause ist. Bisher ist alles so provisorisch und langfristige Investitionen einfach nicht sinnvoll. Ich weiß, ich weiß, ich bin gerade mal 24, aber ich kann es kaum abwarten, endlich an einem Ort anzukommen. :-)

Die Sache mit dem Urlaub

Den Garten kann man getrost zwei Wochen sich selbst überlassen, die Tiere allerdings weniger. Ein Hühnersitter findet sich eigentlich immer, aber wer kann und will schon täglich deine Ziegen melken, wenn du nicht da bist?

Eine Milchziege kann man nicht von einen auf den anderen Tag absetzen. Die meisten Ziegen werden sogar schon unruhig, wenn du nur eine Stunde zu spät zum Melken kommst.

Wenn du Schafe, Ziegen oder sogar Kühe zum Melken halten möchtest und auf den Urlaub nicht verzichten möchtest, solltest du dir also im Vorfeld eine zuverlässige Melkvertretung organisieren.

Tiere töten und essen?

Wenn du deine Tiere dann auch noch essen möchtest, bist du bald mit den großen Fragen des Lebens konfrontiert. Ein anonymes Stück Fleisch aus dem Laden zu essen, ist eine ganz andere Nummer als ein Tier selbst zu töten, das du aufgezogen und liebgewonnen hast.

Als ich vierzehn Jahre alt war, haben meine Ziegen zum ersten Mal Lämmer bekommen. Mir war klar, dass ich die Böckchen im Herbst schlachten und essen würde – in meinen Augen gab es kein besseres Fleisch als das von Tieren, von denen ich zu 100 Prozent sicher sein konnte, dass sie so frei und glücklich waren, wie es Nutztieren nur möglich ist.

Dann sind die drei Böcke zum Schlachter gegangen und ich habe tagelang Rotz und Wasser geheult. Ich konnte nicht mehr in den Spiegel schauen und das Fleisch wollte ich bestimmt nicht essen.

Ich bin damals von einen auf den anderen Tag vegan geworden, weil mir klar war, dass ich, wenn ich dieses Fleisch nicht essen kann, auch kein anonymes Fleisch mehr essen sollte. Ich war von diesem Tag an acht Jahre lang konsequent vegan und ziemlich radikale Tierrechtsaktivistin. Ich bin nackt und mit Kunstblut besprüht auf Demos mitgelaufen und war bei einer Aktion stundenlang in eine riesengroße Nachbildung einer Supermarkt-Fleischschale eingeschweißt.

Als ich dann immer naturverbundener gelebt habe, habe ich wieder angefangen, Lust auf Fleisch zu bekommen. In der Natur wurde mir mehr und mehr bewusst, dass alles ein großer Kreislauf ist, und nach einem langen Prozess bin ich jetzt wieder an dem Punkt, an dem ich es okay finde, Tiere zu essen. Massentierhaltung finde ich nach wie vor pervers, aber meine eigenen Tiere kann und möchte ich wieder essen.

Wobei es eine durchaus krasse Erfahrung war, mein erstes Huhn zu schlachten… Vielleicht hast du ja auch ein dickeres Fell als ich. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass du dich mit sehr elementaren Fragen konfrontiert sehen wirst, wenn du anfängst, deine eigenen Tiere zu essen.

Und trotzdem…

So hart es manchmal ist, ich kann mir keinen anderen Lebensstil mehr vorstellen. Es ist absolut normal, dass wir nach dem Aufstehen als allererstes den Hühnerstall aufmachen, dass wir unser eigenes Brot backen, jeden Tag frisch kochen, das essen, was gerade Saison hat, und unsere Nachmittage damit verbringen, Weiden umzukoppeln, Gemüse zu säen oder entflohene Hühner zu jagen.

Es gibt so viele gute Gründe dafür, sich zumindest ein Stück weit selbst zu versorgen:

  • Du hast weder Verpackungsmüll noch Transportwege und musst auch nicht nach einem Siegel suchen, das deinen ökologischen Vorstellungen entspricht.
  • Du hast einen ganz anderen Bezug zu Lebensmitteln und lernst wieder den Wert kennen, den Lebensmittel eigentlich haben.
  • Deine Kinder lernen wahnsinnig viel. Die meisten Kinder sind so entfremdet, dass sie nicht einmal mehr wissen, dass Kartoffeln unter der Erde wachsen. Wie soll man von dieser Generation erwarten, dass sie sich auch nur im Geringsten um den Erhalt dieses wundervollen Planeten kümmert? Zeig deinen Kindern, was es bedeutet, mit der Natur zu arbeiten statt gegen sie.
  • Der einzige Lebensmittelskandal, vor dem du dich fürchten musst, ist, wenn deine Hühner marodierend durch die Erdbeerbeete ziehen.
  • Selbst auf Biohöfen herrscht immer ein Konflikt zwischen Tierwohl und artgerechter Haltung auf der einen und wirtschaftlichen Zwängen auf der anderen Seite. Dass man Tieren wirklich gerecht wird und gleichzeitig Geld mit ihnen verdient, ist sehr selten. Wenn du deine Tiere selbst hältst, ohne finanzielle Interessen, kannst du viel besser auf ihre Bedürfnisse eingehen als es den meisten Landwirten möglich ist.
  • Selbst angebaute Lebensmittel schmecken einfach ungemein viel besser als gekaufte. Allein aus kulinarischen Gründen würde ich die ganze Arbeit auf mich nehmen. :-)
Selbstversorger-Ernte

Magst du weiterlesen?

Wenn du auch auf dem Weg in die Selbstversorgung bist, habe ich eine ganze Reihe Artikel zu den unterschiedlichsten Themen, die dich vielleicht interessieren. Hier ist ein kleines Best-Of:

Tiere halten

Warum du auf keinen Fall Ziegen halten solltest

Passen Hühner zu deinem Alltag?

Gemüse anbauen

Wie du einen Anbauplan für deinen Gemüsegarten erstellst

Die sieben häufigsten Fehler im Gemüsegarten

Selbstversorger-Vorratskammer

Die genialste Art, Gemüse haltbar zu machen

9 Einkochmythen, die du kennen solltest

Selbstversorgung

Wie du ein kostenloses Grundstück für deine Selbstversorgung findest

Selbstversorger-Leben: Meine tägliche Routine

Magst du weiterlernen?

Ich habe außerdem zwei sehr detaillierte Videokurse erstellt, in denen ich dir Schritt für Schritt zeige, wie du dein eigenes Gemüse anbaust und deine Ernte haltbar machst:

Gemüsegarten starten

Obst und Gemüse haltbar machen

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Wusstest du, dass ich nicht nur diesen Blog schreibe, sondern auch einen wöchentlichen Newsletter? Mittlerweile haben sich schon über 25.000 (super tolle) Gartenfreunde eingetragen, denen ich jeden Sonntag Tipps zu allem schicke, was im Selbstversorgerjahr gerade ansteht.

Trag dich gerne auch ein, dann verpasst du keine wichtigen Pflanztermine mehr und bekommst rechtzeitig zur Kirschenzeit oder Zucchinischwemme meine leckersten Rezepte um den sommerlichen Überschuss für den Winter haltbar zu machen.

Und das Beste: Im Moment bekommen alle neuen Newsletterabonnenten meinen Gemüsegarten-Anbauplan als Willkommensgeschenk. Der Plan ist so ausgelegt, dass du deine Beete das ganze Jahr über optimal nutzt und dabei alle Mischkultur- und Fruchtfolgeregeln einhältst.

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    Kategorie: Selbstversorgung

    von

    Hi, ich bin Marie. Leidenschaftliche Gärtnerin, Mutter eines fünfjährigen Sohnes und auf dem Weg in ein einfaches und natürliches Leben. Auf meinem Blog dreht sich alles um das Thema Selbstversorgung: vom Gemüsegarten über Tierhaltung oder das Haltbarmachen der eigenen Ernte. Viel Spaß beim Stöbern!

    6 Kommentare

    1. Anna sagt

      Hallo Marie.
      Danke für Deinen sehr kurz und knackig gehaltenen Erfahrungsbericht, in vielen Punken kann ich mich wiederfinden. Natur ist einfach toll und dann noch ein Teil davon zu sein ist grandios.

      Da ich bereits sehr lange Newsletter-Abonnentin bin und auch gerne deinen immer wieder angepriesenen Anbauplan lese, suche ich diesen, aber kann ihn nirgends finden :( wo finde ich den denn? Wäre sehr dankbar dafür, denn der Gemüsegarten wird bei mir leider fast noch zu wenig ausgenutzt, eben genau weil so ein Plan fehlt.

      Tausend Dank für das Teilen deiner Erfahrungen und ich freue mich wöchentlich von Dir zu lesen.

      • Marie sagt

        Hey Anna,

        danke für deinen lieben Kommentar! Du kannst dich einfach in das Formular eintragen, dann bekommst du den Pflanzplan. Keine Sorge, du bekommst den Newsletter dann nicht doppelt. :-)

        Viele liebe Grüße!
        Marie

    2. Kati sagt

      Super Artikel! Kann ich alles sehr gut nachvollziehen. In welcher Gegend habt ihr denn vor, einen Hof zu suchen und Bäume zu pflanzen? :)

      • Marie sagt

        Dankeschön! Das steht noch zur Diskussion, mein Mann will unbedingt wieder in den Süden Richtung Breisgau, ich finde es hier in Hessen eigentlich ganz super. Mal schauen.. :)

    3. Yvonne sagt

      Liebe Marie,
      Es ist so wunderbar wie du mit deinen 24 Jahren lebst und so eine klare Vision hast. Ein Riesenkompliment.
      Abgesehen davon kannst du auch wunderbar schreiben. Gäb es mehr Menschen wie dich würde die Welt anders aussehen.
      Ich wünsche dir, dass deine Träume in Erfüllung gehen!

      Herzlich
      Yvonne

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